FC Basel
Marco Strellers Rücktritt: grösste Klub-Ikone neben Karl Odermatt

Der 33-jährige FCB-Captain hängt im Sommer die Fussballschuhe an den Nagel. Beim FC Basel avancierte er in den letzten Jahren zur grössten Klub-Ikone neben Karl Odermatt.

Sebastian Wendel
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Die Basler Muttenzer Kurve wird seine Ikone vermissen.

Die Basler Muttenzer Kurve wird seine Ikone vermissen.

Keystone

Vor zwei Wochen hat die «Nordwestschweiz» mit Marco Streller ein Interview unter dem Motto «Champions» geführt. Unter anderem haben wir ihn gefragt, worin er sich als «Champion» sehe. Er nannte nicht die elf Titel, die er in seiner Karriere gewonnen hatte und die ihn zum erfolgreichsten Schweizer Stürmer der Neuzeit machen. Nicht die 37 Spiele und 12 Tore für die Schweizer Nationalmannschaft, wobei sein Treffer zum 3:2 im WM-Barragerückspiel 2005 in der Türkei sein wichtigster war. Nein, Streller sagte etwas anderes: «Ich bin einer, der zwischen Menschen Brücken bauen kann. Ich bin erzogen worden, auch die Schwächeren zu unterstützen. Die Vermittlerrolle liegt mir sehr, weil ich umgänglich bin und für alle ein offenes Ohr habe.»

Den Namen Marco Streller verbindet man mittlerweile in der ganzen Schweiz mit Erfolg. Aber eben auch mit einer Menschlichkeit, die im Fussball je länger, je mehr verloren geht.

Seit er 2007 nach einem dreijährigen Aufenthalt in der Bundesliga nach Basel zurückkehrte, lagen dem mittlerweile 33-Jährigen immer wieder Angebote aus Topligen vor – oder solche, die ihn finanziell vergoldet hätten. Doch Streller liess immer sein Herz entscheiden. Und dieses schlägt nun mal in Basel, für den FCB. Er ist in der Region aufgewachsen, hat dort seine Freunde und will dort alt werden.

Streller stiess im Jahr 2000 zum FC Basel. Anschliessend wurde er zu Concordia Basel und Thun ausgeliehen.
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Marco Streller (hier bei der Meisterfeier 2014) wurde acht Mal Meister mit dem FCB.
Zuletzt in seiner Abschlusssaison.
Am 31. August absolvierte Streller das 300. Wettbewerbsspiel für den FC Basel.
Marco Streller tritt zurück
Für die Nationalmannschaft absolvierte Streller 37 Spiele und erzielte dabei 12 Tore. Im Nati-Dress fühlte sich der Basel oft missverstanden und trat 2011 zurück.

Streller stiess im Jahr 2000 zum FC Basel. Anschliessend wurde er zu Concordia Basel und Thun ausgeliehen.

Keystone

Stabübergabe an Embolo

In der Mitteilung, die gestern am späten Abend die Redaktionen erreichte, liest sich folgendes Statement: «Obschon ich meinen Vertrag im vergangenen Herbst nochmals verlängert habe, spürte ich zunehmend, dass der richtige Zeitpunkt zum Aufhören früher sein wird. Denn mir ist es wichtig, im Vollbesitz meiner Leistungsfähigkeit abzutreten.»

Es war im November, als vor dem FCB-Heimspiel gegen Aarau die Vertragsverlängerungen mit Streller und Breel Embolo verkündet wurden. Ebendieser Embolo, wie Streller in Basel aufgewachsen, macht sich nun auf, in die grossen Fussstapfen seines Captains zu treten.

Denkbar, dass Embolo eine Rolle in Strellers Überlegungen spielte: Dieser will dem aufstrebenden Supertalent nicht vor der Sonne stehen und mit seinem Rücktritt den Platz im FCB-Sturm freimachen. Zudem hat Streller in den bisherigen Spielen der Rückrunde möglicherweise realisiert, dass es für ihn immer schwieriger wird, auf allerhöchstem Niveau mitzuhalten.

Gerade gegen den FC Porto im Champions-League-Achtelfinal hatte Streller sichtbar Mühe. Auf keinen Fall wolle er als Gute-Laune-Bär auf der Ersatzbank abtreten, hatte er einst gesagt. Es scheint so, als erfülle er nun dieses Versprechen. Genauer erklären wird sich Streller heute Vormittag in einer Pressekonferenz.

Fokus auf die 12

In den letzten drei Monaten seiner 15-jährigen Profikarriere will er nun unbedingt das Double aus Meisterschaft und Cup gewinnen. Streller wäre dann bei 12 Titelgewinnen im FCB-Dress angelangt – einer weniger als Rekordhalter Scott Chipperfield. Das ändert nichts daran, dass sich im Sommer ein ganz Grosser von der Fussballbühne verabschiedet.