Ski alpin

Lindsey Vonn gibt den Kampf um die Kugel auf: Kein Schauspiel – ein Drama!

Lindsey Vonn beendet die Saison und Lara Gut gewinnt wohl den Gesamweltcup. Die Amerikanerin möchte damit ihre Teilnahme an der WM 2017 und den Olympischen Winterspielen 2018 nicht gefährden - für die Veranstalter des Weltcup-Finals in St. Moritz nicht wirklich ein Trostpflaster.

Es sind die brutalsten Momente im Leben. Einzusehen, dass es nicht geht. Lindsey Vonn ist an diesen Punkt gelangt. «Ich habe den schwierigen Entscheid getroffen, meine Saison zu beenden», schrieb sie auf Facebook.

Damit ist wohl auch die Entscheidung im Gesamtweltcup gefallen. Noch liegt die 31-jährige Amerikanerin 28 Punkte vor Lara Gut. Sollte die Schweizerin aber unverletzt bleiben, wird sie den Rückstand in den acht ausbleibenden Rennen in einen Vorsprung umwandeln können. «Es ist sehr schade, dass der spannende Zweikampf um den Gesamtweltcup aufgrund einer Verletzung nicht bis zum Ende ausgetragen werden kann», sagte Lara Gut, die ihrerseits 293 Punkte vor der drittklassierten Viktoria Rebensburg aus Deutschland liegt. «Ich werde bis zum Schluss hart arbeiten, damit ich die notwendigen Punkte für den Gesamtsieg holen kann», sagte die Tessinerin. Als letzte Schweizerin hatte Vreni Schneider 1995 die grosse Kristallkugel gewonnen.

Ziele nicht gefährden

Lindsey Vonn war am vergangenen Samstag im Super-G in Soldeu gestürzt und musste mit dem Rettungsschlitten geborgen werden. Trotzdem startete die vierfache Gesamtweltcupsiegerin am nächsten Tag in der Kombination und wurde 13. Dieses Blitzcomeback führte zu teils heftigen Vorwürfen. Als Schauspielerin wurde Vonn dargestellt. Selbst Lara Gut liess sich im deutschen Fernsehen zu einer Aussage verleiten: «Sie macht immer Theater. Das war nicht das erste Mal und es wird nicht das letzte Mal sein.»

27. Februar 2016: Lindsey Vonn stürzt im Super G in Soldeu.

27. Februar 2016: Lindsey Vonn stürzt im Super G in Soldeu.

In der Tat liebt Lindsey Vonn den grossen Auftritt. Doch dieses Mal lagen die Kritiker falsch. Der zunächst vermutete Haarriss in der Gelenkplatte am Schienbeinkopf erwies sich in einer ausführlichen Untersuchung am Montag als dreifacher Bruch. «Sicheres Skifahren ist nicht mehr gewährleistet», erklärte Vonn, die schon zuvor betonte: «Jeder denkt, es war nur Schauspiel – aber das ist Quatsch.»

Besonders mit Blick in die Zukunft musste die 31-jährige Vonn am Mittwoch «eine der schwierigsten Entscheidungen meiner Karriere fällen». Nächstes Jahr findet in St. Moritz eine Ski-WM statt, ein Jahr später in Südkorea Olympische Winterspiele. Diese Fernziele will die Amerikanerin nicht gefährden. Würde sie jetzt weiterfahren, «wäre meine Zukunft als Skifahrerin in ernsthafter Gefahr».

Ungewöhnliche Saison

Bereits auf sicher hat Lindsey Vonn den Gewinn des Abfahrtsweltcups, doch neben der grossen Kugel für den Gesamtweltcup könnte ihr auch noch jene im Super-G entrissen werden. Bei noch zwei ausstehenden Rennen liegt Lara Gut 64 Punkte hinter der Amerikanerin zurück.

Das vorzeitige Saisonende von Lindsey Vonn passt in eine bisher verrückt verlaufene Saison. Schon bei den Männern entschied ein Sturz das Duell zwischen dem Norweger Aksel Lund Svindal und dem Österreicher Marcel Hirscher im Gesamtweltcup. «Ziemlich ungewöhnliche Saison mit all den Verletzungen», schrieb Tina Maze auf Twitter.

Pech für St. Moritzer Weltcupfinal-Veranstalter

Es zeigt aber auch, dass das Niveau an der Spitze zurzeit so hoch ist, dass die Athletinnen und Athleten gezwungen sind, an die Grenzen zu gehen – und manchmal darüber hinaus. Vonn schrieb noch am Wochenende nach ihrem Start trotz der Verletzung auf Twitter: «Niemand kann mich jemals ein Weichei nennen.» Die Grenzen kann aber auch sie nicht verschieben.

Bitter ist die Verletzung von Lindsey Vonn auch für die Veranstalter des Weltcupfinals in St. Moritz (16. bis 20. März). Statt eines spannenden Zweikampfs mit einer Schweizerin in den Hauptrollen bleibt ihnen wohl «nur» das Überreichen der grossen Kugel an Lara Gut.

Einmal nicht im Skianzug: Lindsey Vonn posiert für das Magazin «Sports Illustrated»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1