Wer die neuen Sünder sind, gibt das IOC erst nach Abschluss des ordentlichen Verfahrens bekannt. Da alle Proben russischer Olympia-Athleten im Zuge der Aufarbeitung der Staatsdoping-Affäre bereits nachkontrolliert wurden (21 positive Fälle), stammen die neuen Betrüger diesmal nicht aus Putins Reich.

Im Fokus stehen Athleten aus dem Einzugsgebiet der ehemaligen Sowjetunion. Zu den bereits 24 erwischten Betrügern aus Teilstaaten der früheren UdSSR kommt mindestens eine Olympionikin dazu. Eine der acht neu gefundenen positiven Proben gehört der heute 33-jährigen kasachischen Hürdensprinterin Natalya Ivoninskaya. Die unabhängige Dopingabteilung des internationalen Leichtathletikverbandes hat als bisher erster Sportverband ihre Gepflogenheiten im Umgang mit Dopingfällen geändert. Sie gibt den Namen des Sünders bereits bei Vorliegen einer positiven Probe und nicht wie bisher erst nach Beendigung des Verfahrens bekannt.

Entscheidende Fortschritte

Die Nachanalyse von aufbewahrten Dopingproben, die beim Anlass als sauber taxiert wurden, bietet die derzeit grösste Chance, gedopte Athleten zu überführen. Sie werden mit modernster Methoden nochmals geprüft. Besonders bei anabolen Steroiden wurden in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte bei den Messverfahren gemacht.

Erstmals übernimmt die in diesem Jahr gegründete internationale Testagentur (ITA) im Auftrag des IOC das Resultatmanagement der Nachkontrollen. Diese werden in der Schweiz im Anti-Doping-Labor von Lausanne ausgewertet. Bisher mussten solche Proben spätestens acht Jahre nach dem Anlass analysiert werden, seit 2015 gilt ein Zeitfenster von zehn Jahren.

Ihre Premiere erlebten die Nachkontrollen bei Proben von den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen – mit überschaubarem Erfolg von fünf nachträglich erwischten Dopern. 2008 in Peking blieben auf diese Weise bereits 65 Athleten hängen. Nun ist London 2012 nicht mehr weit von einem neuen Rekord entfernt.