Fussball

Lieber Xherdan Shaqiri, Sie sind schlecht beraten!

Nun ist klar, für welchen Verein Xherdan Shaqiri in Zukunft aufläuft: für den Premier-League-Club Stoke City. (Archiv)

Nun ist klar, für welchen Verein Xherdan Shaqiri in Zukunft aufläuft: für den Premier-League-Club Stoke City. (Archiv)

Ein Kommentar zum Transfer von Xherdan Shaqiri zu Stoke City, zu seinem Image und der Rolle seines Bruders Erdin.

Ein Anruf bei Erdin Shaqiri, dem Bruder und Berater von Xherdan: «Guten Tag, Herr Shaqiri. Wir fahren für eine Reportage nach Kosovo, um unseren Lesern zu zeigen, woher die albanisch-stämmigen Fussballer kommen, die in der Schweizer Nationalmannschaft tragende Rollen besetzen. Deshalb würden wir gerne das Heimat-Dorf Ihrer Familie besuchen. Können Sie uns bitte sagen, wie das Dorf heisst und wen wir dort kontaktieren können?» Shaqiri überlegt und sagt: «Wir wollen nicht, dass Sie dorthin reisen. Deshalb gibt es keine Informationen. Ausserdem will ich vor der Veröffentlichung des Berichts jedes Wort lesen, das Sie über meinen Bruder schreiben.»

Wir reisen nach Zheger, dem Geburtsort von Shaqiri. Es ist ein trostloses Kaff, gebaut entlang einer Strasse, die ins Nirgendwo führt. Man zeigt uns den Weg zum Haus der Shaqiris. Ein Haus, wie es auch an der Zürcher Goldküste stehen könnte.

Shpend, unser kosovarischer Fahrer, steigt aus, klingelt an der Tür und kehrt nach fünf Minuten mit bedrückter Miene zurück. «Ich habe mit Shaqiris Cousin gesprochen und er hat gesagt, wir sollen abhauen – Befehl von Erdin. Dieses Verhalten entspricht nicht unserer Gastfreundschaft. Wenn jemand extra aus der Schweiz anreist, bietet man ihm wenigstens etwas zu trinken an. Und es bedrückt mich, zu sehen, dass einer, der Millionen verdient, seinem Dorf nichts zurückgibt. Schreib das ruhig.»

Es ist nur ein Kapitel in der Geschichte des Xherdan Shaqiri mit dem Titel: Wie schädige ich mein Image? Verantwortlich für die Aussendarstellung ist der Berater. Und das ist sein grosser Bruder Erdin. Was schon mal ein Problem ist. Erst recht, wenn in der Familie strikt von oben nach unten regiert wird. Im Fall von Shaqiri wird dann aus dem Berater der Chef.

Noch im letzten Sommer galt Shaqiri als Everybody’s Darling

Noch im letzten Sommer, als die Schweiz in Brasilien die WM spielte, galt Shaqiri als Everybody’s Darling. Er war Hoffnungsträger, Popstar und Marketinginstrument. Er lachte uns im Supermarkt fünfmal an, ehe wir den Einkaufswagen gefüllt hatten. Was uns aber nicht weiter gestört hat. Schliesslich war Shaqiri der Star vom FC Bayern München, der Mann mit den goldenen Füssen, der über das fussballerische Schicksal der Schweiz bestimmte.

Shaqiri ist nicht mehr die unbeschwerte Frohnatur, wie er es bei seinen Anfängen als Profi beim FC Basel gewesen ist. Entsprechend hat auch sein Image gelitten, auch wenn er dieses mit zuletzt sehr guten Auftritten im Nationalteam kurzfristig reparieren kann. In der Schweiz. Nur ist die Schweiz keine adäquate Bühne für einen Ballkünstler wie Shaqiri.

Pep Guardiola wurde es zu bunt

Shaqiri strebt nach Grossem. Das Talent dazu hat er. Aber nicht die Reputation. Bei Bayern zweifelte Trainer Pep Guardiola an seiner Spielintelligenz. Vielleicht aber war der impulsive Spanier auch nur genervt über das ewige Kokettieren des Shaqiri-Clans mit einem Transfer. Und vom kurzen Engagement bei Inter Mailand bleiben nur drei Ereignisse haften: der laute Empfang, der leise Abgang und dazwischen die Paparazzi-Bilder, die Shaqiri im Ausgang mit einem Model zeigen.

Schalke und Dortmund haben über eine Verpflichtung Shaqiris nachgedacht. Doch beide wollen den Schweizer nicht um jeden Preis. Das gibt zu denken. Schliesslich hat er die Qualitäten, um in beiden Klubs ein Leistungsträger zu sein. Das lässt darauf schliessen, dass Shaqiris Ruf in der Szene gelitten hat. Verantwortlich dafür sind seine Auftritte neben dem Platz, wo Bruder Erdin Spielmacher ist.

Nun wahrscheinlich also Stoke City. Eine 350'000-Einwohner-Stadt in den Midlands. Auf halbem Weg zwischen Birmingham und Manchester. Eine Stadt, so lieblich wie das Geräusch eines startenden Jets; mit überdurchschnittlich hoher Arbeitslosenquote. Und mit einer Mannschaft, die Fussball arbeitet. Kurz: Es fehlt Stoke in jeder Hinsicht an Sexappeal. Wahrscheinlich haben die Shaqiris auch deshalb die Nase gerümpft, als der Neunte der letzten Premier-League-Saison vor knapp eineinhalb Monaten die ersten Avancen gemacht hat. Aber bei Stoke City fehlt es nicht an Geld. Auch deshalb wohl die Kehrtwende der Shaqiris.

Ist Stoke eine Sackgasse? Oder gibt es noch einen Ausweg?

Stoke könnte der letzte Ausweg aus der Sackgasse sein. Aber das sind keine guten Voraussetzungen. Nicht für Shaqiri, weil er im Ruf steht, dem Geld hinterherzurennen. Nicht für die Fans von Stoke, weil Shaqiri ihren Klub wie die letzte, übrig gebliebene Frau auf einer Single-Party behandelt hat. Nicht für Stoke City, weil Shaqiri nur ein Ziel hat: möglichst schnell wieder raus aus Stoke.

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