Was haben Ronald McDonald und Paddy Power gemein? Beide sind Hauptsponsoren von London 2012. Während die US-amerikanischen Bulettenmonteure jedoch die Olympischen Spiele mitfinanzieren, hat die irische Buchmacherkette einen Eierlaufwettbewerb in einem kleinen französischen Dorf namens London finanziell unterstützt. Die Aufpasser vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bekamen einen Wutanfall und zerrten Paddy Power vor Gericht, zogen aber den Kürzeren, weil auf den Werbeplakaten, die in London Bridge, Victoria und Kings Cross hängen, in Klammern vermerkt ist: «Hüstel. Es ist London in Frankreich.»

Durch die Hintertür ins Rampenlicht

Das nennt man «Ambush Marketing», in etwa «Guerilla-Marketing»: Ein Unternehmen zahlt den Veranstaltern kein Geld, sondern schleicht sich durch die Hintertür ins Rampenlicht. Es ist keine neue Erfindung. Paddy Power hatte jüngst bereits bei der Fussball-EM, auf den Unterhosen des Dänen Nicklas Bendtner, einen Grossauftritt. Das Wettbüro übernahm schliesslich die von der Uefa verhängte Strafe von 100000 Euro. Bei den Spielen in Atlanta 1996 verteilte Nike Tausende von Fähnchen mit dem Firmenlogo an die Zuschauer, und die schwenkten sie zum Verdruss des Sponsors Reebok im Stadion. Der britische Läufer Linford Christie trug bei einer Pressekonferenz in Atlanta Kontaktlinsen mit dem Puma-Logo.

Weltbekannt wurden die 36 jungen Frauen in orangefarbenen Miniröcken bei der Fussball-WM in Südafrika. Als die Organisatoren merkten, dass es sich um eine Werbeaktion der holländischen Bavaria-Brauerei handelte, war es zu spät: Die Bilder von Ordnern, die die Frauen aus dem Stadion warfen, machten Schlagzeilen, die Brauerei hatte ihr Ziel erreicht.

280 Ordnungskräfte gegen Trittbrettfahrer

In London war man daher besonders wachsam. 280 Ordnungskräfte sind eigens dafür abgestellt, Trittbrettfahrer aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen. Das fing schon vor Monaten bei der Grossbritannien-Rundreise der olympischen Fackel an. In jedem Dorf, durch das die Fackel getragen wurde, waren die Herren in grauen Trainingsanzügen zur Stelle, wenn eine Imbissbude ein «olympisches Frühstück» oder ein «Flammende-Fackel-Baguette» anbot, und entfernten die illegale Werbung.

Als Sebastian Coe vom Organisationskomitee verkündete, dass Leute mit Pepsi-T-Shirts nicht ins Stadion dürften, weil Coca-Cola der offizielle Sponsor sei, gab es einen Aufschrei, und das Komitee machte einen Rückzieher. Es sei ein Unterschied, ob es sich um einfache Zuschauer handle oder um Leute, die für Olympia arbeiten, hiess es. Polizisten dürfen sich zum Beispiel nicht mit Walker-Kartoffelchips sehen lassen, denn die Firma hat nichts bezahlt. Das Satiremagazin «Private Eye» griff Coes Äusserung auf ihrem Titelblatt vor zwei Wochen auf. Darauf waren zwei schwer bewaffnete Polizisten zu sehen, die ihre Gewehre auf eine nicht im Bild zu sehende Person richten und sagen: «Stell die Pepsi-Dose einfach auf den Boden, dann wird niemand verletzt.»

Wer gegen die IOC-Regeln verstösst, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Ein Strassenhändler, der Souvenirs mit dem Logo von London 2012 verkauft hatte, musste eine Geldbusse von 4000 Pfund zahlen. Grundlage dafür ist das «Olympia-Gesetz», das 2006 vom britischen Unterhaus verabschiedet wurde. Die olympischen Ringe sind ebenfalls tabu. Ein Fleischer, der seine Würste in Ringform angeordnet hatte, und ein Bäcker, der einen Hefezopf in Form der olympischen Ringe gebacken hatte, mussten ihre Ware umgehend aus dem Schaufenster entfernen.

Bereits denken ist strafbar

Selbst in den Vororten wacht das IOC. In Surbiton im Süden Londons hat ein Herrenausstatter sein Schaufenster mit dem Spruch dekoriert: «Lodnon 2102 Oimplycs.» Darunter die olympischen Ringe als Quadrate. Man habe ihm verboten, die Worte «London 2012», «Olympia» oder «Spiele» auch nur zu denken, geschweige denn, sie auf die Schaufensterscheibe zu kleben, sonst mache er sich strafbar, erklärt der Besitzer auf einem Zettel an der Scheibe.

Die Olympiagegner «Space Hijackers» hatten auf Twitter ein Logo gewählt, das dem des Organisationskomitees ähnlich sah. Prompt wurde ihnen das Twitter-Konto gesperrt. Als die Anti-Zensur-Organisation «Index on Censorship» davon hörte, sorgte sie dafür, dass Hunderte von Menschen ihre Twitter-Fotos aus Solidarität in eine schwarz-rote Version des Olympia-Logos änderten. Es war Coe & Co. dann doch zu mühselig, gegen jeden Einzelnen vorzugehen.