Ab 2003 arbeitete die 23-fache Orientierungslauf-Weltmeisterin Simone Niggli-Luder mit der Sportpsychologin Andrea Binggeli, die ebenfalls aus dem OL-Sport kommt, zusammen. Vor der Heim-Weltmeisterschaft in Rapperswil sah sich die damals 25-jährige Niggli-Luder einer enormen Erwartungshaltung ausgesetzt und suchte nach neuen Reizen: «Ich war nicht mehr so unbeschwert, wie noch vor meinem ersten WM-Titel in Tampere 2001, wollte meine Leistung aber unbedingt vor heimischer Kulisse wiederholen. Zudem sah ich mich mit steigendem Medieninteresse konfrontiert. Der Umgang mit diesem Druck war für mich nicht einfach. Deshalb habe ich sportpsychologische Hilfe in Anspruch genommen.»

Goldgaranten im Schweizer Sport: Simone Niggli-Luder und Daniel Hubmann.

Goldgaranten im Schweizer Sport: Simone Niggli-Luder und Daniel Hubmann.

Das mentale Training mit Binggeli zahlte sich aus. In Rapperswil gewann die OL-Ikone 2003 in allen vier Disziplinen Gold. Die Gespräche der beiden wurden daraufhin bis zum Karriereende 2013 weitergeführt und fanden zumeist im Vorfeld der WM statt. Von nun an nahm Niggli-Luder ihre Sportpsychologin auch mit an die WM-Orte, um beim Jahreshöhepunkt akute Themen mit ihr besprechen zu können. In den Diskussionen ging es neben dem Druck und der Erwartungshaltung unter anderem auch um den Umgang mit Fehlern im Rennen und um die Visualisierung von spezifischen Situationen.

Psychologin verleiht Sicherheit

So konnte die OL-Legende unter idealen Voraussetzungen in die Rennen starten: «Die Sicherheit vor dem Wettkampf, nicht nur physisch und technisch, sondern auch mental top vorbereitet zu sein, war für mich bei der Arbeit mit Andrea essenziell.» Niggli-Luder bevorzugte dabei die Hilfe einer Aussenstehenden. «Auch mein Mann hat mir immer wieder wichtige Inputs gegeben, doch der neutralen Aussensicht meiner Sportpsychologin habe ich noch ein wenig mehr Glauben schenken können», sagt Niggli-Luder zum mentalen Training mit der Sportpsychologin, zu der sie auch nach dem Ende der Karriere weiterhin Kontakt hat.