Gschobe #5

Liebe Walliser, so löst man Konflikte

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 45 und 48, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell. David, Lehrer, Speicher AR. Tobias, Consultant, Zürich. Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG. François, Journalist, Windisch.

David: Ein paar Ohrfeigen und Tritte als Konfliktlösung à la valaisanne! Ich finde es ungeheuerlich, dass Christian Constantin mit seiner Argumentation einen ganzen Kanton in den Dreck zieht.

Pius: Das geht gar nicht. Irgendwann kommt einer auf die Idee, dass alle Bergler gleich ticken. Und dann fällt es auch auf uns Appenzeller zurück. Dann landen wir mit den Wallisern in der Schläger-Schublade.

Tobias: Wir müssen dringend Gegensteuer geben. Es braucht eine gross angelegte PR-Kampagne für die Vielfalt der Walliser Konfliktlösung.

François: Okay. Gute Idee mit der PR-Kampagne. Denn die Walliser sind eigentlich ganz umgängliche Menschen. Ausserdem haben sie andere Mittel zur Konfliktlösung. Denken wir nur an Rainer Maria Salzgeber.

David: Hatte der jemals einen Konflikt?

Pius: Nein, der wagt es nicht mal, seinem Stilberater zu widersprechen.

François: Eben. Aber Gianni Infantino.

David: Stimmt, der legt nicht Hand an, sondern schmeisst einfach die Leute raus, die ihm nicht passen.

Constantin an der Medienkonferenz zu Prügelattacke gegen Rolf Fringer

Constantin an der Medienkonferenz zu Prügelattacke gegen Rolf Fringer

Tobias: Es gibt smartere Mittel. Wie wäre es mit der guten, alten Sepp-Blatter-Taktik mit Couverts für Freund und Feind?

François: Apropos Blatter. Er könnte zum wichtigsten Botschafter der Walliser Anti-Schläger-PR-Kampagne werden. Er behauptet ja, in Visp würde man Streit bereinigen, indem man einen Dreier oder einen Halben trinken geht.

Pius: Blöd nur, dass die Weinproduzenten dieses Jahr eine schlechte Ernte beklagen. Ich befürchte das Schlimmste. Stellt euch vor, den Wallisern geht der Fendant aus. Das gäbe eine Menge Arbeit für den UNO-Sicherheitsrat.

François: Quatsch! Sie haben noch die Kirche.

Tobias: Sehr schön, da landen wir doch prompt bei Pirmin.

David: Pirmin ist doch sündenfrei.

Tobias: Egal. Einer wie er findet immer etwas, das er beichten kann. Und das funktioniert so: Pirmin geht eine Stunde beichten und der Pfarrer schläft aus Langeweile ein.

François: Und wer nicht beichten will, ein Problem hat, aber konfliktscheu ist, kann es mit den Kühen regeln.

Tobias: Grossartig. Kuhkämpfe. Die beste Art, einen Konflikt zu lösen. Und wer keine Kuh und keinen Gegner, die Aggression aber noch nicht abgebaut hat, findet bestimmt irgendwo einen streunenden Wolf.

François: Vorsicht! Grüne! Tierschutz!

Tobias: Die haben derzeit ganz andere Probleme.

David: Ach hätte Constantin doch nur uns zu Rate gezogen, bevor er Fringer Backpfeifen austeilt. Aber was passiert jetzt mit ihm?

François: Er wird wohl gesperrt.

Tobias: Für wie lange?

Pius: Ich hoffe doch sehr, dass man ihm lebenslang verbietet, irgendein offizielles Amt im Schweizer Fussball zu bekleiden. Selbst wenn er damit drohen sollte, im Fall einer harten Strafe den FC Sion aus dem Spielbetrieb zurückzuziehen. Constantin hat in Schweizer Fussballstadien nichts mehr verloren.

David: Gemach, gemach. Was, wenn Constantin von unserer Diskussion Wind kriegt? Sind wir dann die nächsten auf der Liste seiner Opfer?

Flavio: Hoffentlich. Dann kommen wir endlich mal in die Zeitung.

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