«Einmal in einem WM-Final stehen.» So lautet der Wunsch von Matthias Hofbauer. Seit 19 Jahren ist der 35-Jährige die prägende Figur schlechthin im Schweizer Unihockey.

Über 800 Skorer-Punkte, sieben Meistertitel, zwei Cupsiege und der Gewinn des Europacups: Auf Vereinsebene hat Hofbauer mit dem SV Wiler-Ersigen alles gewonnen.

Doch die Krönung mit dem Nationalteam blieb dem Rekordnationalspieler (160 Länderspiele) bislang verwehrt.

Und das, obwohl die Schweiz zu den weltbesten Unihockey-Nationen gehört. Heute startet der Routinier gegen Estland in seine neunte Weltmeisterschaft. Gastgeber ist Lettland.

Die Ausgangslage scheint auf den ersten Blick hoffnungslos. Zwar gehört die Schweiz zusammen mit Schweden, Finnland und Tschechien unangefochten zu den Top 4, doch mehr als Platz drei lag seit 2000 nicht drin. 

Die Finalpaarung scheint schon vor dem Turnier klar. In den bisherigen elf Weltmeisterschaften standen sich die Dauerrivalen und einzigen beiden Titelträger Schweden (9 Titel) und Finnland (2) gleich neun Mal gegenüber.

Um Bronze spielen mit wenigen Ausnahmen dann meist Tschechien und die Schweiz. So ist das halt, in einer Randsportart, wo es für andere schwer ist, zu den Top 4 aufzuschliessen.

«Das liegt daran, dass wir immer gegeneinander spielen und uns gegenseitig zu neuen Höchstleistungen treiben», versucht Hofbauer zu begründen, warum andere Länder den Anschluss bislang nicht schaffen.

Finnland als Schlüsselgegner

In Lettland trifft die Schweiz in der Vorrunde neben Estland und Deutschland auch auf Finnland. Gelingt der Exploit gegen die zu favorisierenden Finnen – gegen Finnland hat die Schweiz zuletzt eine ausgeglichene Bilanz – trifft man vermutlich erst im Final auf den Topfavorit Schweden.

Solche Rechenspiele kann man an der Unihockey-WM durchaus machen, weil Überraschungen zwar möglich, aber äusserst selten sind. Die spielerischen Unterschiede sind zwar geringer als früher, aber nach wie vor prekär.

Die sportliche Einseitigkeit ist ein grosses Problem der Randsportart Unihockey. Noch nie ist es der Schweiz, dem Weltranglistendritten, gelungen, Schweden zu besiegen. Noch nie. Auch Hofbauer nervt diese unglaubliche Statistik, denn er erinnert sich noch gut an einige enge Matches, welche die Schweiz am Ende doch nicht gewinnen konnte. «Zum Glück sind meine heutigen Teamkollegen da nicht so vorbelastet wie ich», sagt er schmunzelnd.

Dennoch glaubt der Rekordnationalspieler an ein Durchbrechen der Phalanx: «Bei uns ist keiner mit Bronze zufrieden. Wir wollen mehr.» Dafür muss die Schweiz mindestens einen der beiden Grossen besiegen.

«Es ist nicht so, dass wir die Schweden gar nicht schlagen können. An grossen Turnieren waren wir oft nah dran. Auch weil sich die gegnerischen Topspieler da manchmal gegenseitig selbst die Schau stehlen wollen. Aber wir brauchen schon einen sehr guten Tag und sie einen schwächeren», fügt Hofbauer hinzu.

Aber warum sind die Schweden eigentlich so viel besser? Ein Grund liegt auf der Hand. In Schweden spielen fast viermal mehr Menschen Unihockey als hierzulande und in der heimischen Liga spielen die Topstars der Szene. Die Weltrangliste verläuft in der Spitze proportional zur Anzahl lizenzierter Spieler im Land.

Schweden auf 1, Finnland auf 2, Schweiz auf 3, Tschechien auf 4. Es folgt der schlafende Riese Deutschland, wo der Sport Schwierigkeiten bekundet, den Sprung vom Schulsport zum Leistungssport zu schaffen.

«In Schweden konzentrieren sich viele Profi-Unihockeyaner erst mal nur auf den Sport. Erst nach der Karriere machen sie sich Gedanken um die berufliche Zukunft», sagt Hofbauer, der ebenfalls drei Jahre in Schweden Leistungsträger war und sich auch im betagten Sportleralter eine Rückkehr in die beste Liga der Welt vorstellen kann.

Stand heute ist Unihockey im Vergleich zum Beginn von Hofbauers Karriere Ende der 90er zwar medial präsenter und in der Schweizer Gesellschaft etabliert, doch die Popularität erfreut sich lediglich regionalen Schüben. «Insgesamt hätten wir unser Produkt Unihockey schon besser verkaufen können, doch das erfordert Arbeit und Herzblut», resümiert Hofbauer rückblickend.

Unihockey einst olympisch?

Auch Olympia ist immer wieder ein Thema. «Die Bestrebungen für 2020 laufen. Aber das werde ich definitiv nicht mehr erleben. Höchstens als Coach», sagt Hofbauer, der spontan über ein mögliches Karriereende entscheiden will. Doch das ist Zukunftsmusik. Erst einmal will der beste Schweizer Unihockey-Spieler aller Zeiten in den WM-Final. Und dazu braucht es eine Parforceleistung.