Skicross-Weltmeister
Mit 35 Jahren hat Alex Fiva die so verschmähte heisse Liebe doch noch gefunden

Der Bündner Alex Fiva gehört als Skicrosser zu den Rodeo-Cowboys des Skizirkus und als Schweizer Weltmeister ins Raritätenkabinett.

Rainer Sommerhalder
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So spektakulär wie Feuz in Kitzbühel: Alex Fiva (vorne) unterwegs zu seinem WM-Titel in Idre Fjall in Nordschweden.

So spektakulär wie Feuz in Kitzbühel: Alex Fiva (vorne) unterwegs zu seinem WM-Titel in Idre Fjall in Nordschweden.

Pontus Lundahl / AP

Was für ein schneller und spektakulärer Skifahrer Alex Fiva ist, muss man in der Szene niemandem erzählen. Er gehört seit mehr als zehn Jahren zu den besten Skicrossern der Welt. Jenen Artisten auf zwei Latten, die im Stile eines Cowboys beim Rodeo einen heissen Ritt auf der mit Kurven, Buckeln und Sprüngen gespickten Piste gegen jeweils drei Konkurrenten ausführen. Grosse Explosivität, schnelle Skis, gutes Gleichgewicht und spitze Ellbogen sind für den Erfolg entscheidend.

Die Schweiz mischt ähnlich wie bei den Alpinen in dieser Disziplin ganz vorne mit. Mike Schmid brachte die Sportart mit dem Olympiasieg 2010 in Vancouver ins Gespräch, ein halbes Dutzend Athleten bei den Männern und Fanny Smith bei den Frauen sorgen seither für regelmässige Erfolge. Auch Alex Fiva.

Die offene Rechnung mit Olympia

Nur etwas sagte man dem Bündner bis vor drei Wochen nach: dass Grossanlässe nicht seine heisse Liebe sind. Besonders bei Olympia zelebrierte der in Kalifornien geborene Fiva das Scheitern richtiggehend. 2014 in Sotschi gewann er den letzten Weltcup vor und den ersten nach Olympia. Am Wettkampftag bei den Winterspielen aber beraubte ihn ein Bandscheibenvorfall aller Träume.

2018 in Pyeongchang war er der Schnellste der Qualifikation. Und kam dann im ersten K.o.-Lauf bei einem Rencontre mit Landsmann Marc Bischofberger zu Fall.

Auch bei fünf WM-Teilnahmen reichte es maximal zu Platz 4, wobei er in dieser Bilanz ins Schweizer Gesamtbild passte. Denn seit der ersten WM von 2005 gewann kein Schweizer Mann auch nur eine Medaille. Bis ausgerechnet Fiva im Februar in Schweden den Fluch besiegte und trotz akuter Rückenprobleme noch am Vorabend im zarten Alter von 35 Jahren zum WM-Titel fuhr.

Informatiker finanziell attraktiver als Weltmeister

Weltmeister und nun? Finanziell ausgesorgt hat der verheiratete Vater einer zweijährigen Tochter deswegen nicht. Er lacht und sagt: «Mit einer 100%-Stelle als Informatiker hätte ich mehr verdient als durch den Sport». Profi war er nie, der 12-fache Weltcupsieger arbeitet immer noch Teilzeit in jener Firma, in welcher er bereits die Lehre gemacht hat.

Ausdauerfähigkeit beweist der Modellathlet auch mit seiner 15. Saison im Weltcup, die am Sonntag in Veysonnaz zu Ende geht. Der Finalevent wird sein erster Auftritt als Weltmeister. Sitzleder hat er auch als Athletensprecher seiner Sportart und Mitglied der Athletenkommission aller Disziplinen der FIS. «Keiner ist dort so lange dabei wie ich», sagt er. Er setzt sich für einen dichteren Rennkalender und mehr Preisgeld ein. Dass in dieser Saison erstmals alle Rennen im Schweizer Fernsehen übertragen wurden, freut ihn.

Er ist einer der Gründe dafür. Seinen Erfolg konnte Fiva ungeplant zwei Wochen lang zuhause in Chur feiern. Kurz nach der WM wurde er und seine im siebten Monat schwangere Frau positiv auf Corona getestet. Fiva erzählt, dass Verbandsboss Urs Lehmann der erste und Bundespräsident Guy Parmelin der prominenteste WM-Gratulant waren. «Parmelin wusste sogar, dass ich Corona habe», staunt er. Erfolg macht Lust auf mehr. In einem Jahr rufen die Spiele in Peking. Schliesslich wartet auch bei Olympia noch eine unerfüllte Liebe auf Alex Fiva.

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