WM-QUalifikation
Schweizerinnen mit 7:0 gegen Litauen: Warum dies trotz bescheidenem Gegner ein Beweis für eine starke Entwicklung ist

Die Schweizer Fussballerinnen gewinnen das WM-Qualifikationsspiel in Litauen gleich mit 7:0. Schon zur Halbzeit führt das Team von Nils Nielsen mit 6:0, schaltet danach aber auch wegen kalten Temperaturen einen Gang zurück.

Raphael Gutzwiller
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Die Schweizer Nati zeigte gegen Litauen eine Galavorstellung.

Die Schweizer Nati zeigte gegen Litauen eine Galavorstellung.

Mindaugas Kulbis / AP

Das Spiel ist längst entschieden, doch noch immer ist die Stimme von Nils Nielsen am Seitenrand zu hören. Bei Minustemperaturen in Vilnius und einem Spielstand von 7:0 peitscht der Schweizer Nationaltrainer seine Spielerinnen weiter nach vorne. Nicht, dass Nielsen mit dem Auftritt seiner Spielerinnen unzufrieden wäre. Aber er will die Zeit mit seinem Team optimal nutzen. «Wir haben keine Testspiele, da müssen wir auch in solchen Spielen korrigieren», erzählt er später.

Denn eigentlich gibt es nur die kleinsten Details zu kritisieren an diesem kalten Novemberabend in Litauen. Der Nationaltrainer hätte sich zur Pause so wie auch die wenigen Zuschauer im Stadion in eine dicke Decke einpacken können. Die Frage nach dem Sieg ist da schon längst geklärt. 6:0 steht es zur Pause für die Schweizerinnen, die eine formidable erste Hälfte zeigen – wobei festgehalten werden muss, dass die Litauerinnen mit dem Tempo gänzlich überfordert sind. Lediglich Supertalent Jonusaité, die kürzlich zur AC Milan gewechselt ist, kann ansatzweise mithalten.

Frühe Tore helfen in schwierigen Bedingungen

Vieles erinnert an eine Cuppartie im kalten Litauen mit dem Heimteam in der Rolle des Unterklassigen. Dennoch spricht es für die Schweizerinnen, dass sie nach dem wichtigen Sieg in Italien am letzten Freitag, auch gegen Litauen von der ersten Sekunde bereit sind. Nach drei Minuten provoziert Coumba Sow ein Eigentor von Piesliakaite, nach 12 Minuten köpfelt Rahel Kiwic zum 2:0 ein. «Wir wussten, dass wir bei diesen schwierigen Bedingungen früh die richtigen Zeichen setzen müssen. Es war sehr beruhigend, dass die Tore sogleich gefallen sind», sagt Kiwic später.

Rahel Kiwic: «Man hat gesehen, dass wir Freude haben und gerne zusammen spielen.»

Rahel Kiwic: «Man hat gesehen, dass wir Freude haben und gerne zusammen spielen.»

Mindaugas Kulbis / AP

Mit dem Selbstverständnis eines Spitzenteams überrollt das Schweizer Team die Kontrahentinnen aus Litauen in der Folge regelrecht. Dabei spielen sich Spielerinnen wie Ana-Maria Crnogorcevic mit vier Assists und einem wunderschönen Tor oder Coumba Sow mit einem Doppelpack in den Vordergrund. Oder es brillieren die beiden junge Riola Xhemaili und Svenja Fölmli, die sich in den letzten Länderspielen immer mehr in den Fokus spielen. Doch es ist einer kollektiv starken Mannschaftsleistung zu verdanken, dass die Schweizerinnen das Tempo bis zur Pause hochhalten können und sich gegen die tief stehenden Litauerinnen Mal für Mal durchkombinieren können. «Man hat gesehen, dass wir Freude haben und gerne zusammen spielen», sagt Kiwic.

Die Schweizerinnen krönen mit dem Galasieg ein eindrückliches Jahr mit einer augenscheinlichen Entwicklung auch in den letzten Monaten. Noch im September mühten sich die Schweizerinnen gegen den selben Gegner in Thun zu einem späten 4:1-Erfolg. Doch inzwischen agieren die Schweizerinnen dank grossem Vertrauen in die eigenen Qualitäten mit einem anderen Selbstverständnis. Man will Teams wie Litauen nicht nur besiegen, sondern auch noch möglichst hoch. «Wir wollen auch in der Tordifferenz vor Italien bleiben», sagt Nielsen. «Darum mussten wir weiter nachlegen.»

Mit ihrem Tor besiegelte Svenja Fölmli den 7:0-Sieg der Nationalspielerinnen.

Mit ihrem Tor besiegelte Svenja Fölmli den 7:0-Sieg der Nationalspielerinnen.

Mindaugas Kulbis / AP

Doch selbst der Nationaltrainer mit hohen Ansprüche an seine Spielerinnen hat Verständnis dafür, dass nach der Pause nur ein weiteres Tor folgt. Es passiert in diesem Duell zwischen Litauen und der Schweiz nämlich das, was in Cupspielen bei hohen Pausenresultate meist passiert: Der Oberklassige wechselt mehrere Spielerinnen aus, das Tempo wird gedrosselt. Nielsen sagt dazu: «Es wurde wirklich sehr kalt. Darum verstehe ich, dass das Tempo nicht mehr ganz so hoch war.»

Das grosse gemeinsame Ziel

Dank dem 7:0-Erfolg in Litauen ist die Schweiz auf gutem Weg sich für die WM-Endrunde in Australien und Neuseeland zu qualifizieren. Nicht nur liegt die Schweiz drei Punkte vor dem einzig verbliebenen Konkurrent Italien, sondern sie verfügt auch um ein um vier Tore besseres Torverhältnis.

Mit einem Tor und vier Vorlagen war Ana-Maria Crnogorcevic eine der überragenden Figuren gegen Litauen.

Mit einem Tor und vier Vorlagen war Ana-Maria Crnogorcevic eine der überragenden Figuren gegen Litauen.

Mindaugas Kulbis / AP

Es ist eine phänomenale Ausgangslage, welche die Schweizerinnen nutzen möchten. «Wir haben ein gemeinsames Ziel», erklärt Kiwic. «Wir wollen nicht nur im nächsten Sommer eine erfolgreiche Europameisterschaft spielen, sondern im Jahr darauf auch an der Weltmeisterschaft teilnehmen.» Der Grundstein dafür hat das Nationalteam im Herbst 2021 eindrücklich gelegt. Klar machen können die Schweizerinnen die Qualifikation dann im nächsten Jahr.

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