Wenn man Marc Janko fragt, wie es ihm geht, dann teilt er seine Antwort in zwei Teile auf. Der erste dreht sich um das «Lebenstechnische» – wie er es nennt – wo es ihm «blendend geht». Der bald zwei Jahre alt werdenden Tochter gehe es «überragend». Sie sei in einer herzigen Phase, Zeit mit ihr zu verbringen, das merkt man, wenn man das Strahlen in Jankos Augen sieht, erfüllt ihn. Im September wird das Glück noch perfekter: Dann steht die Geburt des zweiten Kindes an.

Sportlich hingegen ist Jankos Entwicklung – seit er im Sommer 2017 den FC Basel hat verlassen müssen – eher eine Zangengeburt. Entsprechend gestaltet sich auch der zweite Teil der Antwort schwieriger. Das zuvor in den Augen aufgeblitzte Strahlen ist erloschen, Janko blickt etwas öfter auf seine ineinander verschränkten Hände. Denn nicht nur gesamtvereinstechnisch läuft es ihm mit seinem FC Lugano mit fünf Niederlagen in Serie gar nicht, sondern auch ihm persönlich fehlt gerade die Fortune, ja gar das Selbstvertrauen, wie er zugibt. Weil zu vieles schiefgelaufen ist, seit er als gefeierter Torschütze per Hacke in seinem letzten Spiel für den FC Basel nach Tschechien zu Sparta Prag gegangen ist. Denn um dort sportlich an seine Basler Zeiten anzuknüpfen zu können, bekam er nie die Chance. Erst war er krank, dann durfte er nur in Kurzeinsätzen zeigen, was er eigentlich kann, bis er schliesslich gar nicht mehr spielte.

Auf der Suche nach Ehrlichkeit

Was folgte, war der Rauswurf aus der ersten Mannschaft gleich nach der Winterpause, Einzeltraining und als Tiefpunkt die Mitteilung, dass er jetzt definitiv gehen muss. «Mein erster Gedanke war: ‹Nicht schon wieder›», zieht Janko Parallelen zu seiner Zeit bei Trabzonspor, wo er schon einmal in seiner Karriere aus dem Kader verbannt worden war. Janko streicht zwar heraus, wie respektvoll Prag den Ausschluss aus dem Kader im Winter kommuniziert habe. Differenziert aber, wie «haarsträubend und tragisch» die Vorgehensweise wiederum gewesen sei, als man ihn im Sommer, nur knapp 40 Tage nach der Vertragsunterzeichnung bei Prag, bereits wieder loswerden wollte.

Zwei Wochen zuvor habe er in den Medien vom Gerücht gelesen «und weil ich der Sache nicht getraut habe, habe ich das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht. Sie sagten klar, ich solle mir keine Sorgen machen, diese Geschichte sei lächerlich.» Als er dann bei der Nationalmannschaft war, kam der Anruf, dass diese ach so lächerliche Geschichte eben doch Tatsache sei. «Da fühlt man sich schon ein wenig verarscht. Wenn man um Ehrlichkeit bittet, die Zeichen zu erkennen und deuten versucht und bereit ist, eine Lösung zu finden, dann ist es seltsam, so kurz vor Schluss das Messer doch noch an den Hals zu bekommen.» Groll aber hegt der 34-Jährige nicht. Dazu ist er zu abgeklärt, hat er zu viel gesehen, versteht er die Mechanismen des Geschäfts zu gut. Und hat er eine zu gute Balance gefunden im Leben, vor allem dank seinem privaten Glück.

Schliesslich hat er beim FC Lugano auch sportlich eine neue Aufgabe gefunden. Geht es nach Präsident Angelo Renzetti, ist der Österreicher ein halbes Jahr zu spät im Tessin gelandet. Er wollte Janko schon im Sommer, sagte ihm dies auch beim letzten Aufeinandertreffen Jankos mit dem FC Basel gegen Lugano im Mai 2017. «Das habe ich für einen Scherz gehalten, so zwischen Tür und Angel. Ich bin gar nicht richtig darauf eingegangen.» Beim zweiten Annäherungsversuch im Frühjahr dieses Jahres aber ging er darauf ein und kehrte in die Schweiz, die er so sehr mag, zurück.

Dass die Rückkehr nicht so schnell über die Bühne gegangen ist, damit er sein Debüt gleich Anfang Februar im Joggeli gegen den FCB feiern durfte – oder eher gemusst hätte – darüber «bin ich schon froh.» Schliesslich hätte er dann gegen seine Ex-Kollegen einen für den FCB im Meisterrennen folgenschweren 1:0-Erfolg feiern können. Etwas, das ihn geschmerzt hätte. Denn der FCB und die Stadt Basel haben im Herzen Jankos einen speziellen Platz. In seinen beiden Jahren in Basel musste er die Antwort auf die Frage nach seinem Wohlbefinden nämlich nie in zwei Teile separieren. Sowohl sportlich als auch privat wäre damals «blendend», wie er zu sagen pflegt, treffend gewesen.

Drei Titel, eine «überragende Stimmung im Team und dem Staff» sowie das Glück abseits des Rasens mit der Geburt der ersten Tochter führen in der Summe dazu, dass Janko rückwirkend den Lebensabschnitt in Basel als «vom Gesamtpaket her auf jeden Fall mitunter als meine schönste Zeit als Profi» zu bezeichnen vermag. «Mit Basel verbinde ich, auch wenn ich nur zwei Jahre da war, ein Gefühl von Heimat.» Unlängst war er auch wieder da, schlenderte dem Rhein entlang und genoss einen Abend mit Ex-Kollege Michael Lang, mit dem er trotz aller Distanz noch immer ein sehr enges Verhältnis hat.

Am Sonntag nun kommt es zu einem anderen Wiedersehen der beiden. Als Gegner statt als Freunde. Das Duell gegen den alten Klub, es ist für Marc Janko «auf jeden Fall sehr, sehr speziell». Ein Idealszenario hat er sich bereits ausgemalt. «Am liebsten wäre mir, dass ich kein Tor schiesse und wir trotzdem gewinnen.» Und wenn er doch treffen sollte? «Dann werde ich auf keinen Fall jubeln. Das kann ich ausschliessen.» Dafür sei der Respekt zu gross.