Eishockey

Die Kloten Flyers gehören nun zur «kleinen NHL»

Die Fans der Kloten Flyers müssen sich nicht davor fürchten, dass die kanadischen Besitzer ihren Klub nach dem Abgang des Präsidenten fallen lassen.

Die Fans der Kloten Flyers müssen sich nicht davor fürchten, dass die kanadischen Besitzer ihren Klub nach dem Abgang des Präsidenten fallen lassen.

Der Rücktritt von Präsident Ken Stickney und sein Wechsel zum HC Lausanne eröffnet den Kloten Flyers ungeahnte neue Möglichkeiten. Trotz unruhigen Tagen. Denn damit haben Spieler und Trainer inzwischen leben gelernt

Was bedeutet der Ausstieg von Präsident Ken Stickney und sein Wechsel zu Lausanne für die Kloten Flyers? Einen Schritt nach vorne. Weil nun eine «kanadische Bruderschaft» bereits einen Viertel der Liga kontrolliert: Servette, Kloten und neu auch Lausanne. Die drei Klubs bilden eine «kleine NHL».

Natürlich gibt es offiziell keine Verbindung zwischen den drei Hockeyunternehmen. Die Liga hat entsprechende Gesetze erlassen: niemand darf bei mehr als einem Klub 25 oder mehr Prozent der Aktien besitzen oder ein Amt ausüben. Deshalb ist Ken Stickney bei den Kloten Flyers als Verwaltungspräsident ausgestiegen. «Sie können davon ausgehen, dass wir uns an die Vorschriften halten» sagt Klotens Geschäftsführer Matthias Berner.

Auch Servette, der Verein rund um Chris McSorley, gehört zum Aussenposten der NHL in der Schweiz.

Auch Servette, der Verein rund um Chris McSorley, gehört zum Aussenposten der NHL in der Schweiz.

«Kartell des Bösen»

Kein Schelm, wer die bange Frage stellt: Steigen nun die nordamerikanischen Investoren bei den Kloten Flyers aus und wenden sich Lausanne zu? Einem Hockeyunternehmen mit besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen. Matthias Berner sagt: «Überhaupt nicht. Der Abgang von Ken Stickney hat keinen Einfluss auf die Kloten Flyers.» Das muss er natürlich so sagen. Aber es dürfte so sein. Die nordamerikanische Avenir Gruppe ist ja nicht Sponsor des Klubs. Sondern Besitzerin. Die Besitzerin kann nicht aussteigen. Sie kann nur verkaufen oder verschenken.

«Der Abgang von Ken Stickney hat keinen Einfluss auf die Kloten Flyers.»

Matthias Berner, Geschäftsführer der Kloten Flyers

 «Der Abgang von Ken Stickney hat keinen Einfluss auf die Kloten Flyers.»

Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum Berners Aussage nicht bloss eine verbale Beruhigungspille ist. Hinter dem Einstieg der Nordamerikaner in unser Hockey steht eine Strategie. Wer will, kann daraus eine Verschwörungstheorie drechseln. Es gibt zwar keine illegalen Verbindungen zwischen Lausanne, Servette und Kloten. Aber die nordamerikanischen Investoren bei den drei Teams sind «Buddies». Freunde. Da entsteht ein «Kartell des Bösen» mit dem Ziel, eine ganze Liga unter Kontrolle zu bringen und unser Hockey in die elfte Provinz Kanadas zu verwandeln. «Ein Kartell ist schon etwas hoch gegriffen» sagt Matthias Berner.

Es ist eine«kleine NHL» entstanden

«Es sind ja nur drei Klubs. Aber es stimmt, dass es gemeinsame Interessen und einen Gedankenaustausch gibt.» Eine «kleine NHL» ist entstanden. Die Manager von Kloten, Lausanne und Servette können beispielsweise unter sich schon mal ein bisschen nach NHL-Manier fuhrwerken. Beispiel: Denis Hollenstein ist in Kloten zu teuer. Also transferieren wir ihn samt Vertrag nach Lausanne oder nach Genf. «Das ist ein unglücklich gewähltes Beispiel» sagt Matthias Berner. «Denis Hollenstein ist das Herz und die Seele unseres Klubs. Deshalb ist so ein Transfer ausgeschlossen. Aber dieses Szenario ist bei einem weniger wichtigen Spieler denkbar.»

«Denis Hollenstein ist das Herz und die Seele unseres Klubs.»

Matthias Berner, Geschäftsführer der Kloten Flyers

«Denis Hollenstein ist das Herz und die Seele unseres Klubs.»

Was die übrigen Klubs schon ein wenig beunruhigen sollte: Matthias Berner versteht sich sehr gut mit Peter Zahner. Dessen ZSC Lions sind auch stark nordamerikanisch geprägt und pflegen bereits eine Zusammenarbeit mit den Toronto Maple Leafs. Wenn Kloten, Lausanne und Genf nun mit Zürich politisch zusammenspannen entsteht ein Machtblock, der einen Drittel der Liga kontrolliert.

Wenn ein Klub-Präsident zurücktritt um bei einem Konkurrenten im Kampf um die Playoffs einzusteigen, dann kommt Unruhe auf. Hat dieser Wechsel zur Unzeit Einfluss auf die Mannschaft? «Nein» sagt Matthias Berner. «Natürlich war der Mittwoch ein aufregender Tag und es hat viele Fragen gegeben. Diese haben wir inzwischen beantwortet und am Donnerstag sind alle wieder an ihre Arbeit gegangen. Ich gehe davon aus, dass die ganze Sache keine sportlichen Auswirkungen hat.»

Ausrede für Trainer Simpson?

Abgesehen davon, dass er das so sagen muss, dürfte es tatsächlich so sein: Die Kloten Flyers haben unruhige Tage hinter sich. Aber Spieler und Trainer haben inzwischen mit solchen Unruhen zu leben gelernt wie die Japaner mit der Erdbebengefahr. Die Kloten Flyers haben wahrlich schon aufregendere Zeiten durchgestanden. Ja, Trainer und Sportchef Sean Simpson dürfte die ganze Aufregung recht sein. Sollte er nämlich die Playoffs verpassen, dann hat er nun eine prima Ausrede: die Unruhe rund um den Präsidentenwechsel sei schuld. Wie beschliesst doch ein frommer Hockeytrainer sein Abendgebet? «Lieber Gott, nimm mir alles, aber lass mir die guten Ausreden.»

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