Dieser wird erklingen, wenn die Athleten das Stadion betreten, und soll die Fernseh-Übertragungen begleiten.

Nun, wie klingt Olympia 2012? Muse’s vorhandener Hang zum Pathos wird angesichts des Anlasses mit noch mehr Falsett, Drama und gleissenden Geigen in neue Höhen getrieben. Höhen, in denen bisher nur Freddie Mercury noch einigermassen gut atmen konnte.

Zudem hat das Trio munter im Fundus der Musikgeschichte gewühlt. In der Einleitung lässt Tschaikowsky grüssen. Aber damit nicht genug. Für Olympia darfs schon eine zweite Einleitung sein – diesmal mit legerem Fingerschnippen. Erst jetzt stöhnt die charismatische Stimme des Leadsängers Matthew Bellamy auf und background ächzt der Chor im Wolgaschlepperstyle dazu. Vielen Dank. Dass Sport anstrengend ist, wäre uns sonst nicht in den Sinn gekommen. Klotzen statt Kleckern, heisst das Motto. Und es ist gar nicht einfach, ob der geballten Ladung Sound den Text mitzukriegen.

Gewinnen, gewinnen, gewinnen!

Dieser ist immerhin einheitlicher als die Musik. Er dreht sich um die Themen Gewinnen, Gewinnen oder Gewinnen. Nichts da mit olympischem Geist oder der Zusammenkunft von Athleten zu einem freundschaftlichen Wettkampf. Auch wenn in London jeder Sportler um die Medaille kämpft, als gebe es kein Morgen; in der offiziellen Hymne dürfte das Siegesgebrüll durchaus sublimer tönen.

Doch wen wunderts? Wo «Survival» draufsteht, ist Überlebenskampf drin. Der Song wurde wohl ausgewählt in der Annahme, nur Pathos könne Grösse und Gewicht des Anlasses repräsentieren. Doch gerade dort, wo der olympische Geist regiert, trägt das Gewinnen nur die Silbermedaille davon. Nicht so im Lied. Da vergisst Muse ob dem Kriegsgott Mars, dass ein Gott allein noch keinen Olymp macht.