Draussen vor dem Mediencenter schreien erboste Fans «Babbel raus! Babbel raus!». Drinnen, bei der Pressekonferenz, erweckt der Angepöbelte den Eindruck, als gingen die Rufe beim einen Ohr rein, beim anderen raus. Trainer Markus Babbel analysiert sachlich, räumt die grosse Verunsicherung ein, die seiner Mannschaft zum Verhängnis geworden sei und die Krise beim FC Luzern weiter akzentuiert hat.

Die Heimniederlage im Halbfinal des Schweizer Cups gegen Lugano ist der – vorläufige? – Tiefpunkt einer rasanten Negativentwicklung seit der Winterpause, die niemand für möglich gehalten hätte. Nach vier Niederlagen in der Super League bedeutet das 1:2 gegen die Tessiner die fünfte Pflichtspielniederlage in Folge. «Ich trage die Verantwortung und stelle mich der Kritik», sagt Babbel und gibt erstmals offen zu, wie «kontraproduktiv die vorgefallenen Dinge» sich auf die sportliche Leistung seiner Mannschaft auswirken würden.

Babbel spricht von einer Prüfung

Er sagt, man könne im Nachhinein leicht sagen, dass man sich früher, also zur gleichen Zeit wie von Sportchef Rolf Fringer, auch von Assistenztrainer Roland Vrabec hätte trennen müssen. Aber er habe halt in einem Gespräch Antworten bekommen und gedacht, es sei die Wahrheit. Wenn sich später dann herausgestellt habe, dass dem nicht so war, so seien die entsprechenden Konsequenzen nun eben zu spät gezogen worden. «Aber ich stelle mich der Situation. Wir stehen vor einer Prüfung, die wir bestehen müssen. Ich bin jedoch überzeugt vom Potenzial meiner Mannschaft.» Jetzt müsse er das Ganze einmal sacken lassen und sich die Frage stellen, wie er dem Team helfen könne.

Ja, wie? Gegen Lugano hat es Babbel mit einem Zweimannsturm, mit Marco Schneuwly und Michael Frey, versucht – die Wirkung war ernüchternd. Wie überhaupt die Performance der drei Neuverpflichtungen Frey, Christian Schneuwly und Markus Neumayr ernüchternd ist. Frey ist die fehlende Spielpraxis bei jedem Schritt anzusehen, Christian Schneuwly so unsichtbar wie beim FCZ und im Falle von Neumayr wird allmählich klar, weshalb ihm der Vaduzer Trainer Giorgio Contini beim Wechsel nach Luzern keine Steine in den Weg legen wollte.

Chefetage von den Qualitäten Babbels überzeugt

Natürlich, die Abgänge der Schlüsselspieler Dario Lezcano zu Ingolstadt und Remo Freuler zu Bergamo haben den FCL geschwächt. Doch sollte nicht übersehen werden, dass ein schleichender Niedergang bereits mit Beginn des Oktobers eingesetzt hatte. Nach zehn Spielen mit 18 Punkten gab es bis zur Winterpause in acht Partien nur noch zwei Siege und acht Punkte. Symbolfigur für die schlechte Entwicklung der Luzerner ist Jakob Jantscher. Aus einem der besten Super-League-Spieler ist ein Mitläufer geworden, der es gegen Lugano, im wichtigsten Spiel des Jahres, nur noch auf die Ersatzbank geschafft hat. Weil es dem Österreicher, der unbedingt an die EM will, gewiss nicht an Eigenmotivation fehlt, scheint das Problem beim Trainer zu liegen.

Doch dieser darf sich vorderhand, und vor den Partien gegen YB, Lugano, Thun und Vaduz, noch sicher im Sattel fühlen. «Wenn wir nicht überzeugt wären von den Qualitäten unseres Cheftrainers, hätten wir den Vertrag nicht vor kurzem um zwei Jahre verlängert», sagt Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter. «Wir halten trotz der sportlichen Krise an unserer Führung mit Markus Babbel und Präsident Ruedi Stäger fest.» Fragt sich bloss, wie lange noch.