Keine Frage, der FC Luzern hat eine gute Vorrunde gespielt. In der Super League lässt der vierte Rang alle Möglichkeiten offen, um am Ende der Saison einen Europacupplatz zu belegen. Und im Cup haben die Zentralschweizer mit dem Halbfinalheimspiel gegen Lugano grosse Chancen, zum siebten Mal in den Final einzuziehen.

«Unsere Bilanz ist okay, auch wenn ich mir wünsche, dass unsere Leistungen konstanter werden», sagt Roland Vrabec. Der Frankfurter ist seit etwas mehr als einem Jahr der Assistent von Cheftrainer Markus Babbel und es gibt nicht wenige am Fusse des Pilatus, die Vrabec zu einem schönen Teil für die guten Ergebnisse verantwortlich machen. Der 41-Jährige geniesst unter Babbel viele Freiheiten und ist damit im Element. Er kann bei der Trainingsgestaltung seine Ideen einbringen und sagt: «Das letzte Jahr hat gezeigt, dass meine Philosophie stimmt.»

Spekulationen um Rolf Fringer erhitzt die Gemüter

Dies hatte wohl auch Sportchef Rolf Fringer so gesehen. Es heisst, er habe die Absicht gehabt, Babbels Vertrag auslaufen zu lassen und Vrabec als Cheftrainer zu installieren. Dies sei reine Spekulation, heisst es vonseiten des Klubs. Wahr sei, dass es einen drastischen Vertrauensverlust in der Zusammenarbeit mit Fringer gegeben habe, der ein sofortiges Handeln des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung nötig gemacht habe. Die Trennung von Fringer in der Pressemeldung war dann mit «unterschiedlichen strategischen Auffassungen» begründet worden.

Vrabec ist die Situation sichtlich unangenehm. Er hat seinen Arbeitgeber inzwischen definitiv wissen lassen, dass er Ende Saison den Verein verlassen werde. «Das hat weder mit Fringer noch Babbel etwas zu tun. Ich hatte dem Verein schon im Oktober meinen Abgang angekündigt», beteuert der Deutsche.

Unter Insidern und St.-Pauli-Fans

Vrabec stellt klar, dass es keinen Komplott mit Fringer gegen Babbel gegeben habe. «Ich habe nie versucht, den Platz von Markus einzunehmen. Und ich habe mich auch nicht mit ihm zerstritten», sagt der Familienvater. Er habe einfach schon seit längerer Zeit gespürt, dass er künftig wieder als Cheftrainer arbeiten wolle.

Es mag sein, dass ihn in der Schweiz nur Insider gekannt haben, bevor er im Januar 2015 nach Luzern kam. Oder Fans des FC St. Pauli, von denen es in der Schweiz viele gibt. Vrabec hatte die Hamburger während zehn Monaten in der 2. Bundesliga trainiert. Er sagt: «Ich erkannte hier, dass ich meine Ideen auf dieser Ebene vermitteln kann.» Er brauchte dieses Feedback, weil er es als Kicker nie über die 3. Liga hinausgebrachte hatte.

Von der Politik bis zur Fanszene

Nachdem er mit 26 Jahren seine Fussballschuhe an den Nagel gehängt hatte und als Student der Sportwissenschaften Junioren trainierte, spürte er, dass der Trainerjob auf ihn zugeschnitten ist. Er betreute bei der Jugend des FSV Frankfurt den Sohn von Jürgen Klopp und wurde vom Mainzer Cheftrainer zu den Nullfünfern geholt; er arbeitete mit Thomas Tuchel zusammen und war bei der U23 der Assistent des Schweizers Martin Schmidt («ein Arbeitstier, das nur das Büro und den Rasen kannte»); er assistierte beim DFB Horst Hrubesch und Christian Ziege; er war ein Jahr lang Co-Trainer bei Lok Leipzig und wurde bei St. Pauli Assistent von Michael Frontzeck, den er im November 2013 beerbte. Nach dem 8. Schlussrang verlief der Start in die neue Saison durchzogen und Vrabec musste nach dem 4. Spieltag gehen. «St. Pauli war eine wichtige Erfahrung. Ich lernte, was bei einem solchen Klub los ist, welche Einflüsse es gibt, von der Politik bis zur Fanszene.»

Jetzt aber hat Vrabec das Gefühl, er fahre auf der Co-Trainer-Schiene. «Das jedoch entspricht nicht meinem Naturell. Ich will meine Spielphilosophie – viel Ballbesitz – vermitteln und Verantwortung tragen», sagt Vrabec. «Ich bin offen für vieles, ob in Deutschland oder in der Schweiz oder sonst wo.»

Noch aber hat er mit dem FC Luzern ein paar Ziele. Er möchte Cupsieger werden – und zum Beispiel am Sonntag den FC Basel schlagen.