Vielleicht staunt Murat Yakin am Sonntag Bauklötze. Die ganze Woche hat er seine Grasshoppers akribisch auf das Derby gegen den FC Zürich vorbereitet, muss nun aber erkennen: alles für die Katz. Beim Gegner hütet nämlich der bisherige Stürmer Dwamena das Tor, die Innenverteidigung wird von den Flügeln Winter und Rodriguez gebildet und vorne stürmen die vormaligen Abwehrspieler Bangura und Nef.

Ja, der neue FCZ-Trainer Ludovic Magnin hat Wort gehalten und die Aufstellung kräftig durcheinandergewirbelt. Bei seiner Vorstellung vier Tage zuvor hatte er nämlich auf die Frage, wie denn seine Trainerphilosophie aussehe, geantwortet: «Ich will unberechenbar sein. Niemand in der Schweiz soll wissen, wie der FCZ am Wochenende aufläuft.»

«Ich will unberechenbar sein»

«Ich will unberechenbar sein»

Auch wenn Magnin tatsächlich diese Worte gebraucht hat, ist natürlich nicht zu erwarten, dass er alles auf den Kopf stellt. Denn er hat auch gesagt: «Ich muss den Mittelweg finden und darf nicht ins Extreme fallen. Ich muss flexibel sein und Schritt für Schritt meine Vorstellungen umsetzen.»

Nichts dem Zufall überlassen

Es ist Magnin gut anzusehen, wie sehr er sich freut, vorne am Tisch neben Präsident Ancillo Canepa und dem Leiter Sport, Thomas Bickel, zu sitzen. «Ich bin stolz, mit 39 Jahren Trainer eines so grossen Klubs zu sein», sagt der Romand. «Ich werde nichts dem Zufall überlassen, um die Mannschaft besser zu machen.» Er erzählt, wie er vor acht Jahren zum FCZ gekommen sei und nach Abschluss seiner Spielerlaufbahn dann das Ziel formuliert habe, eines Tages die erste Mannschaft zu trainieren. Seither hat er sich von der U16 über die U18 in die U21 hochgearbeitet und sagt jetzt: «Ich habe in dieser Zeit viel Wertschätzung erfahren. Ich bin bereit für die neue Aufgabe.»

Der neue FCZ-Trainer Ludovic Magnin ist stolz, neben Präsidenten Canepa zu sitzen

Der neue FCZ-Trainer Ludovic Magnin ist stolz, neben Präsidenten Canepa zu sitzen

Canepa und Bickel lassen keine Zweifel offen, dass es notwendig war, Uli Forte durch Magnin zu ersetzen. «Wir werden in einiger Zeit zurückblicken und sehen, dass es der richtige Entscheid zum richtigen Zeitpunkt war», sagt Canepa. «Wir hofften, nach dem Trainingslager würde ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Nun aber haben wir erkannt: Das Team braucht einen Impuls und wir haben das Glück, mit Ludovic über einen ausgewiesenen Fachmann zu verfügen.» Bickel sagt, unter Forte sei keine klare Spielphilosophie mehr zu sehen gewesen. Er vermisste beim Trainer die Bereitschaft, den vor anderthalb Jahren nach dem Aufstieg eingeleiteten Prozess bedingungslos mitzugehen.

Zufriedenstellende Kaderplanung

Dass es dabei auch um den Einbau und die Entwicklung junger Spieler geht, die in der eigenen Akademie ausgebildet worden sind, wird rasch einmal deutlich. «Wir konnten in den letzten Monaten nicht mehr zu hundert Prozent hinter der Arbeit des Trainers stehen», sagt Bickel. «Magnin wird den Jungen eine Chance geben und niemand ihren Kopf abreissen, wenn sie einen Fehler machen», sagt Canepa. «Dennoch bleibt der FCZ ein extrem ambitionierter Verein. Man wird von uns in den nächsten Jahren einiges zu sehen bekommen.»

«Man wird von uns in den nächsten Jahren einiges zu sehen bekommen.»

«Man wird von uns in den nächsten Jahren einiges zu sehen bekommen.»

Er und Bickel sind überzeugt, dass die Mannschaft besser ist als der Eindruck, den sie in den letzten Monaten hinterlassen hat. «Sie kann sicher besser und aggressiver spielen», sagt Canepa und verteidigt den Verkauf von Stürmer Koné an Dynamo Dresden. «Wenn einer unbedingt wegwill und der Preis stimmt, legen wir ihm keine Steine in den Weg.» Bickel sagt: «Unsere Kaderplanung verläuft sehr zufriedenstellend.»

Kribbeln wie einst gegen Bayern

Es liegt nun an Magnin und dem Assistenten René van Eck, die Einschätzung ihrer Chefs zu bestätigen. Über seinen Führungsstil sagt er: «Ich habe die Fähigkeit, mit der Distanz zu spielen. Ich switche zwischen väterlicher Nähe und grosser Strenge. Aber grundsätzlich bin ich ein herzlicher Trainer.» Er spüre jetzt ein Kribbeln im Bauch wie letztmals vor bald 20 Jahren, als er mit Bremen gegen Bayern München gespielt habe, sagt der Familienvater.

Ludovic Magnin

Ludovic Magnin

Der Trainer Magnin sei zwar ruhiger als der Spieler Magnin, aber es gebe schon auch Parallelen: «Beide sind Arbeiter voller Leidenschaft und nie zufrieden.» Er findet es grossartig, dass er nun mit dem FCZ gleich drei «Riesenspiele» (in der Super League gegen GC und Basel, im Cuphalbfinal gegen GC; die Red.) vor der Brust habe. Als Erstes wolle er defensive Stabilität erreichen. «Es ist super, dass ich mich gleich mit Yakin, dem besten Schweizer Taktiker, messen kann», sagt Magnin.

Gut möglich, dass GC mit Stürmer Djuricin im Tor und Goalie Lindner im Angriff antritt.