Das Goalie-Duell im Playoff-Halbfinal
Leonardo Genoni: «Ich habe keine Zeit für Wehmut»

Der HCD-Goalie Leonardo Genoni trifft im Playoff-Halbfinal auf seinen zukünftigen Arbeitgeber SC Bern. Für Genoni keinen Grund, in helle Aufregung zu verfallen.

Marcel Kuchta, Davos
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Die Ära von Goalie Leonardo Genoni neigt sich in Davos dem Ende zu.

Die Ära von Goalie Leonardo Genoni neigt sich in Davos dem Ende zu.

KEYSTONE

«Eigentlich sollte ich ja die Klappe halten», steht in der SMS von Leonardo Genoni. Im letzten Jahr hatte sich der HCD-Goalie während der gesamten Playoffs ein Interviewverbot selbst auferlegt. Prompt wurde er mit seinen Davosern Schweizer Meister. Wieso also das Karma strapazieren und im Vorfeld der diesjährigen Halbfinalserie gegen den SCB plötzlich reden? «Es hat ja gut funktioniert», schreibt er. Die Zweifel sind da, der Rückzieher schon formuliert. Aber schliesslich steht er doch Red und Antwort, bevor es heute Abend in Davos zum ersten Aufeinandertreffen zwischen dem HCD und dem SCB kommen wird.

Für Leonardo Genoni steht dieser Halbfinal unter einem besonderen Stern. Im letzten Oktober wurde bekannt, dass der gebürtige Kilchberger den HC Davos am Ende der laufenden Saison nach neun Jahren und drei Meistertiteln in Richtung ... Bern verlassen wird, wo er einen Dreijahresvertrag unterschrieben hat. Für den 28-Jährigen ist diese spezielle Affiche jedoch kein Grund, in helle Aufregung zu verfallen. Das würde sowieso nicht seinem sehr ruhigen und besonnenen Naturell entsprechen: «Ich bin nicht extra motiviert, nur weil wir jetzt gegen den SCB spielen. Wenn man in einem Halbfinal steht, ist man so oder motiviert», analysiert der Arztsohn die Situation gewohnt lakonisch.

Leonardo Genoni (links) spielt nächstes Jahr zusammen mit Partin Plüss (rechts)

Leonardo Genoni (links) spielt nächstes Jahr zusammen mit Partin Plüss (rechts)

Keystone

Natürlich könne er den bevorstehenden Transfer ins Unterland nicht gänzlich ignorieren. Aber mehr aus praktischen Gründen: «Es haben schon Vorbereitungen angefangen für die nächste Saison. Aber das gehört halt dazu, wenn man bei seiner Wohnung drei Monate Kündigungsfrist hat. Ich blende das nicht aus, aber ich messe dem Wechsel in der aktuellen Situation auch keine grosse Bedeutung zu.»

Konzentration aufs Tagesgeschäft

Dass sich Leonardo Genoni während der Playoffs nur aufs Tagesgeschäft konzentrieren will, ist logisch und nachvollziehbar. In der schnellen und intensiven Abfolge von Spielen und Trainings bleibt keine Zeit für die Gedanken an die innerhalb der nächsten vier Wochen zu Ende gehende, sehr erfolgreiche Ära in Davos. «Ich habe keine Zeit für Wehmut. Ich würde meine Energie für einen Nebenschauplatz vergeuden», sagt Genoni mit Nachdruck. Auch sein langjähriger Goalietrainer Marcel Kull ist fokussiert auf die Zusammenarbeit mit seinem Musterschüler, den er als 20-jährigen Rohdiamanten unter seine Fittiche nahm und aus dem er einen der wertvollsten Edelsteine geschliffen hat. «Während der Playoffs wird nicht geredet», lautet die Maxime des Herisauers.

Genoni ist für die Davoser ein sicherer Rückhalt.

Genoni ist für die Davoser ein sicherer Rückhalt.

KEYSTONE/NICK SOLAND

Ab sofort wird Leonardo Genoni also wieder schweigen, bis die Serie gegen Bern zu Ende ist. Und nur noch seine Taten auf dem Eis sprechen lassen. Denn das Ziel ist klar – auch wenn er niemals so weit nach vorne blicken würde: Genoni würde den HC Davos zum Abschied liebend gerne noch einmal zum Meistertitel hexen. Der SC Bern hat da etwas dagegen.