Die Schweizer haben in den vergangenen Tagen positive Signale gesetzt und das schiefe Bild, das von ihnen entstanden war, mindestens teilweise korrigiert. Es ist eine Art Empfehlungsschreiben, ihnen weiter zu vertrauen. Obwohl die Bestätigung des 6:0 gegen Island im Test gegen England nicht gelang. Einmal mehr verloren die Schweizer gegen einen vermeintlich Grossen, der für das Freundschaftsspiel notabene sein B-Team berufen hatte.

Nach dem 0:1 in Leicester geht erst recht ein Lob an die Adresse der Uefa. Weil die Nations League mit Ernstkämpfen im Vergleich zu Testspielen geradezu wohltuend ist. Letztere führen, wie erlebt, zu regelrechten Wechselorgien und sind spätestens ab Mitte der zweiten Halbzeit nicht mehr zu bewerten.

Der europäische Verband sollte reagieren und, wie es üblich ist, drei Wechsel erlauben. Er gäbe damit auch ein Zeichen an den Fan, der in England mindestens 60 Franken fürs Ticket bezahlte, die echte Ausgabe seiner Mannschaft aber nie sah.

Ein nahbarer Petkovic

Nach Island wollte Vladimir Petkovic nicht von einem Neuanfang sprechen. Dafür müsse man diesen Auftritt zuerst mehrfach bestätigen. Dennoch hat der Nationaltrainer für sich und die Spieler etwas Neues gestartet. Es war zu hören, dass Petkovic nach Russland nicht sicher war, ob er weitermachen wolle.

Heute wirkt der Tessiner motiviert. Am vergangenen Mittwoch, nach der Aussprache zwischen Medien und Mannschaft, gab es in Feusisberg mit ihm diesen einen innigen Moment, den man sich öfter wünscht: Petkovic verlor seine Scheu, wurde nahbar, plauderte ungefiltert – und öffnete sich für einige Minuten.

Bald steht der Trainer jedoch vor den nächsten Hürden: Stephan Lichtsteiner ist der Captain und war für die aktuelle Verarbeitung der WM wichtig. Aber der Verteidiger, ehrgeizig wie eh und je, sieht sein Leistungsniveau mit 34 Jahren nicht sinken und hält trotz Verjüngung des Teams an seinem Status fest. Lichtsteiner muss trotz Vertrag mit Arsenal bei Petkovic aus Altersgründen irgendwann zum Thema werden. Wie gut kann der Verteidiger bei der EM in knapp zwei Jahren noch sein?

Neue Schlüsselspieler

Petkovic testete gegen England die Dreierkette. Das gefiel. Will er sie weiter vorantreiben, dürfte es für Lichtsteiner nicht einfacher werden. Die Idee mit drei Innenverteidigern ist schon deshalb gut, weil die Schweiz mit der gleichen Spielanlage – Viererkette und Ballbesitzfussball – durchschaubar geworden ist. Der Trainer sagt: «Die Dreierkette kann eine Variante A werden.»

Ein Rätsel bleibt, weshalb es so lange gedauert hat, bis Xherdan Shaqiri in der Mitte spielen durfte. War es zum Schutz von Blerim Dzemaili? Oder weil Breel Embolo rechts nicht der erwartete Faktor war und Shaqiri notgedrungen auf dieser Position agieren musste? Solange der 26-Jährige gut war, war auch die Schweiz gut. Das Herz der Mannschaft bleibt zwar Granit Xhaka, aber ohne Shaqiris Geistesblitze wird es für die Schweiz in Zukunft schwierig bleiben. 

Länderspiel: Schweizer Nati zufrieden mit der Leistung

Länderspiel: Schweizer Nati zufrieden mit der Leistung

Trotz 0:1-Niederlage sind die Schweizer mit ihrer Leistung im Testspiel gegen England zufrieden. Nach dem Spiel antwortet Vladimir Petkovic auf die Frage, ob er überrascht gewesen sei, dass die Schweiz so oft im Ballbesitz gewesen war.

«Das Fazit ist positiv. Ich bin glücklich, sind die Tage so gut verlaufen», sagt Xhaka. Eine gewisse Erleichterung war beim Strategen spürbar. Endlich wurde vor allem wieder über Fussball geredet.

Doch schon bald dürften Veränderungen anstehen, wenn Bernhard Heusler bei der Analyse der Verbandsstrukturen zum Schluss kommt, solche seien nötig. Wie sehr wird dies die Nationalmannschaft beeinflussen? Fürs Erste hat sie einen Schritt in die richtige Richtung getan, der aber nur etwas wert ist, wenn der nächste folgt.