Ligue 1
Messi und Shaqiri stehen im Schatten der Fangewalt

Am Mittwoch kam es in der französischen Ligue 1 erneut zu Fanausschreitungen. In Montpellier wurde ein Bus mit Bordeaux-Fans angegriffen, in Angers kam es zu einem Platzsturm. Die Fangewalt in Frankreich droht nach den jüngsten Vorfällen zu eskalieren.

Pascal Kuba
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Am Mittwoch stürmten in Angers stürmten Fans auf den Platz.

Am Mittwoch stürmten in Angers stürmten Fans auf den Platz.

Keystone

Als Lionel Messis Flugzeug in Paris landete, war der Rummel um die höchste französische Liga gross wie lange nicht mehr. Die Ligue 1 zog von den Top-5-Ligen Europas deutlich die wenigste Aufmerksamkeit auf sich. Das sollte sich mit der Ankunft des sechsmaligen Weltfussballers bei PSG ändern. Mit Olympique Lyons Verpflichtung von Xherdan Shaqiri und Vladimir Petkovics Engagement als Trainer von Girondins Bordeaux gewann die Liga in der Schweiz zusätzlich an Interesse.

Im Spiel OGC Nizza gegen Olympique Marseille kam es zu wüsten Szenen mit Spielern und Fans.

Im Spiel OGC Nizza gegen Olympique Marseille kam es zu wüsten Szenen mit Spielern und Fans.

Norbert Scanella / www.imago-images.de

Nach sieben Runden muss man konstatieren, dass die Liga insgesamt weder dank Messi, Petkovic oder Shaqiri für positive Emotionen sorgt. Stattdessen ist es eine Welle der Gewalt, die den Stars die Schlagzeilen wegnimmt.

Nach «der Schande» (L'Equipe) der Nizza-Fans im Spiel gegen Olympique Marseille und dem Platzsturm während des Nord-Derbys zwischen Lens und Lille kamen am Mittwoch zwei weitere Vorfälle dazu. In Montpellier stoppten ungefähr 50 Fans, laut Polizei bewaffnet mit Eisenstangen und Rauchbomben, einen Bus mit Bordeaux-Anhängern. 16 Fans wurden dabei verletzt. Daneben stürmten in Angers Anhänger von Olympique Marseille nach Provokationen der Heimfans den Rasen.

«Eine grosse Dummheit»

Es sind Szenen, die der französische Fussball zwar nicht zum ersten Mal erlebt, nun mit ihrer Häufigkeit aber eine äusserst ernst zu nehmende Problematik darstellen. Die Pandemie und das Wegbleiben der Fans trugen sicherlich ihren Teil zu diesem Umstand bei. «Wir haben 15 Monate lang keinen Fussball mehr gesehen», sagt Marseille-Kommunikationschef Jacques Cardoze, «die Leute sind offenbar nicht intelligent genug, um nur Fussball zu schauen». Angers-Trainer Gérald Baticle teilte seine Emotionen: «Es ist eine grosse Dummheit derer, die solche Taten begehen.»

Hier die Ausschreitungen in Lens und Nizza zum Nachschauen:

Anders sah dies nach dem Spielabbruch zwischen Nizza und Marseille aus, als die Präsidenten beider Klubs keinen Konsens finden konnten. Während Nizza-Präsident Jean-Pierre Rivère Marseille-Spielmacher Dimitri Payet für das Überkochen der Emotionen verantwortlich machte und das Spiel fortsetzen wollte, kritisierte OM-Präsident Pablo Longoria dieses Vorhaben und die Fans von Nizza.

Appell an Emmanuel Macron

Wie sehr die Lage ausser Kontrolle gerät, zeigt der Hilferuf von Ex-Spieler Jérome Rothen bei RMC Sport, einem der grössten französischen Sport-TV-Sender: «Der Fussball ist ein sehr wichtiger Bestandteil der französischen Wirtschaft. Heute geht alles den Bach runter. Es liegt an Macron, das Problem zu lösen.» Ob Frankreichs Präsident interveniert, ist unklar. Die Liga hat derweil verkündet, das Spiel Nizza – Marseille ohne Fans zu wiederholen. Um nicht im Chaos der Fans zu versinken, müssen das Star-Ensemble um Messi und Shaqiri bei Lyon müssen fussballerisch brillieren, um der Ligue 1 aus den negativen Schlagzeilen zu helfen.

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