Es ist ein prächtiges Bild. Uli Forte sitzt auf einem schweren, schwarzen Motorrad. Er fährt vors Stadion, steigt ab. Dann verkündet er: «Wir werden starten wie die Feuerwehr!» Es ist kurz vor dieser Saison, Uli Forte Trainer des BSC Young Boys, die Sehnsucht nach dem Titel ungebrochen. Die Reise am ersten Spieltag geht zum FC Zürich. Und dann. Keine Feuerwehr. Kein Titel. Sondern die Entlassung.

Gut neun Monate sind seither vergangen. Jetzt ist Uli Forte zurück. Ausgerechnet am 13. Mai. Zehn Jahre nach dem legendären FCZ-Meistertitel ist der 42-Jährige als neuer Trainer so etwas wie die letzte Hoffnung des FC Zürich. Wieder ist die Feuerwehr gefordert. Es ist ein bedrohlicher Brand, den Forte nun löschen muss. Die Lage ist ganz anders als im Sommer in Bern. Es geht um Existenzen. Nach dem 0:4 gegen Lugano ist der FCZ Tabellenletzter. Drei Spiele verbleiben, um den Abstieg zu vermeiden.

Kurz nach 12 Uhr mittags stellt der FC Zürich gestern Forte auf seinem Trainingsgelände bei der Zürcher Allmend Brunau vor. Das Interesse an ihm ist gross. Bald sagt er: «Wir brauchen Leidenschaft, Herz und Kampf. Die Qualität der Spieler ist vorhanden. Sie haben das ‹Tschutten› nicht verlernt, davon bin ich überzeugt.»

Forte tritt auf, wie man ihn kennt aus den Zeiten, als er bei St. Gallen, GC oder YB arbeitete. Er spricht viel, gerne auch in Bildern. Und eigentlich bestehen keine Zweifel, dass er in dieser Situation der Mannschaft helfen kann, die Blockade zu lösen. Forte kündigt viele Einzelgespräche an. Ein Teambuilding-Event macht am Nachmittag den Anfang.

Erstaunliche Aufbruchsstimmung

Feuerwehrmann Forte hat einen Vertrag bis Ende Saison unterschrieben. «Was in Zukunft ist, das interessiert jetzt niemanden. Weder mich noch den Verein», sagt er. Priorität hat der Abstiegskampf, natürlich. Einen Punkt hinter Lugano, zwei hinter Vaduz liegt der FCZ vor Fortes erstem Spiel am Montag in St. Gallen.

Nach Meisterschaftsschluss folgt noch das «Dessert» (Forte) in Form des Cupfinals gegen Lugano. Klar ist: Gelingt Fortes Mission – Ligaerhalt und Cupsieg – dann verdient er sich einen Vertrag für die neue Saison.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Schon als Forte vor vier Jahren zu GC wechselte, tat er das im letzten Saisonviertel. Sieben Spiele blieben ihm. Es war die Saison des Konkurses von Xamax und des massiven Punktabzugs von Sion.

Es war auch Fortes Glück, sonst wäre GC abgestiegen. Zwei Punkte aus sieben Spielen, das ist seine Bilanz von damals. «Die Situationen lassen sich kaum vergleichen», sagt Forte, «ich bin überzeugt, der heutige FCZ ist besser als das GC von damals, das ich übernahm.» Etwas anderes kann er auch gar nicht sagen. Wie sehr Forte allerdings danach mit GC für Aufbruchsstimmung sorgte, ist bemerkenswert. Innert eines Jahres machte er aus dem Beinahe-Absteiger einen Beinahe-Meister und Cupsieger.

Ob ihm das beim FCZ auch gelingt? Diese Frage muss vorerst unbeantwortet bleiben. Zu dramatisch ist die Lage. «Es gab Leute in meinem Umfeld, die mir davon abrieten, den Job anzunehmen. Aber ich bin Zürcher. Und wenn der FCZ in Not steht, dann will ich helfen. Ich gehe ‹all-in› und hoffe, dass ich am Ende als Sieger vom Poker-Tisch aufstehe», sagt Forte.

Die Zeit nach seiner Entlassung hat Forte genutzt, um sich weiterzubilden. Er erzählt von einer Visite bei Pep Guardiola in München. Oder, wie er Einblicke ins Erfolgsgeheimnis von Eusebio Di Francesco in Sassuolo bekam. Fussball à la Guardiola also beim FCZ? Wohl kaum. Aber einer wie Präsident Ancillo Canepa hört solche Worte natürlich gern.