Bei störendem Gegenwind von 1,7 m/s aber wohltuender Wärme blieb Mujinga Kambundji in 22,76 Sekunden bloss 4 Hundertstel über ihrer Saisonbestzeit, die sie vor knapp drei Wochen in Schanghai aufgestellt hatte. Die Leistung der Bernerin ist hoch einzustufen. Die 25-Jährige trat gemessen an der persönlichen Bestzeit (22,42) bloss als Nummer 7 an. Allerdings bestand das Feld nicht aus übermächtigen Läuferinnen - die meisten Konkurrentinnen liegen in der Reichweite der Schweizerin.

Das Rennen gewann Marie-Josée Ta Lou (22,49), die im März an den Hallen-Weltmeisterschaften in Birmingham vor der Bronze-Frau Kambundji Silber gewonnen hatte. Ta Lou von der Elfenbeinküste, vor einem Jahr an den Weltmeisterschaften in London jeweils Zweite über 100 und 200 m, lief in Rom unmittelbar vor Kambundji. Die Schweizerin nutzte die Afrikanerin als Lokomotive und bog an Position 2 auf die Zielgeraden ein. Im Finish wurde sie noch von Ivet Lalova-Collio (BUL/22,64) auf den 3. Rang verdrängt.

"Dieses Rennen ist vor allem gut für das Selbstbewusstsein", betonte die Bernerin, die in Rom bereits zum dritten Mal in dieser Saison in der Diamond League antrat. "Ich bin Anfangs Saison besser drauf als auch schon", fügte sie an.

Kraft fehlte

Lea Sprunger eröffnete die Saison in ihrer Spezialdisziplin über 400 m Hürden mit einer Enttäuschung. In 56,36 Sekunden blieb die Westschweizerin rund 2 Sekunden über ihrer Bestzeit. Dies trug der WM-Fünften von London 2017 in einem Weltklasse-Feld, das die Amerikanerin Georganne Moline in 53,97 Sekunden meisterte, den 8. Rang ein.

Die 28-jährige Sprunger hatte eine tiefe 55er-Zeit angestrebt. Nach einem ansehnlichen Start passte bei der Europameisterschafts-Dritten von Amsterdam 2016 nicht mehr viel zusammen. Auf der Zielgeraden, wo die Athletin in der Regel ihre Stärke ausspielt, stimmte die Distanz zu den Hürden nicht. Zudem war auch Sprungers Endspurt schwach.

"Das war ein schlechter Tag. Ich muss nun das Rennen analysieren, aber dann schnell vergessen", betonte die Schweizerin. Sie habe ab der sechsten Hürde den Rhythmus komplett verloren, wohl auch, weil die Kräfte nicht gereicht hätten. "Meine Beine waren ab 200 m nicht mehr da. Dabei hatte ich beim Einlaufen noch gut gefühlt", sagte die Schweizer Rekordhalterin über 200 und 400 m.

Auch Kariem Hussein hatte ursprünglich einen Start in Rom geplant. Doch der Europameister von Zürich 2014 betreibt derzeit ein Alternativtraining. Der Ischiasnerv macht ihm zu schaffen. Anfang Mai hatte Hussein in Doha seine Saison in der Diamond League mit schwachen 51,40 Sekunden über 400 m Hürden eröffnet. Das anschliessende Trainingslager in der Türkei musste er nach wenigen Tagen abbrechen. Der angehende Arzt wird frühestens in einem Monat wettkampfmässig auf die Bahn zurückkehren.