Man kann nicht behaupten, dass an Fabrice Herzog ein Entertainer verloren gegangen wäre. Wenn man mit dem Stürmer der ZSC Lions spricht, dann muss man eher das Sprichwort «jemandem die Würmer aus der Nase ziehen» bemühen. Der 22-Jährige verliert wirklich kein Wort zu viel. «Ich stehe nicht gern im Rampenlicht», gesteht der Ostschweizer im Anschluss an das freiwillige Eistraining der Schweizer Nationalmannschaft von gestern in Paris etwas gequält lächelnd und blickt in die ihn umringende Journalisten-Meute.

Spätestens nach seinem sensationellen Auftritt beim 3:2-Sieg gegen Kanada ist es vorbei mit der Ruhe für den kräftigen Flügel. Er wurde aus der Anonymität des meist überzähligen Stürmers mitten ins Scheinwerferlicht gerissen. Besonders sein Treffer in der Verlängerung, der den Sieg der Schweizer besiegelte, entwickelte sich auf der ganzen Welt zum viralen Quotenhit. Auch in Kanada. In dem Land, zu welchem Fabrice Herzog nicht nur aufgrund des WM-Spiels eine spezielle Beziehung hat.

Die Bilder zum Spiel gegen Kanada:

Reaktionen aus Kanada

Der Frauenfelder, der seinen Feinschliff in der Juniorenabteilung des EV Zug erhielt und im Sommer 2015 zu den ZSC Lions wechselte, verbrachte eine Saison in der kanadischen Juniorenliga bei den Quebec Remparts. Und durfte sogar für fünf Spiele im Dress der Toronto Marlies, dem AHL-Farmteam der Toronto Maple Leafs, auflaufen. Die traditionsreiche NHL-Franchise hatte sich im Draft 2013 die Rechte an Fabrice Herzog gesichert und ihn in der fünften Runde der jährlichen Talentziehung ausgewählt.

Logisch, war die Resonanz nach seinem Overtime-Backhand-Kracher vor allem aus Übersee recht gross. «Es haben sich ein paar meiner ehemaligen Mitspieler gemeldet», erzählt der 1,89-Meter-Mann lächelnd. Und man merkt, dass da doch noch mehr hinter dem Pokerface steckt. Fabrice Herzog gibt denn auch zu, dass er nach seinem Auftritt gegen Kanada lange Mühe hatte, einzuschlafen. 24 Stunden später war er gegen die Finnen aber wieder wach genug, um seinen dritten Turniertreffer zu erzielen. Wieder ein wunderbares Tor ins Lattenkreuz – diesmal aber nicht backhand, also nicht so wie bei seiner Doublette gegen die Kanadier.

Die Highlights des Spiels gegen Kanada:

Highlights Eishockey-WM 2017 Kanada-Schweiz

Für Fabrice Herzog war der Einstieg in das WM-Turnier alles andere als einfach. In den ersten vier Partien figurierte er jeweils als 13. Stürmer auf dem Matchblatt und kam nur zu einer Handvoll Einsätzen. «Es war schwierig, den Fokus zu behalten. Ich habe versucht, so gut wie möglich zu trainieren, damit ich jederzeit bereit für einen Einsatz bin», sagt Herzog, der aber wusste, dass er früher oder später seine Chance bekommen würde. Nationaltrainer Patrick Fischer hatte ihm die entsprechenden Signale gegeben.

Gegen Kanada war es dann so weit. Dieses Spiel war für den Thurgauer umso wichtiger, als mit Mike Babcock auch der Trainer der Toronto Maple Leafs auf der Tribüne sass und einen seiner potenziellen, zukünftigen Spieler unter die Lupe nahm. «Das war sicher ein Ansporn für mich, noch einmal besser zu spielen», sagt Herzog, der einen Vertrag bei den ZSC Lions bis zum Ende der Saison 2018/19 besitzt – allerdings mit einer NHL-Ausstiegsklausel.

An Matthews’ Seite gestürmt

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist dabei die Tatsache, dass er im vergangenen Jahr in Zürich regelmässig an der Seite des neuen Leafs-Superstars Auston Matthews stürmen durfte. Noch einmal mit dem überaus talentierten US-Amerikaner zusammenspielen zu können, ist ein Gedanke, an den sich Fabrice Herzog durchaus gewöhnen könnte. Auch deshalb kann er sich einen Wechsel nach Nordamerika sehr gut vorstellen, zumal das körperbetonte Spiel auf den kleineren Eisfeldern eher seinem physischen Stil entgegenkommt.

Fabrice Herzog spielt momentan für die ZSC Lions.

Fabrice Herzog spielt momentan für die ZSC Lions.

Bei seinen Wechselgedanken spielt es auch keine Rolle, dass er in seinem jungen Alter schon Vater einer 15 Monate alten Tochter ist. «Das wäre kein Problem für mich. Ich würde meine Familie einfach mitnehmen», sagt er lächelnd.

Vorerst sind seine Gedanken aber noch hier in Paris, beim Spiel gegen Tschechien. Man merkt, dass Fabrice Herzog den Fokus deutlich lieber auf das aktuelle Geschehen richtet. Der Mann hat mit der Schweizer Nationalmannschaft schliesslich noch einiges vor. «Ich denke der Halbfinal, ja sogar der Final sind möglich. Aber jetzt müssen wir erst einmal schauen, dass wir gegen die Tschechen gut spielen.»

Fabrice Herzog lässt lieber auf dem Eis seine Taten sprechen – und die Tore.