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Matten statt Schnee für die Könige der Lüfte

Oberstdorf vor dem ersten Springen.

Oberstdorf vor dem ersten Springen.

Der Schnee wird knapp. In Zeiten des Klimawandels könnte die Zukunft des Skispringens auf Matten liegen.

(sid) Oberstdorf kratzte Schnee von Parkplätzen zusammen, Innsbruck begann die Schanzenpräparierung bei 17 Grad, auch an den übrigen Stationen prägten grüne Bäume statt weisser Bergwelten das Bild: Schnee war an der 68. Vierschanzentournee ein kostbares, weil immer selteneres Gut. «Natürlich machen wir uns Sorgen», sagt Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl, der in Zeiten des Klimawandels wie viele Kollegen um die Zukunft des Skispringens fürchtet.

Dabei geht es den Weitenjägern noch vergleichsweise gut: Zwar fiel während der fast zweiwöchigen Tournee keine einzige Flocke vom Himmel, dank Kunstschnee, der inzwischen bewährten Eisspuren und «Schnee von gestern» aus dem Umland war kein einziger Wettkampf in Gefahr. Theoretisch könnte Skispringen in Zukunft sogar zur Sommersportart werden: Längst gibt es stets ab August eine Serie an Mattenspringen, die bis zu 10000 Zuschauer an die Schanzen lockt.

Man wärmt sich zwischen Krokussen auf

Wird die Tournee bald auf Matten ausgetragen? Stöckl will das nicht ausschliessen. «Man sagt, Skispringen soll in einer Winterlandschaft stattfinden. Aber ich glaube, das können wir uns in 20, 30 Jahren abschminken», so der Österreicher. Seine Prognose: «Der Internationale Skiverband wird sich irgendwann überlegen müssen, auf Mattenspringen umzustellen. Das ist ein Grundsatzentscheid.»

Tatsächlich gibt es bereits weisse, beschichtete Matten, die dem Schneegefühl nahe kommen und auf Schanzen mit Weiten bis zu 70 m getestet werden. Ob Fans jedoch im Winter wirklich «Plastik-Wettkämpfe» sehen wollen, ist fraglich. «Dann geht sicher viel verloren von der Stimmung. Damit müssen wir leben, denn es wird nicht mehr besser, nur noch schlechter», sagt Stöckl. Neu ist eine Tournee ohne Schnee indes nicht. «In Oberstdorf haben wir uns früher schon zwischen den Krokussen aufgewärmt», sagte Österreichs Cheftrainer Andreas Felder.

Nirgends liegt abseits der Piste Schnee

Das bestätigen die Zahlen. Alle zehn Jahre wird die Schnee­saison mehr als fünf Tage kürzer, stellte der Weltklimarat fest. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts nehmen auf der Nordhalbkugel Schneefälle ab. In der laufenden Weltcupsaison war das in Wisla, Klingenthal und Engelberg zu sehen, nirgends lag abseits der Schanze Schnee. Einzig am finnischen Polarkreis in Kuusamo sowie im russischen Nischni Tagil kam so etwas wie Winterstimmung auf.

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