Kolumne

Marc Lüthi und der SC Bern: Der Mut und die Arroganz, wie Bayern München zu sein

Klaus Zaugg

Klaus Zaugg

Was der SC Bern und Bayern München gemeinsam haben und wo sich die beiden Clubs unterscheiden.

Was zeichnet eine grosse Sport-Firma aus? Dass sie in jedem Fall grösser ist als die grössten Namen. Kein europäisches Sportunternehmen ist für mich grösser als Bayern München. Die Münchner sind seit Jahrzehnten sportlich und finanziell erfolgreich. Inzwischen gibt es zwischen den Bayern und dem SC Bern vor allem einen Unterschied:

Uli Hoeness, der Architekt des modernen Bayern, ist in erster Linie (aber nicht nur) ein Mann des Sportes. Marc Lüthi, der Architekt des modernen SC Berns, ist in erster Linie (aber nicht nur) ein Mann des Kommerzes. Und natürlich hat Lüthi, anders als Hoeness, seine Steuererklärung stets tipptopp ausgefüllt. Und die Bayern machen mit fast einer Milliarde Franken etwas mehr Umsatz als der SCB mit knapp 60 Millionen. Aber seit dem Dienstag, dem 28. Januar 2020, sehe ich keinen wesentlichen Unterschied mehr zwischen München und Bern. An diesem Tag hat Marc Lüthi Trainer Kari Jalonen gefeuert. Es geht mir nicht um eine Debatte, ob diese Entscheidung richtig war. Es geht um etwas ganz anderes. Gewöhnliche Klubs heuern und feuern gewöhnliche Trainer und die Reaktion ist: Na und? Nur ganz grosse Klubs wagen es, sich von ganz grossen Trainern zu trennen.

Bayern München hatte beispielsweise den Mut – oder wer will die Arroganz – Jürgen Klinsmann, den Prinzen des Sommermärchens von 2006 und Träger des Bundesverdienstkreuzes – eine Ikone des teutonischen Fussballs – 2009 nach nur zehn Monaten Amtszeit zu feuern. Noch kein Klubmanager ausserhalb von Russland (wo die Uhren auch im Hockey anders gehen) hatte bisher auch nur daran gedacht, Kari Jalonen, den Träger des höchsten finnischen Verdienstordens, zu entlassen. Aber Marc Lüthi hatte den Mut – oder wer will die Arroganz – zu diesem hockeyhistorischen Personalentscheid.

In der gleichen Lage hätte es kein anderer Klubmanager Europas gewagt, den finnischen Titanen vor die Tür zu setzen. Weil er zu gross ist, um entlassen zu werden. Erst Marc Lüthi hat es getan. Weil der SCB – so wie Bayern München – grösser ist als der grösste Name. Dieser Schritt ist der letzte Beweis dafür, dass der SCB endlich das Bayern München des Hockeys geworden ist.

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