Konstante Topleistungen

«Mir hilft es, unter Druck zu stehen» – Sprinterin Mujinga Kambundji will ihre Rekordform auch heute in Luzern unter Beweis stellen

Mujinga Kambundji zeigt sich bei der Pressekonferenz auf dem Bürgenstock vor dem Meeting in Luzern gut gelaunt.

Mujinga Kambundji zeigt sich bei der Pressekonferenz auf dem Bürgenstock vor dem Meeting in Luzern gut gelaunt.

Links von Mujinga Kambundji sitzen nur Olympiasieger. Der Referent an der Pressekonferenz für das erstklassig besetzte Meeting von Luzern klotzt mit Komplimenten und stellt die Berner Sprinterin als «möglicherweise künftige Olympiasiegerin» vor.

 Die 26-Jährige lächelt verlegen. Sie weiss ihre Aussichten realistisch einzuschätzen. Diese sind für eine Schweizer Leichtathletin noch immer verlockend genug.

Mujinga Kambundji ist die Strahlefrau der Schweizer Leichtathletik. Bewegen Sie sich stets lachend durchs Leben?

Mujinga Kambundji: Ich versuche es (lacht). Ich war schon immer eher der fröhliche Typ. Natürlich habe auch ich meine Momente, in denen ich nicht am Lachen bin. Wenn es im Training besonders hart ist oder im letzten Winter mit den schwierigen Situationen rund um meine Trainingsbetreuung. Da war mir nicht immer zum Lachen zumute. Grundsätzlich macht mir das Leben als Sportlerin aber viel Spass und ist interessant. Also kein Grund, nicht zufrieden zu sein.

Bei welchen Themen werden Sie nachdenklich?

Bei tragischen Sachen wie Naturkatastrophen oder bei Dingen, die sich zum Schlechten entwickeln. Wo man die Möglichkeit hätte, etwas daran zu ändern, dies aber nicht tut. Probleme, bei denen die Welt nur zuschaut, stimmen mich nachdenklich.

Denken Sie an etwas Bestimmtes?

Nein, solche Beispiele passieren immer wieder und man denkt sich, dass die Menschheit doch daraus ihre Lehren ziehen sollte und es beim nächsten Mal besser machen sollte. Und doch geschieht dies nicht.

Kommen wir zur Leichtathletik: Doppelstart in Lausanne, heute Doppelstart in Luzern, Schweizer Meisterschaften in Zofingen, Meeting in Bellinzona und dann Diamond-League in Monaco. Alles innerhalb von 16 Tagen. Sie muten sich vor der EM ein ziemliches Programm zu?

Ja, aber ich wollte wirklich keine dieser Gelegenheiten auslassen. Es wäre viel zu schade, nicht nach Lausanne, nach Luzern, nach Bellinzona und nach Monaco zu gehen. Ich habe bereits zum Saisoneinstieg einen Block mit vielen Wettkämpfen gemacht und gesehen, dass es funktioniert. Ich kann diesmal zwischen den Meetings sogar immer wieder nach Hause gehen. Ich finde die vielen Wettkämpfe auch deshalb cool, weil ich in dieser Zeit etwas weniger trainieren muss (lacht).

Welche Bedeutung haben die in Lausanne gelaufenen 11,03 für Sie?

Eine sehr grosse Bedeutung. Den bisherigen Rekord von 11,07 lief ich vor drei Jahren. Im letzten Jahr kam die Konstanz erst gegen Ende der Saison. Ich wusste vor Lausanne, dass ich eine neue Bestzeit in den Beinen habe. Es ist sehr, sehr positiv, dass mir diese Leistung bereits Mitte Saison und in einem noch nicht optimalen Rennen gelang.

Dann geht es in Luzern noch schneller?

Ich hoffe es. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich noch schneller laufen kann.

Die magische Marke ist eine Zeit unter elf Sekunden. Wie präsent ist dieses Thema in Ihrem Kopf?

Es ist da. Es sprechen mich halt immer alle Leute darauf an. Ich versuche aber im Wettkampf gar nicht daran zu denken. Ich gehe nicht an den Start mit einer bestimmten Zeit im Kopf. Ich möchte den bestmöglichen Lauf zeigen und möglichst viele Konkurrentinnen hinter mir lassen. Mit einem guten Lauf kommt die gute Zeit automatisch. Ich weiss, dass es für mich möglich ist. Irgendeinmal wird diese Marke fallen.

Jetzt wird man ja nicht Sprinterin mit dem Ziel, mindestens 10,99 zu schaffen. Seit wann ist diese Marke für Sie reell?

Das erste Mal, dass ich an eine tiefe 11er-Zeit gedacht habe, war 2014. Und als ich 2015 die 11,07 lief, dachte ich «cool, das ist jetzt schon recht nahe dran». Doch damals war es ein einzelnes Rennen in Höchstform und ich hatte noch nicht das Niveau, um konstant solche Zeiten zu laufen. Als es in den letzten zwei Jahren nicht mehr so vorwärtsging, musste ich diese Entscheidungen für meine Karriere fällen, um am Ziel dranzubleiben.

Sie sprechen die Trainersituation an?

Ja. Es hat mir aber sehr geholfen, dass ich im Herbst auf mein Gefühl gehört habe. Ich dachte schon länger, dass ich im Training etwas mehr Läufe und dafür etwas weniger Krafttraining machen sollte. Im Herbst kam der Moment, in dem ich mich entschied, diesen Schritt zu tun und mich vom bisherigen Trainer zu trennen. Und es war richtig, auf das eigene Gefühl zu hören.

Was hat sich konkret geändert?

Ich habe im Krafttraining etwas zurückgesteckt. Dadurch habe ich etwas an Gewicht verloren, ohne das Gefühl zu haben, dadurch weniger Kraft zu besitzen. Ich habe vielmehr an Masse verloren. Und das kommt mir entgegen, im Rennen weniger Masse mitzuschleppen (lacht).

Eine Zeit unter elf Sekunden ist nur ein Ziel, das eine Athletin hat. Welches sind die weiteren?

Das Ziel einer internationalen Medaille habe ich an der Hallen-WM geschafft. Ein weiteres grosses Ziel ist die Finalteilnahme an Olympischen Spielen oder einer WM. Man will als Sportlerin natürlich immer gewinnen. Ein Titel wäre schon eine Riesensache. Aber ich kann nicht sagen, dass ich unzufrieden wäre, wenn ich in meiner Karriere nie einen Titel hole.

Sie sind ein Wettkampftyp, der oft bei den grossen Rennen die beste Leistung zeigt, während andere genau dort verkrampfen. Haben Sie Nerven wie Drahtseile?

Ich habe diese Fähigkeit schon seit jungen Jahren. Mir helfen die
Anspannung und Nervosität. Das Gefühl «jetzt oder nie»; zu wissen, dass ich es in diesem Moment bringen muss, wirkt bei mir als Motivation. Das war schon in der Schule so.

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