Zeitenwende oder Wendepunkt lautete die Frage vor dem Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und BayernMünchen. Schaffen es die Dortmunder im direkten Duell, die Hierarchie ins Wanken zu bringen oder schlagen die Bayernim bislang wichtigsten Spiel der Saison zurück?

Die beiden Erzrivalen boten den gut 80'000 Zuschauern ein Spektakel erster Güte, mit Rasse, Klasse, Tempo und Torchancen, wobei Favres Team einmal mehr erstaunliche Nehmerqualitäten bewies. Es liess sich weder von der ersten Saisonniederlage unter der Woche in der Champions League bei Atlético Madrid noch von der Verletzung von Stammkeeper Roman Bürki, dem starken Gegner in der ersten Halbzeit oder dem zweimaligen Rückstand aus der Ruhe bringen.

"Es war ein total verrücktes Spiel", sagte Favre. Ein taktischer Wechsel des Waadtländers zur Pause - Mahmoud Dahoud ersetzte im zentralen Mittelfeld Julian Weigl - und das Heimteam fand in die Spur und auf die Siegesstrasse. "Das Tempo und das Pressing der Bayern waren in der ersten Halbzeit so hoch, ich wusste, dass sie das nicht über 90 Minuten durchhalten können."

Zum Mann des Spiels beim BVB avancierte Marco Reus. Der Captain verwertete den Foulpenalty, den er herausgeholt hatte, zum 1:1 und glich in der 67. Minute mit einer herrlichen Direktabnahme zum 2:2 aus, nachdem er zwischen seinen Saisontoren 7 und 8 zwei weitere erstklassige Chancen ausgelassen hatte. Auf der Gegenseite hatte Robert Lewandowski die Bayern zweimal in Führung gebracht (26./52).

Paco Alcacer – wer sonst?

Für die Entscheidung in der spektakulären Partie war aber weder Reus noch Lewandowski, sondern Paco Alcacer verantwortlich - wer sonst. Der Spanier schloss 14 Minuten nach seiner Einwechslung einen herrlichen Konter über Jadon Sancho, Reus und Axel Witsel in herausragender Manier zum 3:2 ab (73.). Wieder einmal hatte Favre ein goldenes Händchen bewiesen. Es war das elfte Joker-Tor des Tabellenführers in dieser Saison, wie Kollege Reus hat auch Alcacer bereits acht Mal getroffen.

Die Dortmunder verdienten sich den Sieg dank einer klaren Leistungssteigerung nach der Pause. "Uns hat die Cleverness gefehlt, um hier etwas mitzunehmen", sagte Bayerns Captain Manuel Neuer. Die Gäste boten zwar eine der besten Leistungen in dieser Saison, waren aber vor allem in der Defensive nicht gut genug, um den Lauf des BVB zu stoppen.

Diskussionen um Kovac

Aus den letzten sieben Bundesligaspielen resultierten für den Meister der letzten sechs Jahre nur zwei Siege, der Rückstand auf den Tabellenführer wuchs auf sieben Punkte an. Die Diskussionen um Trainer Niko Kovac und angebliche atmosphärische Störungen innerhalb der Mannschaft werden weitergehen. In Dortmund dürfen sie derweil vom ersten Meistertitel seit 2012 träumen - mehr denn je.