Die Schweiz und die EM, das löst einiges aus. Wir erinnern uns an 1996, an Kubilay Türkyilmaz und seinen Elfmeter im Eröffnungsspiel gegen England.

Das erste Schweizer EM-Tor überhaupt steht trotzdem im Schatten des verwirrten Trainers Artur Jorge.

Wir erinnern uns an 2004, an Johan Vonlanthen und sein Tor gegen Frankreich. Der jüngste EM-Torschütze der Geschichte steht trotzdem im Schatten der «Spuck-Affäre» um den Verband und Alex Frei.

Und wir erinnern uns an denselben Frei, der 2008 an der Heim-EM schon in der ersten Halbzeit des ersten Spiels gegen Tschechien verletzt vom Feld muss. Vier Tage später ist die Heim-EM vorbei, die Ära von Nationaltrainer Köbi Kuhn endet.

Zeit Geschichte zu schreiben

Wer schreibt 2016 in Frankreich die Schweizer Geschichten? Und werden es wieder tragische sein? Heute geht es endlich los. Gleich mit Schweiz - Albanien, dem «Duell der Freunde» wie es Xherdan Shaqiri nennt.

Es ist die erste Möglichkeit, die trübe Schweizer EM-Bilanz zu schönen. In acht Versuchen gab es nie einen Sieg, wenn es um etwas ging.

Das 2:0 gegen Portugal zum Abschluss der Heim-EM kam zustande, als das Ausscheiden schon Tatsache war.

Auch Nationaltrainer Petkovic erinnert gerne an diese Schweizer Vergangenheit. Es ist sein Hinweis darauf, wie schwierig Erfolg an einer EM zu realisieren ist. Zumindest früher war das so. Nun ist die Zeit aber reif, die Gruppenphase zu überstehen.

Tragischer Held 2008: Alex Frei

Tragischer Held 2008: Alex Frei

Mindestens. Weil die EM mittlerweile auf 24 Teams aufgebläht ist und 16 davon in den Achtelfinal dürfen, bedeutet das: Das frühestmögliche Ausscheiden wäre für dieses Schweizer Team eine riesige Enttäuschung. Und vor allem ein gewaltiger Rückschritt.

Auch wenn Rumänien und Albanien vielleicht schwieriger zu besiegen sind, als man denken könnte. Frankreich scheint als Gruppensieger sowieso gesetzt.

Trotzdem: Damit die EM ein schöner Erfolg wird, sollte die Schweiz den nächsten Schritt tun. Heisst: sich für den Viertelfinal zu qualifizieren.

Das Talent dafür ist zweifellos vorhanden. Die Frage ist nur, ob die Schweizer wirklich so gut sind, wie sie selbst denken.

Eine Besinnung zu alten Stärken würde kaum schaden. Eine Schweizer Auswahl, wie talentiert sie auch immer ist, kann nur als leidenschaftliche Einheit Erfolg haben.

Gefordert ist an erster Stelle der Trainer

Selten waren rund um eine Schweizer Nationalmannschaft die Wahrnehmung von aussen und jene innerhalb des Teams weiter voneinander entfernt als im letzten halben Jahr.

Wer die trägen Auftritte in der EM-Qualifikation und die Testspiele im März sah, kam zum Schluss: Dieses Team ist krank. Spieler und Trainer argumentieren, sie seien Wettkampftypen.

Nicht grad wie die Deutschen, aber eben doch so, dass Auftritte wie gegen Irland und Bosnien nichts über ihr wahres Gesicht aussagten.

An der EM müssen sie dafür den Beweis antreten. Für einmal sind die Erwartungen der Spieler an sich selber grösser als jene der Fans.

Die Mannschaft steht nun in der Bringschuld. Einfach so auf Knopfdruck wird die Euphorie jedenfalls nicht neu entfacht.

Gökhan Inler hat die letzte Saison als Captain angefangen. Jetzt ist er nicht mehr dabei. Das ist richtig, weil er bei Leicester fast nie spielte.

Es ist Chance und Pflicht für Granit Xhaka, endlich zu zeigen, dass er auch im Nationalteam fähig ist, eine Mannschaft auf dem Platz zu führen. Zu zeigen, warum Arsenal für ihn 50 Millionen Franken bezahlte. Xhaka kann der wichtigste Einzelspieler dieses Teams werden. Im Moment ist es – trotz allem – immer noch Xherdan Shaqiri.

Der 24-Jährige ist eines immer: total unberechenbar. Er kann zum «petit prince» werden, der die Schweiz triumphal durchs Turnier führt. Aber er kann auch zum Ärgernis werden, der das Team in den Abgrund führt mit seinen Allüren. Fakt ist: Mit seiner Lust, aber eben auch mit seinen Launen kann er diese Mannschaft prägen.

Problemzonen Sturm und Abwehr

Die grössten Probleme dieses Schweizer Teams finden sich ganz vorne und in der Verteidigung. Die Stürmer haben allesamt eine schwierige Saison hinter sich. Seferovic, Mehmedi, Embolo und Shaqiri haben gemeinsam in 177 Spielen (Klub und Nationalteam) nur 32 Treffer erzielt. Das sind 0,18 Tore pro Stürmerspiel. Zum Vergleich: Die Franzosen Giroud, Griezmann und Payet kommen auf 0,47 Tore pro Stürmerspiel. Die Sehnsucht nach einem Torjäger wie Alex Frei geht weiter.

Noch gravierender scheinen die Mängel in der Innenverteidigung. Johan Djourou ist als Patron gesetzt. Aber ist er wirklich fit? Er litt während langer Zeit am Pfeifferschen Drüsenfieber. Und noch immer hat er zu viele Aussetzer in seinem Spiel. Als Partner darf sich Fabian Schär versuchen. Wie sehr ihn die schwierige Saison in Hoffenheim geprägt hat, muss sich ebenfalls weisen.

Vladimir Petkovic ist gefordert. Scheidet die Schweiz in der Vorrunde aus, sollte er zurücktreten.

Vladimir Petkovic ist gefordert. Scheidet die Schweiz in der Vorrunde aus, sollte er zurücktreten.

Gefordert ist aber an erster Stelle der Trainer. Petkovic steht vor seiner grössten Aufgabe der Karriere. Er ist als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld angetreten, um das Team spielerisch weiterzuentwickeln.

War Petkovic damit erfolgreich? Eher nicht. Ist er damit gescheitert? Auch nicht. Seine Arbeit kann erst jetzt an der EM bewertet werden.

In Frankreich muss sich zeigen, ob die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Petkovic bis Ende 2017 gerechtfertigt war.

Hitzfeld hat nach der WM einmal gesagt: In der Krise, da trennt sich die Spreu vom Weizen. Er hat es geschafft, die Schweiz an der WM 2014 nach dem Debakel gegen Frankreich wieder aufzurichten. Bis zum heroisch verlorenen Achtelfinal gegen Argentinien.

Die Frage ist auch: Kann Petkovic Widerstände in einem Turnier bewältigen? Oder wittert er vorab Verschwörungen und verzettelt sich?

Wenn die Schweiz bereits in der Vorrunde ausscheidet, ist Petkovic gescheitert. Und muss die Konsequenzen ziehen. Am besten freiwillig.

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