Spritzensport

Mehr Wissen – weniger Doping

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Zu Beginn des Jahres 2021 wird das eigentliche Gesetzbuch der Welt-Antidoping-Agentur erneuert. Erstmals im sogenannten Wada-Code findet sich dannzumal ein internationaler Standard für Ausbildung und Prävention. Damit sollen Sportverbände und Antidoping-Organisationen weltweit in die Pflicht genommen werden, ihre Athleten möglichst einheitlich über Risiken und Nebenwirkungen von Doping aufzuklären.

Die jüngste Wada-Untersuchung dient als Beispiel, wieso Bildung auch im Kampf gegen Betrüger wichtig ist. Beim genauen Blick auf den verbreiteten Einsatz von unerlaubten Mitteln in Kenias Leichtathletik kam zum Vorschein, dass die Sportler häufig nicht wissen, was sie tun. Die Kenntnisse über Doping bewegen sich auf erschreckend tiefem Niveau.

Der ehemalige amerikanische Hürden-Überflieger Ed Moses ist Vorsitzender der Bildungskommission der Wada. Im persönlichen Gespräch wird deutlich, wie wichtig ihm das Anliegen aufgeklärter Athleten ist. Er sagt, dass es weltweit nach wie vor riesige Unterschiede gibt. Er sieht es als ein Recht jedes Sportlers an, über Doping und seine Folgen ausführlich informiert zu sein.

Der Ire Tony Cunningham hat den Inhalt dieses neuen weltweit gültigen Bildungsstandards ausgearbeitet. Zuerst hatte man das Gefühl, diese Vorgabe sei fast nicht umsetzbar. Cunningham hat versucht, einen positiven Ansatz zu finden, und sich die Promotion des sauberen Sports auf die Fahne geschrieben.

Den Fokus nicht darauf legen, was passiert, wenn man die Regeln bricht. Sondern darauf, wie man sie einhält. Die Werte des Sports vermitteln, damit nicht das Gefühl aufkommt, man habe keine andere Wahl, als sich zu dopen. Der Wada-Manager ist überzeugt, Ausbildung sei eine wichtige Strategie, um Doping zu verhindern.

Ein Kernziel für Cunningham ist, dass künftig möglichst für jeden Athleten die erste Erfahrung mit Antidoping in Form einer Ausbildung geschieht. Der Sportler soll eine innere Haltung gegenüber Doping finden und festigen. Dies alles müsse geschehen, bevor ein Athlet ausserhalb des eigenen Landes Wettkämpfe bestreitet, und soll die kulturellen Unterschiede auf dem Gebiet der Bildung berücksichtigen.

Bei den unbestritten wertvollen Bemühungen der Wada, Sportler besser über unerlaubte Mittel aufzuklären, bleibt eines zu hoffen: Dass schlauere Athleten nicht gleichbedeutend mit schwieriger zu erwischenden Dopern sind. Schliesslich zeigte sich auch der gefallene Radstar Lance Armstrong einst an einer Epo-Weiterbildung als besonders wissbegieriger Schüler.

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