Tour de Suisse

Mathias Frank geht an der Tour de Suisse in die Offensive, wird abgefangen, ist aber trotzdem glücklich

Mathias Frank konnte sich «nur» das rote Trikot (bester Schweizer) holen und nicht das gelbe.

Mathias Frank konnte sich «nur» das rote Trikot (bester Schweizer) holen und nicht das gelbe.

Auch am vierten Tag der Tour de Suisse wechselte das Leadertrikot. Auf den australischen Sprinter Michael Matthews folgte als neuer Führender der Gesamtwertung der Italiener Damiano Caruso. Der Schweizer Mathias Frank griff im Schlussaufstieg an, hatte dann aber doch ein paar Körner zu wenig.

Wie gut bin ich? Was vermag mein Körper zu leisten? Kann ich mit den Besten mithalten? Diese Fragen stellte sich Mathias Frank vor dem Auftakt zur Tour de Suisse. Als er am Samstag in Cham an den Start ging, da war der Nottwiler verunsichert. Eine Stirnhöhlenentzündung inklusive Antibiotika-Kur hatten Frank schachmatt gesetzt. Statt sich an einer kleineren Rundfahrt für sein Heimrennen einzurollen, lag der 30-Jährige im Bett. Am Ende standen lediglich drei Renntage in der Buchhaltung. Eigentlich zu wenig für eine seriöse Tour-de-Suisse-Vorbereitung.

Und dann noch der Prolog. Eine Disziplin, die in Mathias Franks Gunst sowieso ziemlich weit unten steht. Platz 100, 38 Sekunden Rückstand auf Sieger Rohan Dennis. «Ich habe gar nicht auf mein Resultat geschaut», winkt Frank bei der Frage ab, ob ihn der Tour-de-Suisse-Auftakt mental zurückgeworfen habe. Er wusste, dass der erste wahre Test für ihn in der vierten Etappe mit Ziel in Villars-sur-Ollon kommen würde.

Die Bilder der vierten Tour-de-Suisse-Etappe:

Während des zehn Kilometer langen Schlussaufstiegs sieht Mathias Frank nicht sonderlich gut aus. Sein Fahrstil ist unruhig. Er pendelt mit dem Oberkörper hin und her. Der Gesichtsausdruck ist verbissen. Man hat das Gefühl, dass er jeden Moment aus dem immer kleiner werdenden Feld der Spitzenfahrer rausfallen wird. Doch der Luzerner ist zäh. Er beisst sich fest.

Und als die Strasse wieder etwas flacher wird, da attackiert er selber, bringt ein paar Meter zwischen sich und seine Verfolger. Aber er kommt nicht weg. 400 Meter vor der Ziellinie wird er ein- und überholt, verliert noch sieben Sekunden auf den Etappenzweiten, Damiano Caruso, welcher sich ins Leadertrikot einkleiden lassen darf. Frank sagt: «Am Ende hatte ich ein paar Körner zu wenig, um wirklich durchziehen zu können.»

Rotes statt gelbes Trikot

Für Mathias Frank bleibt nur die Ehrung zum besten Schweizer Fahrer im Gesamtklassement. Rotes Trikot statt Maillot jaune. Doch was heisst «nur». Für ihn hat die Etappe nach Villars ein paar dieser quälenden Fragen beantwortet. «Vor zwei Wochen war ich noch krank. Von dem her darf ich zufrieden sein, wie es gelaufen ist. Den ersten Test habe ich bestanden. Diese Bestätigung brauchte ich. Ich konnte schon lange nicht mehr auf so einem Niveau vorne mitfahren. Es ist für mich ein gutes Zeichen, dass ich in dieser Etappe mithalten konnte, obwohl ich mich nicht super gefühlt habe», resümiert er zufrieden lächelnd.

Die Höhenprofile aller Etappen:

Und jetzt? Fühlt er sich gar schon imstande, im Kampf um den Tour-de-Suisse-Sieg einzugreifen? In der Gesamtwertung ist er auf Platz sechs klassiert, 33 Sekunden hinter Leader Caruso, inmitten der grössten Mitfavoriten. Mathias Frank tritt auf die Euphoriebremse: «Ich nehme es Tag für Tag. Es stehen noch viele schwierige Etappen auf dem Programm. Jene nach Sölden. Oder auch die mit dem Albulapass nach La Punt.»

Albulapass? Da war doch etwas? Genau. Vor vier Jahren verlor Mathias Frank als Gesamtleader in jener Etappe die vielleicht entscheidenden Sekunden auf den späteren Sieger Rui Costa. Auch deshalb, weil er am Albula von seinem damaligen BMC-Teamkollegen Tejay Van Garderen im Stich gelassen worden war. An diese Episode verschwendet Frank allerdings keine Gedanken mehr. Im Gegenteil. Er schwärmt: «Der Albula ist einer meiner Lieblingspässe. Sehr schwierig zu fahren, aber auch wunderschön.»

Der Albulapass (hier im Jahr 2013) ist der Lieblingspass des Schweizers.

Der Albulapass (hier im Jahr 2013) ist der Lieblingspass des Schweizers.

Man merkt ihm an. Die Erleichterung ist riesig. Und plötzlich könnte sich die verkorkste Vorbereitung doch noch als Trumpf erweisen. «Vielleicht bin ich in den nächsten Tagen etwas frischer mit den weniger Kilometern in den Beinen?» Auf die Antwort dieser Frage darf man gespannt sein.

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