Eishockey
Mehr als nur Tore und Assists – so gut war Nico Hischiers Saisonvorbereitung wirklich

Die Saisonvorbereitung der New Jersey Devils ist vorbei. Bis zum ersten Ernstkampf am 7. Oktober, bestreitet das Team von Nico Hischier keine Testspiele mehr. Zeit, um erstmals Bilanz über die Leistungen des Schweizers zu ziehen.

Adrian Bürgler
Merken
Drucken
Teilen
Nico Hischier (links) freut sich mit Verteidiger Will Butcher über einen Treffer.

Nico Hischier (links) freut sich mit Verteidiger Will Butcher über einen Treffer.

Keystone

Nico Hischier beeindruckt bei den New Jersey Devils weiterhin. In seinem vierten Vorbereitungsspiel schoss er bereits sein viertes Tor. Dazu kamen noch zwei Assists. Damit schliesst der 18-Jährige die «Preseason» mit sieben Punkten aus vier Spielen ab – eine unglaublich starke Leistung.

Einige Werte, wie beispielsweise jener von einem Tor pro Spiel oder die Schusseffizienz von 40 Prozent, wird Hischier nie so halten können. Normal ist eine Schusseffizienz von rund zehn Prozent. Aber es sind dennoch sehr gute Zeichen.

Bevor wir aber Hischiers Leistung im Detail analysieren, geniessen wir doch nochmals alle Skorerpunkte Hischiers im Video:

Aber Nico Hischier wird den Devils noch viel mehr bringen, als nur Tore. Das zeigt ein Blick in die Welt der «Advanced Stats», der erweiterten Statistiken. Natürlich sind vier Spiele – beziehungsweise drei, denn jenes gegen Ottawa wurde statistisch nicht erfasst – ein zu kleiner Datensatz, um allgemein gültige Schlüsse zu ziehen. Aber erste Trends lassen sich schon erkennen.

Bullys

Zugegeben, die Erfolgsquote bei den Bullys fällt noch nicht unter die Kategorie der «Advanced Stats». Dennoch hat sich Hischier in dieser Kategorie schon gesteigert. Verlor er in seinem ersten Testspiel noch 70 Prozent aller Anspiele, gewann er im zweiten Spiel bereits die Hälfte. Im letzten Spiel der Vorbereitung gegen Washington betrug seine Erfolgsquote schon 56 Prozent.

Puckbesitz (Corsi)

Wenn ein Team mehr aufs Tor schiesst als der Gegner, befindet es sich mehr in der gegnerischen Zone. Wenn ein Team sich mehrheitlich in der gegnerischen Zone befindet, sind die Chancen, Tore zu kassieren geringer. Dieses einfache Prinzip steht hinter der Puckbesitz-Statistik Corsi. Corsi misst alle Schüsse aufs Tor – egal ob diese vom Goalie gehalten werden, neben das Tor gehen oder geblockt werden. «Corsi For» misst alle Schüsse, die ein Team abgegeben hat, «Corsi Against» misst alle gegnerischen Schüsse. Die Differenz ergibt die Corsi-For-Percentage (CF%).

Du verstehst Corsi noch nicht wirklich? Hier wird es dir im Detail erklärt:

Ein CF%-Wert von über 50 Prozent wird als gut angesehen. Wenn ein Spieler mit positiver Corsi-Statistik auf dem Eis steht, hat das Team jeweils eine grössere Chance, das Spiel zu gewinnen.

Nun hat Nico Hischier in seinem ersten Spiel für die Devils mit 47,06 Prozent in dieser Statistik noch nicht restlos überzeugt. Aber wie bei den Bullys gelang ihm daraufhin eine Steigerung. Im zweiten Spiel kam der Schweizer auf einen CF%-Wert von exakt 60 Prozent. Zum Abschluss der Vorbereitung waren es gar 66,67 Prozent. Natürlich sind derart hohe Werte nicht über längere Zeit haltbar. Aber es zeichnet sich ab, dass Hischier in dieser Statistik New Jersey helfen kann.

Corsi-Relative

Dieser statistische Wert zeigt den Unerschied des Corsi-Werts einer Mannschaft auf, wenn ein gewisser Spieler auf dem Eis steht, im Vergleich zum Wert, wenn derselbe Spieler nicht auf dem Eis steht. Das klingt jetzt sehr theoretisch. Das Erklärstück von MySports zeigt diesen Wert noch etwas fassbarer auf:

Wie steht Nico Hischier in dieser Statistik da? Auch hier bestätigt sich der positive Trend des Wallisers. Zum Auftakt gegen die Capitals lag sein CF%-Relative-Wert bei -7,23 Prozent. Der Corsi-Wert der Devils war also deutlich schlechter als normal, wenn der Walliser auf dem Eis stand. In den folgenden Spielen steigerte er sich dann ins Positive. Beim 4:1-Sieg über die Washington Capitals lag Hischiers Corsi-Relative-Wert bei 11,87 Prozent.

Teamkollegen

Mit wem hat Nico Hischier in der Vorbereitung eigentlich zusammengespielt? Anders als in der Schweiz dient die «Preseason» in der NHL mehr der Sichtung von jungen und neuen Spielern, als dem Finden von Teamkonstellationen. So hat Hischier im ersten Spiel gemeinsam mit Neuzugang Jimmy Hayes und dem Rookie John Quenneville in einer Linie gespielt. Dabei fiel auf, dass die beiden Flügel jeweils schlechtere Statistiken hatten, wenn sie mit Hischier auf dem Eis standen, als wenn sie mit anderen Spielern zusammenspielten.

Bei seinem zweiten Einsatz für die Devils stand der junge Center mehrheitlich mit Stefan Noesen und dem ehemaligen Nummer-1-Draft Taylor Hall auf dem Eis. Dieses Mal bot sich ein anderes Bild. Die Corsi-Werte der beiden Flügel waren deutlich besser, wenn sie mit Hischier zusammen spielten. Im letzten Vorbereitungsspiel stellte Headcoach John Hynes Hischier mit Adam Henrique und Marcus Johansson auf. Auch ihre Statistiken waren im Zusammenspiel mit Hischier besser als ohne den Walliser.

Nun sind das wie gesagt nur Momentaufnahmen und erzählen somit nur die halbe Wahrheit. Aber ein Trend lässt sich dennoch erkennen: Nico Hischier konnte sich in der Saisonvorbereitung nicht nur durch Tore in Szene setzen. Auch in den wichtigsten Basiswerten der «Advanced Stats» konnte er sich von Spiel zu spiel steigern. Die Schweizer Eishockeyfans und die Anhänger der Devils dürfen sich also auf den Saisonauftakt freuen.