Kitzbühel
Matthias Mayer wurde zum Spielverderber für Beat Feuz und ist trotzdem sympathisch

Vor einem Jahr siegte Matthias Mayer in Kitzbühel vor Beat Feuz. Doch der Österreicher ist viel mehr als ein guter Sportler. Er steht zu seinem Glauben und tut Gutes. Und ist selbst vor Rückschlägen nicht gefeit.

Martin Probst
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Matthias Mayer überzeugt auf und neben der Piste.

Matthias Mayer überzeugt auf und neben der Piste.

Expa/Johann Groder / APA/APA

Und immer wieder war da ein Spielverderber. Viermal wurde Beat Feuz in der Abfahrt von Kitzbühel schon Zweiter, viermal stand aber noch einer oberhalb von ihm auf dem Podest. Die Namen der Spielverderber: Peter Fill, Thomas Dressen, Dominik Paris und Matthias Mayer.

In dieser Saison bekommt Feuz sogar zwei Chancen, die Abfahrt auf der Streif zu gewinnen, da am Freitag das Rennen von Wengen nachgeholt wird und am Samstag das reguläre Spektakel geplant ist.

Und da ist, glaubt man der Statistik, vor allem einer, der erneut zum Spielverderber werden könnte: Matthias Mayer. Der 30-jährige Österreicher hat zuletzt in Bormio gewonnen. Doch das ist noch nicht alles. In den letzten 20 Abfahrten gab es acht verschiedene Sieger, doch nur vier Athleten haben drei oder mehr Siege in dieser Zeit vereint: Paris (6), Feuz (3), Dressen (3) und Mayer (3).

Dressen ist nach einer Hüftoperation nicht rennfähig und Paris befindet sich in der Comebacksaison nach einem Kreuzbandriss. Den Italiener, ein Landsmann des zurückgetretenen Spielverderbers Peter Fill, sollte man zwar niemals abschreiben. Trotzdem bleibt vor allem Mayer.

Zweifacher Olympiasieger und so viel mehr

Zeit, ihn besser kennen zu lernen. Natürlich: Mayers Er­folge stehen für sich. 2014 wurde er Olympiasieger in der Abfahrt und 2018 gelang ihm Gleiches im Super-G. Nur 13 Hundertstel­sekunden war er da schneller als – Sie ahnen es: Beat Feuz. Hinzu kommen 10 Weltcupsiege und 20 Podestplätze für den Mann aus Sankt Veit an der Glan im Bundesland Kärnten.

Im vergangenen Jahr siegte Matthias Mayer in der Abfahrt von Kitzbühel vor den zeitgleichen klassierten Beat Feuz (r.) und Vincent Kriechmayr (l.)

Im vergangenen Jahr siegte Matthias Mayer in der Abfahrt von Kitzbühel vor den zeitgleichen klassierten Beat Feuz (r.) und Vincent Kriechmayr (l.)

Expa/Johann Groder / Handout / EPA

Doch das Leben von Mayer beinhaltet weit mehr als den Sport. Obwohl er von diesem früh geprägt wurde. Sein Vater Helmut gewann 1988 Olympiasilber im Super-G und ein Jahr später WM-Silber im Riesenslalom. Matthias teilte darum das Schicksal vieler Kinder von erfolgreichen Eltern. Sie werden mit ihnen verglichen.

Mayer litt in der Jugend unter den Erwartungen. Sein Vater hält sich bewusst im Hintergrund. An wichtige Rennen wird Mayer von seiner Ehefrau Claudia und seiner Mutter Margret begleitet, die sein Leben abseits der Piste geprägt hat. Durch ihren starken katholischen Glauben.

Er sass im Rollstuhl und brach sich zwei Wirbel

Matthias Mayer ist einer von wenigen Sportlern, die offen zu ihrem Glauben stehen. Für viele ist Religion ein Tabu. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit. Für sportliche Erfolge beten, das würde er allerdings nie.

Stattdessen engagiert er sich privat. 2015 nahm Familie Mayer zwei irakische Flüchtlingsfamilien bei sich zu Hause auf. Es kam zu Begegnungen, die Matthias bis heute prägen. Auch mit seinem Fanklub setzt sich Mayer mit viel Leidenschaft im sozialen Bereich ein.

So erfolgreich Mayer als Sportler ist, er kennt auch Tiefschläge. Als er 21 Jahre alt war, führte eine Lebensmittelvergiftung zu einer schweren Entzündung der Gelenke mit grossem Kraft- und Gewichtsverlust als Folge. Die Entzündungen waren so stark, dass er nicht mehr selbst laufen konnte.

2015 brach er sich nach einem heftigen Sturz in Bormio zwei Brustwirbel. Nur der damals neu entwickelte Airbag hat wohl verhindert, dass er heute gelähmt ist.

Seine Geschichte hat ihn geprägt. Ein grosser sportlicher Traum bleibt: Mayer möchte die Kristallkugel für den besten Abfahrer der Saison gewinnen. Das ist zuletzt Beat Feuz dreimal in Serie gelungen.