FC Basel

Marcel Koller zu seiner Vertragsverlängerung: «Da muss man nicht gross verhandeln»

Marcel Koller will dafür sorgen, dass sich die Unruhen in Basel nicht negativ auf die Mannschaft auswirken.

Marcel Koller will dafür sorgen, dass sich die Unruhen in Basel nicht negativ auf die Mannschaft auswirken.

Trainer Marcel Koller spricht vor dem Restart gegen Luzern über die ungewisse Zukunft vieler FCB-Akteure, über seine Vertragsverhandlungen und über die Fanproteste gegen die aktuelle FCB-Führung.

Was haben Sie gedacht, als Sie das Schreiben der Muttenzerkurve am Mittwoch gelesen haben?

Marcel Koller: Das ist nicht mein Bereich, ich muss keine Fragen beantworten und nichts klären. Unser Präsident ist erfahren und er hat im Vereinsstatement ja auch gesagt, dass man Zusammensitzen und den Dialog suchen muss.

War das in der Mannschaft ein Thema?

Nein. Klar wird darüber geschwätzt. Aber nicht so fest, dass wir das zum Thema gemacht hätten.

Neben dem Platz war die Coronapause für den FCB äusserst turbulent. Wie fest wirkt sich das am Ende auch auf die Mannschaft aus?

Ich schaue, dass es die Mannschaft nicht beeinflusst. Ich versuche aber nicht erst jetzt sondern grundsätzlich, Ruhe in die Mannschaft zu bringen. Denn ich weiss, dass die Mannschaft Ruhe braucht. In Basel läuft viel. Für die Medien war das super, dass es in der Pause so viele Geschichten gab. Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass das schon auch das Sportliche beeinflussen kann. Da versuche ich, gegenzusteuern und die Geschlossenheit der Mannschaft zu stärken. Die Spieler müssen das Vertrauen vom Trainer und vom Staff spüren, um eine Leistung abzurufen, die am Ende besser ist als die des Gegners. Aktuell denke ich, dass wir sehr fokussiert und gut drauf sind und uns nicht ablenken lassen.

Nutzen Sie die Finanzprobleme des FCB auch in Ihrer Ansprache, in dem Sie sagen: Jungs, ihr spielt heute auch um euren Job?

Nein. Das wäre kontraproduktiv. Früher war das vielleicht so, aber heute versuche ich, die Spieler anders zu motivieren. Der Rucksack ist eh schon gross, so wird er nur noch grösser. Das wollen wir nicht.

Sie haben Ihren Vertrag am Freitag um zwei Monate verlängert. Bei sechs ihrer Spieler ist bis heute noch keine Entscheidung gefallen. Wie ist das für Sie als Trainer, wenn Sie nicht wissen, welche Spieler in zwei Wochen noch beim FCB sind?

Es ist wie in den letzten Monaten. Du kannst nicht gross planen. Ich nehme es von Tag zu Tag. Das ist wirklich so. Wir reden viel, schauen was möglich ist. Natürlich wird die Zeit aber langsam knapp, bis die Vertragssituation geklärt werden muss.

Nehmen Sie einen Kevin Bua da mal zur Seite und sagen ihm: Bleib noch zwei Monate, der FCB braucht dich?

Klar reden wir miteinander. Auch über dieses Thema. Als Trainer kann ich zwar sagen, ich würde ihn gerne behalten. Aber schlussendlich muss er das mit seiner Familie und dem Verein klären und dann sagen, was er will.

Dimitri Oberlin ist seit dieser Woche zurück im FCB-Training. Ab wann kann er wieder spielen?

Frühestens ab Juli. Noch ist nicht fix, ob die Liga eine Bewilligung erteilt. Da warten wir noch auf den Entscheid. In Belgien wurde die Saison abgebrochen. Oberlin hat dort alleine zu Hause trainiert, weshalb er schon jetzt wieder bei uns mittrainieren darf, um richtig fit zu werden.

Hätten Sie sich gewünscht, dass die Fifa oder auch die Schweizer Liga da nicht nur Richtlinien vorgeben, sondern sagen, wie die Vereine diese Vertragssituation lösen sollen? Jetzt macht jedes Land, jeder Verein und jeder Spieler das individuell.

Ich hätte es gut gefunden, wenn die Fifa gesagt hätte: Alle auslaufenden Verträge werden automatisch bis Ende August verlängert. Dann wäre es klar gewesen. Jetzt ist es beim einen so, beim anderen anders. Du könntest theoretisch klagen und jedes Land hat diesbezüglich seine eigenen Gesetze.

Bei Zdravko Kuzmanovic ist klar, dass er den FCB am 30. Juni verlässt. Würden Sie die anderen sechs Spieler, deren Verträge auslaufen, gerne behalten? Oder können Sie da auf den einen oder anderen auch verzichten?

Grundsätzlich würde ich gerne alle behalten. Wir haben gemeinsam etwas angefangen und sind noch nicht fertig. Aber es geht nicht darum, was der Trainer will. Was will der Verein? Was wollen die Spieler? Was ist finanziell möglich?

Wie ist das bei Ihnen persönlich? Sportchef Ruedi Zbinden sagte bereits am Dienstag, Sie würden noch zwei Monate länger bleiben, aber unterschrieben wurde erst am Freitag. Haben Sie so hart verhandelt?

Nein. Mein Berater macht das mit der Vereinsführung. Für mich war nicht wichtig, dass das noch vor dem Restart passiert.

Wie funktionieren bei Ihnen Vertragsverhandlungen im Allgemeinen? Überlassen Sie ihrem Berater Dino Lamberti da die Führung?

Wir stehen schon in Kontakt. Aber hier ging es ja nur um eine Verlängerung von zwei Monaten. Da muss man nicht gross verhandeln. Ich wollte gerne bis Ende Saison in Basel bleiben. Das war immer mein Ziel.

Hat der FCB gegen Luzern einen Vorteil, weil man schon vor einer Woche gegen Lausanne im vorgezogenen Cupspiel einen ersten Ernstkampf hatte?

Wir wurden gefordert, wir waren müde. Aber es war gut, dass wir jetzt eine Woche Zeit hatten, um zu regenerieren. Die Mannschaft ist gut drauf. Sie weiss, was sie kann und sie weiss, wie es ohne Zuschauer ist. Das kann ein kleiner Vorteil sein.

Gegen Lausanne häuften sich die Chancen gegen Ende des Spiels. Rechnen Sie damit, dass das wegen der zunehmenden Müdigkeit in den vielen englischen Wochen jetzt öfters der Fall sein wird?

Ich glaube nicht. Sobald wir den Rhythmus haben und im Spiel drin sind, können wir 90 Minuten gut durchhalten. Wichtig ist, dass wir unsere Aufgaben nicht vergessen und nicht plötzlich etwas machen, was wir gar nicht machen wollten. Es ist wichtig, kompakt zu bleiben und die Organisation nicht zu vernachlässigen. Das haben wir gegen Lausanne nach dem 2:0 leider getan.

Ihr Kollege Peter Zeidler sagte, für seine St. Galler Spieler gibt es bis Ende Saison keine freien Tage mehr. Wie handhabt das der FCB?

Es wird schon den einen oder anderen freien Tag geben. Das ist für die Spieler wichtig, um abzuschalten. Wir werden das je nach Situation anschauen und dann frei geben.

Diese Woche hat die Uefa entschieden, dass die Europa League ab dem Viertelfinale mit einem Finalturnier fertig gespielt wird. Was halten Sie von dem Modus?

Je nach dem. Es ist schwer zu sagen, ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist. Es gibt nur ein Spiel. Wenn du weiterkommen willst, musst du gewinnen. Da ist die mentale Bereitschaft eine andere als in der Liga. Im Cup haben wir seit eineinhalb Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht und alle Spiele gewonnen. Aber es ist schwer zu sagen, ob das auch in der Europa League ein Vorteil ist.

Silvan Widmer sagte, ein Europa-League-Sieg ist jetzt fast schon realistisch.

Eine starke Aussage. Es ist jeweils nur ein Spiel und wir waren europäisch bislang sehr erfolgreich. Unsere Gegner sind alle vorne mit dabei in den jeweiligen Ländern. Wenn uns bewusst ist, dass auch das Rückspiel gegen Frankfurt mit 0:0 startet, ist ein Weiterkommen möglich. Wir wollen weiterkommen und dann raushauen, was in uns steckt und schauen, was im Finalturnier möglich ist.

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