Plauschliga
Ein Greiner kommt selten allein

Das Talent Joël Curling Greiner aus der Fahrweid macht zurzeit un freiwillig eine Pause, dafür feuert er seinen erfolgreichen Schwestern Janine und Jacqueline an.

Von pia schüpbach
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Limmattaler Zeitung

Als sechsjähriger Knirps setzte sich Joël Greiner auf die farbigen Steine und rutschte übers Eis, während seine Eltern und seine Schwestern Janine und Jacqueline Curling spielten. Heute, 16 Jahre später, schaut der jüngste Greiner-Spross erneut nur seinen Schwestern zu, statt selber zu spielen. Unfreiwillig.

Joël hat erfolgreiche Jahre auf der Position des Lead hinter sich, holte unter anderem den Schweizer Juniorenmeistertitel mit Uitikon-Waldegg und wurde in der vergangenen Saison Zweiter mit seinem Team in der Nationalliga A. Die Mannschaft feierte zwar Erfolge, doch menschlich harmonierte es nach vier Jahren immer weniger. Joël fehlte häufig im Training und bei den Spielen, weil er vergessen hatte, beim Militär ein Dispensgesuch einzugeben. «So konnte ich natürlich auch nicht mehr meine Leistung bringen», sagt er. Für diese Saison wollte ihn das Team nicht mehr. «Das war ein harter Schlag für mich.» Erst war er verärgert, heute akzeptiere er diese Entscheidung. Und setzt, nach 14 Jahren Curling- spielen, eine Saison lang aus.

Spiel jetzt in der Plauschliga

Ganz lassen kann es Joël indes nicht. Jeweils am Montag spielt er mit seinem Vater und manchmal seinen Schwestern in der Zürcher Superliga, einer Plauschliga. Curling – der Sport der Familie Greiner: Bereits die Urgrosseltern sowie die Grosseltern spielten, die Eltern taten es und nun auch die drei Kinder. Am meisten Erfolg hat zurzeit Janine vom Team Davos, die im vergangenen Winter die Schweiz an den Olympischen Spielen vertrat. Jacqueline ist Skip bei Uitikon-Waldegg in der höchsten Schweizer Liga. «Von ihnen kann ich bezüglich Einsatz und Wille viel lernen», sagt Joël. «Mich muss man eher antreiben.» Janine und Joël wohnen nur einen Katzensprung voneinander entfernt in der Fahrweid, doch im Curling liegen momentan Welten zwischen ihnen.

Greiner versucht die nicht ganz freiwillige Curlingpause zu geniessen, spielt nun Squash, Unihockey und stählt seine Muskeln mit Krafttraining. Im Sommer joggte er einige Kilometer, aber dafür sei es jetzt zu kalt. Doch während er seine Schwestern bei Meisterschaftsspielen anfeuert, wäre er gerne selber auf dem Eis. «Dann vermisse ich das Wettkampfgefühl und den Druck.» Erst am Montag, wenn für den Logistikassistenten die Arbeitswoche beginnt, denkt Joël weniger ans Curling. Früher waren seine Teamkollegen auch seine engsten Freunde. Statt an den Wochenenden im Ausgang abzutanzen, haben sie zusammen Curling gespielt. Joël bezeichnet sich als «Teamplayer. Wenn wirs im Team gut haben, dann tue ich alles für meine Mitspieler.»

Gegen Saisonende hin will sich Joël Greiner aktiv um eine neue Mannschaft bemühen. Länger soll die Curlingpause nicht werden. «Ich glaube, es gibt eine Art Spielerbörse im Internet.» Der 22-Jährige sollte nicht lange suchen müssen. Denn der Name Greiner steht im Curling für Erfolg – auch, wenn sich Joël bescheiden gibt: «Ich würde nicht sagen, ich sei ein Riesentalent. Aber ich bin sozusagen in der Curlinghalle aufgewachsen.»

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