Tour de France

Marc Hirschi trägt weiterhin das weisse Trikot: Der Traum lebt weiter

Bleibt im weissen Trikot: Marc Hirschi.

Bleibt im weissen Trikot: Marc Hirschi.

Der Berner Marc Hirschi ist die grösste Überraschung an der Tour de France. Sein Vorbild und Manager Fabian Cancellara fiebert mit.

Unter der Schutzmaske sieht man das Lächeln nicht. Doch als Marc Hirschi erneut das Weisse Trikot in Empfang nimmt, kann der Fernsehzuschauer sicher sein: Er ist zufrieden nach dieser dritten Etappe der Tour de France. Nicht nur hat er das Weisse Trikot verteidigt, er bleibt weiterhin Dritter des Gesamtklassements. Die Schlagzeilen gehören diesmal anderen, Hirschi hält sich im Hintergrund auf und beendet die Etappe im Feld auf Position 63.

Für Furore sorgt das 22-jährige Talent am Sonntag. In einem fulminanten Schlussspurt hat er den Tagessieg hinter Julian Alaphilippe nur knapp verpasst. Die grossen Lobeshymnen, die in der Folge auf ihn einprasseln, sind Ausdruck dessen, wie mutig und taktisch klug sich Hirschi angestellt hat im Verlaufe der Etappe. An seiner ersten Tour de France zeigt sich das Talent reif und beweist, warum ihm einige irgendwann den totalen Triumph zutrauen.

300 Meter vom Elternhaus fiebert Cancellara mit

Viel hat nicht gefehlt, und Marc Hirschi wäre der erste Schweizer gewesen, der wieder einmal eine Etappe an der Tour gewinnt. Er wäre der erste seit Fabian Cancellara, seinem grossen Vorbild. Wie der Olympiasieger wohnt auch der 22-jährige Überraschungsmann im bernischen Ittigen. Als Cancellara 2008 von seinem Olympiasieg in Peking nach Hause zurückkehrt, kommt Hirschi zum ersten Mal mit seinem Vorbild in direkten Kontakt und holt sich ein Autogramm ab. Nur 300 Meter von Hirschis Elternhaus fiebert nun Fabian Cancellara vor seinem Fernseher mit. Insbesondere am Sonntag:

Aus der Bewunderung ist längst eine Zusammenarbeit entstanden. Seit einem Jahr ist Cancellara Hirschis Manager. «Wobei ich das Wort nicht mag», so der Olympiasieger. «Ich bin für Marc da, wenn er Unterstützung braucht.» Manchmal absolvieren die beiden gemeinsam eine Rad-Tour, häufiger gibt Cancellara Tipps, die nichts mit dem Radfahren direkt zu tun haben. «Er wird von seinem Team und dem Verband gut betreut. Ich bin dazu da, meine Erfahrungen weiterzugeben, sei es im Umgang mit Medien oder Ähnlichem. Wichtig ist, dass er sich ganz auf den Sport konzentrieren kann.»

Eigentlich hätte Hirschi noch gar nicht an der Tour starten sollen. Sein Team Sunweb wollte den U23-Weltmeister eigentlich langsam an die Weltspitze heranführen. Nun fährt er plötzlich vorne mit. Cancellara sieht die Tatsache, dass die diesjährige Tour aufgrund des Coronavirus vor weniger Zuschauern ausgetragen wird, als Vorteil für Marc Hirschi. «So kann sich Marc an den Rummel der Tour gewöhnen. Er ist vor allem dort, um zu lernen.»

Hält mit den grossen Namen mit: Marc Hirschi, hier hinter Julian Alphahilippe.

Hält mit den grossen Namen mit: Marc Hirschi, hier hinter Julian Alphahilippe.

Was macht Hirschi schon jetzt so erfolgreich? «Marc ist sehr detailorientiert», sagt Cancellara. «Er ist nicht auf den Kopf gefallen, gleichzeitig ist er sehr bodenständig und umgänglich. Und dank seinem Umfeld hat er gute Voraussetzungen.» Dennoch will Cancellara bewusst die Erwartungen an seinen Schützling drosseln. «Es ist klar, dass jetzt alle schwärmen und träumen. Doch für Marc ist es gut, an der Tour dabei zu sein. Alles was noch kommt, ist Bonus», so Cancellara.

Am Dienstag steht mit der hügeligen Route von Sisteron nach Orcières-Merlette die nächste Etappe an, die vom Routenplan wie gemacht scheint für Marc Hirschi. Vielleicht sorgt er bald wieder für eine Überraschung.

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