Wo er hinkommt, dreht sich alles um ihn. Um sein Training nicht beeinträchtigen zu lassen, achten Usain Bolt und seine Vertrauten darauf, die öffentlichen Auftritte zu dosieren. Nachdem er am Wochenende in Paris seinen 26. Geburtstag vom Dienstag vorgefeiert hatte, warteten in Lausanne neben einem Helikopter-Flug über die Alpen dennoch einige Sponsoren- und Medientermine auf den dreifachen Olympiasieger von London. Heute bestreitet Bolt am Diamond-League-Meeting Athletissima über 200 m seinen ersten Wettkampf seit den Olympischen Spielen.

Usain Bolt, der Rummel um Sie ist nach den Olympischen Spielen so gross wie noch nie. Fühlen Sie sich wie im richtigen Leben oder eher wie in einem Film?

Usain Bolt: Das ist mein Leben. Es stimmt zwar, dass im Moment etwas mehr los ist als üblich, aber ich versuche, alles so normal wie möglich zu machen.

Nach Ihrem Erfolg in London haben Sie sich selber zur lebenden Legende erklärt. Was hat sich dadurch für Sie geändert?

Es war mein Ziel, für diese Saison, zur Legende zu werden. Und dieses Ziel habe ich in London erreicht. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet, deshalb geniesse ich es jetzt umso mehr.

Für den Ausdruck «Legende» wurden Sie von verschiedenen Seiten kritisiert. Bereuen Sie es, sich so ausgedrückt zu haben?

Keinesfalls, und ich wiederhole es gern noch einmal. Ich bin der Meinung, dass ich an den Olympischen Spielen mein Ziel erreicht habe, zur Legende zu werden. Es ist seltsam: Als ich vor vier Jahren in Peking drei Goldmedaillen gewann, wurde mir von allen Seiten gesagt, nun sei ich eine Legende. Ich sagte immer: Nein, noch nicht. Nachdem ich jetzt in London nachgedoppelt habe, will man mir diesen Status nicht zugestehen. Aber mir ist das egal. Ich will niemandem vorschreiben, was er über mich zu denken hat.

In Lausanne treten Sie über 200 m an – auf einer sehr schnellen Bahn. Ist heute gar der Weltrekord in Gefahr?

Das glaube ich nicht. Ich versuche einfach, den Fans eine gute Show zu bieten und meine Saison noch so gut wie möglich abzuschliessen. Die Bahn gefällt mir aber tatsächlich: Ich laufe in Lausanne am liebsten über 200 m, weil der Kurvenradius weiter ist als in den meisten anderen Stadien. Man muss kaum in die Kurve liegen, sondern kann fast aufrecht durchziehen.

Was für Ziele haben Sie noch für diese Saison?

Ich will sie verletzungsfrei beenden, damit ich optimal in die Vorbereitung für die nächste Saison starten kann.

Sie denken bereits an die nächste Saison. Sind Ihnen nicht etwas die Ziele ausgegangen?

Ich werde keine Mühe haben, neue Ziele zu finden. Nächstes Jahr gibt es mit den Weltmeisterschaften in Moskau bereits wieder einen Höhepunkt.

Ist ein Disziplinenwechsel für Sie ein Thema?

Mein Coach liegt mir schon lange damit in den Ohren, es mit dem 400-m-Lauf zu versuchen. Aber das kommt für mich nicht infrage. Wenn schon, dann denke ich eher an den Weitsprung.

Wie Ihr Trainingspartner Yohan Blake haben Sie Angebote erhalten, im Winter in der australischen Liga Cricket zu spielen. Können Sie sich das vorstellen?

Kaum. Ich müsste ziemlich viel trainieren, ich habe schon lange nicht mehr gespielt.

Sie sind nun schon seit Wochen in Europa unterwegs. Was vermissen Sie am meisten an Jamaika?

Die Sonne bringe ich glücklicherweise immer mit mir, wenn ich unterwegs bin … Am meisten vermisse ich es, in meinem Bett zu liegen. Und meine ganze Familie wieder einmal zu sehen. Meine Eltern waren ja auch in London dabei, meine Mutter hat mich sogar nach Paris begleitet.

Sie betonen immer wieder, wie wichtig Ihnen die Familie ist. Wann gründen Sie Ihre eigene?

Ich kann es kaum erwarten, Kinder zu haben. Aber zuerst muss ich die richtige Frau dazu finden.