Eishockey NLA
Maskenmänner: So ticken die Goalies der Playoff-Halbfinalisten

Sie sind die wichtigsten Spieler auf dem Feld. Wenn sie patzen, gibt es niemanden mehr, der sie rausboxen kann: Die Goalies. Doch wer sind die Torhüter den vier Halbfinalisten wirklich?

Marcel Kuchta
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Hinter Gittern: Wer sind die Torhüter der vier Halbfinalisten?

Hinter Gittern: Wer sind die Torhüter der vier Halbfinalisten?

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Leonardo Genoni (SC Bern): Der Akademiker

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Alles, was Leonardo Genoni tut und plant, hat Hand und Fuss. Ist von A bis Z durchdacht. Wohin wechseln nach neun Jahren im Trikot des HC Davos und drei gewonnenen Meistertiteln? Für einen Goalie von Genonis Güteklasse kam da eigentlich nur eine Adresse infrage: der SC Bern. Dass diese Zusammenarbeit funktionieren würde, daran zweifelte kaum jemand. Der grösste und reichste Eishockeyklub der Schweiz zusammen mit einem der besten Goalies des Landes – das konnte eigentlich gar nicht schiefgehen.

Leonardo Genoni hat die hohen Erwartungen erfüllt. Im Viertelfinal gegen den EHC Biel war er klar besser als NHL-Rückkehrer Jonas Hiller. Im Halbfinal gegen den HC Lugano wird die Messlatte nun noch einmal etwas nach oben gesetzt. Der in Kilchberg am Zürichsee aufgewachsene Sohn eines Herzchirurgen, der berufsbegleitend ein Fernstudium in Betriebswirtschaft absolviert, geht auch diese Aufgabe voll fokussiert an. Interviews gibt der 29-Jährige ab sofort keine mehr. Er will nur noch seine Leistungen sprechen lassen.

Elvis Merzlikins (HC Lugano): Der Rock’n’Roller

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Der Puck des alleine auf ihn zustürmenden Gegenspielers verschwindet im Fanghandschuh. Elvis Merzlikins fährt mit einer triumphierenden Geste aus seinem Tor in Richtung Fankurve der gegnerischen Mannschaft, jongliert lässig mit der Scheibe und kassiert dafür ein wütendes Pfeifkonzert. Momente wie diese sind das Lebenselixier von Elvis Merzlikins. Er spielt dann am besten, wenn er unter Strom steht. Dann ist der Lette mit Schweizer Lizenz schier unbezwingbar.

Im Gegensatz zu der Mehrheit seiner Branchenkollegen ist der 22-Jährige kein introvertierter Blocker, sondern mitunter ein Rock’n’Roller, der liebend gerne mal ein Show-Element einbaut in seine Performance. Im Viertelfinal gegen die ZSC Lions war Merzlikins eine Klasse für sich und bewies, dass er, wenn er mit höchster Konzentration zu Werke geht, hierzulande zu den Besten seines Fachs gehört. Letztes Jahr scheiterte er mit dem HC Lugano im Final am SC Bern. Heuer will er die Fans auf der riesigen Stehrampe in der Berner Postfinance-Arena definitiv zur Weissglut treiben.

Tobias Stephan (EV Zug): Der Schatzsucher

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Tobias Stephan steht in seinen neunten NLA-Playoffs. Und noch immer ist er ein Suchender. Den Schatz, den Meisterpokal, hat er bisher aller Anstrengungen zum Trotz nie gefunden. Nicht mit Kloten, nicht mit Servette – und auch nicht mit seinem aktuellen Klub EV Zug. Im ersten Jahr nach seiner Rückkehr aus Nordamerika stand der 33-Jährige mit Genf in seinem einzigen Playoff-Final. In seinen bisher zwei Saisons beim EV Zug schied er zweimal bereits im Viertelfinal aus. Diese Hürde hat Stephan in Zug also zum ersten Mal überwunden und dabei gegen seinen Ex-Klub Servette eine sehr gute Figur abgegeben.

Als der Schweizer Nationalgoalie Ende 2013 seinen Wechsel zum EV Zug bekannt gab, da sagte sein damaliger Trainer bei Genf, Chris McSorley, der EVZ habe mit dessen Verpflichtung einen «Volltreffer» gelandet. Die hohen Erwartungen konnte das Eigengewächs des EHC Kloten in der Innerschweiz bis dato nicht erfüllen. Mit seiner extrem ruhigen Art und seiner neu gewonnenen, mentalen Stärke ist Tobias Stephan in diesem Jahr aber bereit, bei der erfolgreichen Schatzsuche an vorderster Front mitzuhelfen.

Gilles Senn (HC Davos): Der Heimlifeisse

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Mehr Flaum als Bart. Da und dort noch eine Ansammlung von Pickeln. Blickt man Gilles Senn ins Gesicht, dann ist die Jugendlichkeit sichtbar. 21 Jahre alt ist der Oberwalliser in Diensten des HC Davos. Und bestreitet heuer seine ersten NLA-Playoffs als Stammgoalie. Dies tut er bisher mit Bravour. Vier Spiele, vier Siege im Viertelfinal gegen den HC Lausanne. So kann es nach dem Gusto Senns und seiner Mannschaft weitergehen.

Doch wer ist dieser junge Mann, der sich nach durchwachsenem Saisonstart nun zum sicheren Wert im Tor des Rekordmeisters entwickelt hat? Peter Baldinger, sein ehemaliger Juniorentrainer beim EHC Visp, erinnert sich lächelnd an einen Lausbuben, der in jungen Jahren schon mal lieber den hinter dem Tor zusehenden Eltern winkte und darob vergass, seine eigentliche Aufgabe als Goalie wahrzunehmen. So stoisch der Mann aus dem Saasertal gegen aussen wirkt, so faustdick hat er es hinter den Ohren. Baldinger erzählt, dass Senn neben dem Eis immer für einen Spass zu haben sei: «Er ist ein Heimlifeiss.» Es rechnet ja auch niemand damit, dass er seine Mannschaft gleich zum Titel führt.