Fussball
Das Angebot an Fussballcamps ist gross: Abzocke oder Ferienplausch?

Die steigende Anzahl von Fussballcamps ist den Vereinen in der Region kein Dorn im Auge – ganz im Gegenteil: Die Verantwortlichen sehen in den professionell organisierten Camps eine Chance, den Kindern Bewegung und Fussballlektionen zu ermöglichen.

Fabian Sangines
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Eines haben Banken, Fast-Food-Ketten und Fussballklubs gemeinsam: Einige von ihnen organisieren in den Schulferien Camps für Kinder, oder ihre Namen prangen über den entsprechenden Anmeldeformularen. Weil das Angebot von einwöchigen Trainings für den Nachwuchs ständig wächst, ist die Verlockung für die Organisatoren gross, sich mittels klingender Namen aus dem Fussballzirkus von der Konkurrenz abzuheben.

So wird mittlerweile kaum mehr ein Camp durchgeführt, ohne dass nicht ein – zumindest ehemaliger – Super-League- oder gar Nationalspieler die Teilnehmer mit Autogrammkarten beglückt.

Mit der Anzahl von solchen Camp-Angeboten steigt aber auch die Beunruhigung über deren Zweck. So hinterfragen sich die Kinder (oder eher deren Eltern), ob die Anbieter wirklich am Glück der Sprösslinge, oder nur an der Begleichung der Rechnung und dem daraus resultierenden Reingewinn interessiert sind.

Hauptsache die Kinder bewegen sich

Organisator: «Wir machen nicht das grosse Geld»

«Wir machen mit den Fussballcamps nicht das grosse Geld», sagt Stefan Huber, Geschäftsführer der Pro Fussballevent GmbH, die die Axpo-Fussballcamps organisiert. In diesem Jahr sind es 29 Camps mit insgesamt rund 3500 Kindern, die unter der Obhut der Pro Fussballevent ein Fussballcamp besuchen. «Wir wollen gar nicht mehr Camps veranstalten, sondern haben uns bewusst ein Limit gesetzt. Nur so können wir die Qualität unserer Trainer garantieren.» Die Camps seien häufig ausgebucht. Ähnlich sieht es auch Mario Sager, Inhaber von MS Sports. Sein Unternehmen führt die Raiffeisen Football Camps durch. «Dank unseren Partnerfirmen und Sponsoren können wir den Betrag mit 215 Franken auf einem Niveau halten, das auch Vereine für Trainingscamps verlangen müssen», sagt er. MS Sport lege viel Wert auf die Professionalität der Camps. «Wir beschäftigen nur Trainer, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen», sagt Sager. (DFS)

Besonders im sozialen Bereich sieht Dreifuss die Camps als eine grosse Bereicherung für die Gesellschaft und an deren Angebotswachstum einen weiteren Vorteil: «Es kann sich kein Anbieter mehr leisten, einfach nur abzuzocken. Wenn ein Kind unzufrieden war, geht es im nächsten Jahr einfach woanders hin. Die schwarzen Schafe können also auf die Dauer gar nicht überleben.»

Auch keine Bedenken in Schlieren

Ähnlich sieht dies Andre Hügli, zuständig für den Nachwuchs vom 3.-Liga-Spitzenreiter FC Schlieren. Sein Klub bietet auf der heimischen Zelgli in Zusammenarbeit mit dem FC Zürich jährlich Fussballcamps an. Angst, dass der grosse FCZ dem Dorfklub bereits im tiefen Juniorenalter die Spieler abwirbt, hat Hügli nicht: «Durch das Projekt ‹Footeco› werden unsere talentiertesten Kids an GC zugewiesen. Ausserdem unterstützen wir immer, wenn unsere Spieler sich bei einem Grossklub weiterentwickeln können.»

Vielmehr profitieren die kleinen Vereine davon, wenn ihre Nachwuchskicker in gut geführte Trainingswochen gehen. «Die Junioren trainieren eine Woche zweimal täglich – wie die Profis. Natürlich machen die Kinder dadurch Fortschritte», so Hügli. Auch die Preiskategorie von 200 bis 300 Franken sei gerechtfertigt, schliesslich koste heute kaum ein Tagesausflug weniger als 60 Franken, sagen Hügli und Dreifuss unisono.

Eltern, die im überwältigenden Angebot an Fussballcamps das Richtige für ihren Sprössling finden möchten, sollen gemäss den Juniorenobmännern unbedingt Erfahrungen von Bekannten einholen. Zudem solle man darauf achten, dass die Camps in den letzten Jahren eine konstante oder gar steigende Teilnehmerzahl vorweisen können. Dann stehe einer sinnvollen, spassigen und lehrreichen Woche für den Junior nichts mehr im Wege.

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