Pius: Matthias Hüppi als neuer St.-GallenPräsident – das ist genial, bombastisch, einfach ein mega Coup. Freunde, ich sag euch, Hüppi wird mit dem FC St. Gallen die Liga rocken.

Tobias: Ui, ui, ui. Hast du Hüppis Rhetorikkurs besucht?

Pius: Nein, ich habe ihn mal im Fitness getroffen. Ein super Typ. Immer freundlich, immer gut drauf, immer gesprächig.

François: Das nennt man auch déformation professionnelle. Ein introvertierter TV-Moderator ist wie ein Titelgewinn für den FC St. Gallen – eher selten.

Pius: Aber genau das braucht der FC St. Gallen jetzt. Eine Galionsfigur, einen Verkäufer, einen Kommunikations-Profi, einen Sympathieträger. Einen Gute-Laune-Bär – von mir aus. Aber das ist mir tausend Mal lieber als einer, der zum Lachen in den Keller verschwindet. So jedenfalls wirkte Hüppis Vorgänger Stefan Hernandez auf mich.

Tobias: Stefan wer?

Pius: Eben. Dieses Problem ist gelöst.

David: Ich staune über die Begeisterung in der Ostschweiz. Offenbar reicht allein ein prominenter Name, um die unmittelbare Vergangenheit vergessen zu lassen, die weiss Gott nicht glorreich war. Dabei weiss nicht mal Hüppi selbst, ob er die Qualifikationen für einen erfolgreichen Klubpräsidenten hat.

Tobias: Mach dir darum mal keine Sorgen. Als Gott das Selbstbewusstsein verteilte, muss Klein Hüppi zweimal zugegriffen haben.

Flavio: Nun, von Betriebswirtschaft hat er wohl etwa gleich viel Ahnung wie Chris Froome von Doping. Aber da kann er ja bei Edgar Oehler lernen.

David: Gute Idee. Hüppi sollte darauf bedacht sein, sich mit Oehler gutzustellen, ihn ins Boot zu holen. Einerseits, weil Oehler der Hauptaktionär ist. Andererseits, weil er gerne schonungslos drauflospoltert, wenn ihm etwas nicht passt. Die operative Führung des FC St. Gallen betitelte er einst als Trachtengruppe, und dem Sportchef René Weiler solle man einen Job als Platzwart, Papierkorbleerer oder Sekretär anbieten.

Tobias: Mach dir auch darum mal keine Sorgen. Statt «was meinst du Alain?» heisst es nun «was meinst du Edgar?».

Pius: Ich sage euch: Hüppi hat schon jetzt für Aufbruchstimmung gesorgt. Und wenn er im Januar erst richtig loslegt, wird er eine nie da gewesene Euphorie entfachen, die alle Ostschweizer in den Bann zieht. Wir werden das Jahrzehnt der Ostschweiz erleben. Simi Ammann fliegt in Südkorea sensationell zu Olympia-Gold. Timo Meier verzaubert Amerika, wird NHL-Topskorer und kehrt mit dem Stanley Cup nach Herisau zurück. Stefan Küng gewinnt an der Tour de France und behält die Trophäe auch nach der fünfzigsten Dopingprobe. Der St. Galler Ralph Weber triumphiert in Wengen und in Kitzbühel. Die Appenzellerin Lara Baumann löst die andere Lara als Ski-Schätzli ab. Karin Keller-Sutter wird Bundesrätin. Jonas Hiller hext die Schweiz zu Olympia-Gold. Sonja Nef wird als erste Frau überhaupt das Internationale Olympische Komitee präsidieren. Natürlich löst St. Gallen den FC Basel als Serienmeister ab. St. Otmar wird wieder die Nummer eins im Handball. Der FC Wil gewinnt den Cup. Der SC Herisau steigt in die NLA auf. Hä, keiner mehr da? Wo seid ihr hin? Ihr könnt mich doch nicht einfach hier stehen lassen!