Abstiegskampf

Nacht der Tessiner Helden - Lugano verbleibt nach dem 3:0-Sieg gegen St. Gallen in der Super League

Der FC Lugano sichert sich mit einem ungefährdeten 3:0-Sieg über St. Gallen den Verbleib in der Super League. Derweil steigt der FC Zürich trotz dem 3:1-Sieg gegen Vaduz in die Challenge League ab.

Es ist 22:17 Uhr, als das ganze Stadion hüpft. Der Schlusspfiff ertönt. Es ist geschafft. Der FC Lugano bleibt in der Super League. Die Spieler bespritzen ihren Trainer Zdenek Zeman mit Hilfe von Trinkflaschen. Dieser nutzt die letzte Chance sofort zur Flucht und verschwindet in die Garderobe. Die Spieler tanzen im Kreis. Bald wird der Platz von den Fans gestürmt. Die Jubelgesänge beginnen.

Oben im VIP-Glashaus sitzen die Schweizer Nationalspieler. Trainer Petkovic und sein Staff verfolgen die Partie auf der Haupttribüne. Sie alle trauen ihren Augen kaum. Das Herz der ehemaligen FCZ-Junioren Dzemaili, Mehmedi, Rodriguez und Elvedi blutet. Sie müssen machtlos mitansehen, wie ihr früherer Klub verbannt wird.

Derweil gibt der Speaker im gut gefüllten Cornaredo den Takt vor. «Applaus für Trainer Zeman», ruft er. Wenig später: «Applaus für unseren Präsidenten Angelo Renzetti.» Bald belagern die Tifosi den Spielereingang. Sie warten singend auf ihre Helden. Diese steigen auf die Haupttribüne und jubeln dem Volk noch so gerne zu.

«90 Minuten Kampf um Ehre»

Die Fans der «Bianconeri» gaben schon vor dem Spiel den Weg vor. Auf einem Transparent schrieben sie: «90 Minuten Kampf. Für die Ehre des Trikots.» Und genau so sah man die Tessiner auf dem Rasen am Werk. Sie rannten und rannten und rannten. Sie kämpften und kämpften und kämpften. So eben, wie das im Abstiegskampf vonnöten ist. Lugano war ein starkes Kollektiv. Angeführt vom überragenden Antoine Rey.

Währenddessen präsentierten sich die elf weissen St. Galler auf dem Feld wie ein Haufen verirrter Senioren in einer Disco für 20-jährige Jünglinge. Sie wirkten ziemlich fehl am Platz. Keiner wusste so genau, was er eigentlich tun sollte. Und als das erste Staunen einmal vorbei war, stand es bereits 2:0 für Lugano.

Crnigoj schoss Lugano mit dem ersten Angriff in Front. Dann erhöhte Bottani mittels Penalty auf 2:0. Zehn Minuten waren da erst gespielt. Mit dem Treffer ihres Stadtsohnes Bottani, der nur einen (schwungvollen) Steinwurf vom Cornaredo entfernt ausgewachsen ist, konnten die Tessiner Fans ihre Party bereits planen. Dieser FC Lugano hat sich die rauschende Nacht verdient. Der Aufsteiger hat sich den Ligaerhalt mit seiner couragierten Spielweise mehr als verdient. Er ist sogar eine echte Bereicherung geworden für die Liga. Natürlich, manchmal rächt sich die bedingungslose Offensiv-Liebe von Trainer Zdenek Zeman – dann kann es schon mal Kanterniederlagen absetzen wie gegen Sion oder YB (0:6 und 0:7). Aber Zeman hat es dennoch geschafft, dieses bescheidene Team zum Ziel zu führen.

69-jährig ist der Italo-Tscheche mittlerweile. In Italien ist er längst eine Legende. Er ist im Land der begnadeten Defensiv-Künstler schon immer ein Farbtupfer mit seinen angriffigen Ideen. Vor kurzem hat er erklärt: «Wahrscheinlich ist der Ligaerhalt mit Lugano die schwierigste Aufgabe meiner Karriere.»

Nun ist diese Herausforderung vollbracht. Aber die Saison ist noch nicht zu Ende. Am kommenden Sonntag steht der Cupfinal an. Der Gegner ist der gleiche wie im Abstiegskampf, der FC Zürich. Das Feld ist bereitet. Lugano lechzt nach der totalen Demütigung. Doch erst einmal fliesst viel Bier.

Lesen Sie den Verlauf des Fernduells FC Zürich - FC Lugano in unserem Liveticker nach: 

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