1 Kambundji schneller als die Olympiasiegerin

Man kann nicht in jedem Rennen eine Schallmauer durchbrechen. Aber manchmal schmecken Siege trotzdem besonders süss. Fünf Tage, nachdem Sprinterin Mujinga Kambundji an den Schweizer Meisterschaften erstmals in ihrer Karriere unter elf Sekunden blieb (10,95), kam sie bei der Gala dei Castelli in Bellinzona nicht mehr ganz an diese Zeit heran. Vollkommen egal, wenn man nach den 100 Metern trotzdem als Siegerin ins Ziel läuft. Und schnurzegal, wenn man dabei die zweifache Olympiasiegerin und Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser-Pryce aus Jamaika hinter sich lässt.

Auf den letzten Metern drehte die Berner EM-Hoffnung so richtig auf und überholte die überraschte Favoritin. «Siege sind auch sehr wichtig», sagte Kambundji nach ihrem Lauf, «und ich habe in dieser Saison doch einige Rennen gewonnen». Die Bernerin muss sich punkto Form und Selbstvertrauen keine Sorgen machen. Die EM kann kommen. Die Gewissheit, bisher an Grossanlässen immer in Bestform angetreten zu sein, lässt Mujinga Kambundji erst recht gut schlafen. «Nach dem Rekord war ich höllenkaputt. Auch mental kostete es mich viel Kraft.»

2 Wilson langsamer als Kambundji

Alex Wilson (l.)

       

Alex Wilson ist immer für eine Überraschung gut. Aber nicht immer ist es eine Positive. In Bellinzona enttäuschte der Schweizer Rekordhalter über 100 m auf der ganzen Linie. Bereits nach einem Drittel der Distanz lag der Basler abgeschlagen an letzter Stelle des Klassefelds. Demonstrativ joggte Wilson ins Ziel.

Dort notierte man für ihn 11,17 - vier Hundertstelsekunden langsamer als Mujinga Kambundji bei den Frauen. Einen ähnlich schwachen Auftritt lieferte Altstar Asafa Powell ab. Seine 10,44 reichten gerade mal zu Platz drei im B-Rennen.

3 Wanders löscht eine schlechte Erinnerung

Julien Wanders (Mitte)

     

Vor einem Jahr war das grosse Schweizer Langstreckentalent Julien Wanders in Bellinzona am Boden zerstört. Er scheiterte grandios bei der letzten Chance, die WM-Limite über 5000 m zu erreichen. «Ich bin in jedem Training schneller als heute», sagte er damals.

Nun kann der Genfer diese Erinnerung abhaken. Gestern hielt er über 3000 m bis fast ganz am Schluss mit dem afrikanischen Schnellzug mit und pulverisierte als bester Europäer mit 7:50,35 seine bisherige Bestmarke um 27 Sekunden. Der begnadete Strassenläufer ist definitiv auf der Bahn angekommen.

4 Sprunger und die grosse Knacknuss

Lea Sprunger

   

An den Schweizer Meisterschaften erlebte man eine frustrierte Lea Sprunger. Sie erreicht derzeit über ihre Paradedisziplin 400 m Hürden einfach nicht jene Zeiten, die sie sich vorstellt und die sie definitiv zur Favoritin für die EM in Berlin stempeln würden. Nun setzte es auch in Bellinzona über 400 m flach eine leise Enttäuschung ab.

Als Dritte, geschlagen von zwei Europäerinnen, blieb sie in 51,36 mehr als acht Zehntelsekunden hinter ihrem vor 18 Tagen gelaufenen Schweizer Rekord. Als Knacknuss für sie bleibt die Entscheidung, ob sie sich an der EM beide Rennen zutraut.

5 Schlumpf und die grosse Zuversicht

Fabienne Schlumpf

      

Die gross gewachsene Zürcher Hindernis-Spezialistin Fabienne Schlumpf hatte nicht jenen Einstand in die Saison, den man sich wünscht. Wegen einer hartnäckigen Sehnenentzündung im Bein musste sie wochenlang alternativ trainieren. Ihr erstes Rennen bestritt sie am 30. Juni in Paris. Dort fiel auf Anhieb die EM-Limite über 3000 m Steeple.

In Bellinzona nun fiel die persönliche Bestzeit über 5000 m und zwar gleich um 24 Sekunden (15:23,44). «Ich habe das so von mir erwartet. Ich blieb stets zuversichtlich, dass die Form bis zur EM kommt». Schlumpf behielt recht.