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Luis Enrique - Der sture Heilsbringer in Barcelona

Trainer Luis Enrique hat den FC Barcelona zurück an die europäische Spitze geführt. Wussten Sie aber, dass der Ur-Katalane einst bei Erzfeind Real Madrid spielte?

Nicola Imfeld
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Nach einem schwierigen Start ist Luis Enrique mit Barcelona auf Erfolgskurs.

Nach einem schwierigen Start ist Luis Enrique mit Barcelona auf Erfolgskurs.

Keystone

Vor dem Hinspiel des Champions-League-Halbfinals in Barcelona redet die ganze Fussballwelt über die Rückkehr von Bayern-Coach Pep Guardiola an seine alte Wirkungsstätte. Doch geht dabei oft vergessen, dass sein Gegenüber den FC Barcelona klammheimlich zurück in alte Sphären führt – in die Sphären, in denen sich Barça zuletzt mit Guardiola bewegte.

Luis Enrique spielte bereits als Spieler acht Jahre lang für die Katalanen. Der in Gijon aufgewachsene Enrique galt als Hitzkopf mit einer aussergewöhnlichen Kondition. Vor seiner Zeit in Barcelona trug er das Trikot des Erzfeindes – Real Madrid. Später sagte der heute 44-Jährige über seine Zeit beim weissen Ballett, dass er nicht gerne Fotos von sich selbst im Real-Trikot anschaue. «Ich fühle mich besser in Azulgrana (den Barça-Farben, die Red.).»

Triathlon als Hobby

Nach seinem letzten Spiel für Barcelona widmete er sich dem Laufsport. Er trainierte regelmässig für Marathons und Triathlons. Der schon während seiner Aktivzeit als diszipliniert geltende Enrique nahm unter anderem an einem sechstägigen 245-Kilometer-Lauf quer durch die Sahara teil.

Vier Jahre nach seinem Karriereende 2004 kehrte Enrique in die spanische Hafenstadt zurück. Guardiola, der gerade das Fanionteam Barcelonas übernommen hatte, schlug den damals 38-Jährigen als Trainer der zweiten Mannschaft vor. In seiner zweiten Saison führte er seine Equipe in die Segunda Division (zweithöchste Liga, die Red.). Dort erreichte Barcelona B unter seiner Führung mit dem dritten Schlussrang die beste Platzierung in der Vereinsgeschichte.

Mit dem Fahrrad ins Training

Zu den Trainings sei Enrique meist mit dem Fahrrad erschienen, um fit zu bleiben, erzählt Jonathan Soriano, der damals unter Enrique spielte. Und: «Enrique hat einen starken Charakter und kann sehr stur sein.»

Nach einem enttäuschenden Abstecher bei der AS Roma landete Enrique erneut in Spanien. Diesmal in der Primera Division bei Celta Vigo. Enrique coachte den Fast-Absteiger der vorherigen Saison auf den hervorragenden neunten Schlussrang. In Vigo liess der akribische Trainer extra ein Baugerüst für sich bauen, damit er von oben das Training besser beobachten und die Spieler taktisch korrigieren konnte.

Rückkehr ins Camp Nou

Der FC Barcelona, der seit dem Abgang Guardiolas 2012 lediglich einmal die spanische Meisterschaft gewinnen konnte, klopfte im letzten Sommer bei seinem «verlorenen Sohn» an. Ohne zu zögern, brach Enrique seine Zelte in Vigo nach nur einer Spielzeit wieder ab und kehrte ins Camp Nou zurück.

Nach einem guten Start musste Enrique den ersten Dämpfer hinnehmen. Im Estadio Santiago Bernabeu verlor er gegen Real Madrid seinen ersten Classico als Trainer mit 1:3. Nur eine Woche später folgte ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Celta Vigo die erste Heimpleite. Und nach einer weiteren Niederlage im ersten Spiel des neuen Jahres stand Enrique das Wasser bereits bis zum Hals.

Sportdirektor statt Trainer entlassen

Doch als Folge der neuerlichen Barça-Krise wurde überraschend nicht der Trainer, sondern Sportdirektor Andoni Zubizarreta entlassen. Es folgten Gerüchte über einen Machtkampf zwischen Lionel Messi und Enrique. Der Argentinier wollte Anfang Jahr offenbar nicht mehr mit dem als eigenbrötlerisch geltenden Trainer zusammenarbeiten.

Obwohl die Diskussionen um seine Person erst drei Monate alt sind, sitzt Enrique mittlerweile fester im Sattel denn je. In der Liga ist man drei Spieltage vor Schluss Leader. Ende Mai trifft man im Copa-del-Rey-Final auf Athletic Bilbao. Barça ist unter Luis Enrique zurück an der europäischen Spitze – heute sollen dies im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals die Bayern zu spüren bekommen.

Im letzten Champions League-Duell setzte sich der FC Bayern München durch:

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Keystone

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