NLA-Playoff

Lugano ist erstmals vorne und der SC Bern kann gegen die Lions verkürzen

Der SC Bern schlägt die ZSC Lions

Der SC Bern schlägt die ZSC Lions

Der SC Bern verhinderte mit seinem ersten Heimsieg im Halbfinal gegen die ZSC Lions das vorzeitige Saisonende. Der EHC Biel kann seine Talfahrt nicht bremsen und steht nach der 2:4-Heimniederlage gegen Lugano vor dem Playoff-Out.

Am Anfang dieser Geschichte geht es um ein Geheimnis. Ein solches machte nämlich der EHC Biel vor dem fünften Halbfinal-Duell gegen den HC Lugano daraus, ob nun Goalie Jonas Hiller zum Einsatz kommen würde oder nicht. Der Routinier hatte im vierten Spiel am Ostermontag einen Schuss an die Maske kassiert und war mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt worden. Hillers Ersatzmann Elien Paupe machte bei der 1:5-Niederlage in der Folge keine gute Figur.

Würde nun also wieder Paupe im Tor stehen, wenn die Bieler versuchen, ihre Playoff-Talfahrt zu bremsen? Bis die beiden Mannschaften zum Warm-up aufs Feld kamen, blieb diese Frage zunächst unbeantwortet. Doch dann war klar: Hiller würde nicht zum Einsatz kamen. Im Verlauf des Tages hatten die Bieler Coaches in Absprache mit dem Routinier entschieden, dass er für ein Comeback noch nicht bereit ist.

Paupe und der Bieler Einbruch

Also musste Elien Paupe ran. 22 Jahre alt, in der laufenden Saison Stammgoalie beim Swiss-Ligisten HC Ajoie und mit der Erfahrung von nur vier NLA-Einsätzen. Nun: Paupe machte seinen Job während der Hälfte des Spiels sehr gut, wehrte einige gefährliche Abschlüsse der Luganesi ab. Doch dann wurde er ein Opfer eines weiteren, unerklärlichen Einbruchs seiner Vorderleute.

Plötzlich verloren die Bieler total ihre defensive Zuordnung. Das ermöglichte Luganos Maxime Lapierre einen Konter, den er mit einem Schuss zwischen den Beinen Paupes erfolgreich zum 0:1 abschloss (34.).

44 Sekunden später wurde der Hiller-Ersatz wieder schmählich im Stich gelassen, als Romanenghi auf einen Abpraller am schnellsten reagierte und zum 0:2 traf. Und es kam aus Sicht der inferioren Bieler noch schlimmer.

Hofmann erzielte weitere 100 Sekunden später im Powerplay den dritten Treffer für die Luganesi (Paupe chancenlos), die innert 144 Sekunden also für die entscheidende Differenz in diesem Spiel sorgten – trotz eines späten Aufbäumens der Bieler, die noch einmal auf 2:3 herankamen.

Noch ist Biel nicht geschlagen

Es ist auf jeden Fall gleichermassen beeindruckend, mit welchem eiskalten Opportunismus die Bianconeri, die lange Zeit gegen die ungestüm anstürmenden Bieler kaum Land sahen, die Schwächen des Gegners ausnützten. Aber auch, wie schnell die Seeländer die Kontrolle über das Geschehen verloren und regelrecht dahinschmolzen.

Jetzt steht der EHC Biel also vor dem bitteren Halbfinal-Aus. Was angesichts der Dynamik in dieser Serie eigentlich unfassbar ist. Wir erinnern uns: Die Bieler gewannen die ersten beiden Partien und führten in der dritten Begegnung vor eigenem Publikum mit 3:0 – ehe sie in einem Powerplay einen Shorthander kassierten und damit den Weg zum unglaublichen Comeback des HC Lugano ebneten.

Noch ist der EHC Biel nicht geschlagen. Aber mit diesen mentalen Schwächephasen wird es schwierig gegen die kaltblütigen Luganesi. Da hilft es auch nicht, sollte Jonas Hiller am Samstag in der Resega wieder das Tor hüten. (ku)

Bern verkürzt

Der SC Bern verhinderte mit seinem ersten Heimsieg im Halbfinal gegen die ZSC Lions das vorzeitige Saisonende. Der Titelverteidiger siegte 4:3. Damit führen die Stadtzürcher in der Best-of-7-Serie noch 3:2.

Nach 27 Minuten sprach in der mit 17'031 Zuschauern ausverkauften PostFinance-Arena nichts mehr für den ZSC. Mark Arcobello nach einem herrlichen Querpass von Thomas Rüfenacht, Simon Moser und erneut Arcobello brachten die Berner mit drei Toren innert 119 Sekunden 4:1 in Führung. Arcobello hatte zuvor in dieser Halbfinalserie enttäuscht und war torlos geblieben. Das Resultat ging auch in dieser Höhe in Ordnung, spielte doch der SCB im Vergleich zum 1:3 am Ostermontag deutlich aggressiver.

Der ZSC liess sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen, wartete geduldig auf seine Chancen und schlug eiskalt zurück. In der 33. Minute verkürzte Fredrik Pettersson mit seinem vierten Tor in diesem Halbfinal auf 2:4. Der Hauptanteil an diesem Treffer ging auf das Konto von Fabrice Herzog, der sich im gegnerischen Drittel herrlich durchsetzte und mit seinem Schuss den entscheidenden Abpraller provozierte.

Eine der wenigen Chancen genutzt

Allerdings verteidigten die Berner in dieser Szene viel zu lasch. Herzog war drei Tage zuvor mit drei Toren der Matchwinner gewesen. 41 Sekunden vor der zweiten Pause gelang Mike Künzle gar noch das 3:4 - nach einer schlechten Auslösung von Justin Krueger.

Im letzten Abschnitt wackelte der SCB mächtig, hatte grosse Mühe, sich aus der eigenen Zone zu befreien, er fiel aber nicht, auch weil Gaëtan Haas knapp anderthalb Minuten vor dem Ende in extremis rettete, in dem er den Puck mit der Hand kurz vor der Torlinie wegbeförderte. Es war der erste Heimsieg für die Berner gegen den ZSC nach drei Niederlagen.

Im ersten Drittel hatten die Gastgeber noch vieles richtig gemacht. Dennoch, und obwohl der SCB in der 12. Minute durch einen Ablenker von Marc Kämpf wie erhofft in Führung ging, stand es nach 20 Minuten 1:1. Denn während die Berner mit ihren Chancen fahrlässig umgingen, nutzte der ZSC eine der wenigen Möglichkeiten zum Ausgleich.

Glücklicher Sieg

Das Tor erzielte in der 18. Minute Roman Wick, der zum ersten Mal in den laufenden Playoffs erfolgreich war. Der Stürmer der Lions liess Goalie Leonardo Genoni herrlich aussteigen, nachdem SCB-Verteidiger Calle Andersson im Zweikampf mit Wick keine gute Figur gemacht hatte.

Das 1:1 fiel nur eine Minute nach dem vermeintlichen 2:0 von Andrew Ebbett. Zuvor war Tristan Scherwey in Unterzahl alleine auf ZSC-Goalie Lukas Flüeler losgezogen, der den Puck unter dem Schoner begrub, von wo ihn Ebbett ins Tor beförderte. Die Schiedsrichter aberkannten den Treffer zu Recht, weil die Scheibe nicht sichtbar war.

Der Berner Trainer Kari Jalonen hatte vor dem Spiel der letzten Chance sämtliche Sturmlinien verändert. Ausserdem kam André Heim anstelle von Gian-Andrea Randegger zum Zug. Das zahlte sich aus, auch wenn der Sieg am Ende glücklich war. (sda)

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