Leichtathletik
Lisa Urech sprintet allen Zweifeln davon

Die Emmentaler Hürdensprinterin Lisa Urech setzt sich gegen die hochkarätige Konkurrenz in Luzern durch. Die Thuner Stabspringerin Anna Katharina Schmid löste das Ticket für die Weltmeisterschaften in Daegu.

Stefan Klinger, Luzern
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Hürdensprinterin Lisa Urech bejubelt ihren Sieg in Luzern.

Hürdensprinterin Lisa Urech bejubelt ihren Sieg in Luzern.

Keystone

Das Luzerner Meeting war eine stimmungsvolle Premiere der neuen Anlage vor 6500 Fans – und für Lisa Urech ein wichtiger Schritt in eine erfolgreiche Zukunft. Die kniffligste Entscheidung rund um das Luzerner Meeting muss Lisa Urech in den kommenden Tagen erst noch treffen. Denn mit der Frage, ob sie den für den Sieg im 100-Meter-Hürdensprint ausgelobten knapp 2000 Franken teuren Diamanten nimmt oder das Preisgeld einsackt, hatte sie sich angesichts der namhaften Konkurrenz bis gestern Abend schlichtweg nicht beschäftigt. Doch dann knallte um 19.47 Uhr der Startschuss, und die junge Frau aus Langnau im Emmental, die am Mittwoch 22 Jahre alt wird, sprintete allen davon. 12,94 Sekunden, Platz eins. «Mein Ziel war es, hier super zu laufen – und das ist mir gelungen», freute sich Urech.

Anders als noch am vergangenen Wochenende bei der U-23-EM im tschechischen Ostrava war Urech im Duell gegen die amtierende Weltmeisterin, die amtierende Europameisterin und die aktuelle Vize-Europameisterin diesmal nicht als Favoritin angetreten. Und das wirkte sich für Urech, die in Ostrava erstmals als Topfavoritin angetreten und damit nicht so ganz zurecht gekommen war, positiv aus. «Ich bin echt froh, dass ich wieder zu meinem alten Ich gefunden habe und dass in der Vorbereitung auf den Wettkampf alles wieder so gut wie früher gelaufen war», sagte Urech, «heute sind meine Beine und mein Kopf wieder parat gewesen für den Wettkampf.»

Enorm wichtiger Sieg

Der Sieg war für Lisa Urech ein emotionaler, wunderschöner, weil für sie die Rennen in der Heimat eben immer eine ganz besondere Bedeutung haben. Der Sieg war aber vor allem ein verdammt wichtiger. Denn die Gefahr, dass die junge Athletin nach dem Rückschlag an der U-23-EM in eine Negativspirale gerät, ist gebannt. Nur wenige Tage nach dem herben Dämpfer hat es sich Urech, die sich die Videos der Rennen in Ostrava vor lauter Enttäuschung noch immer nicht angeschaut hat, bewiesen, dass sie sehr wohl das Format besitzt, um jederzeit unter 13 Sekunden laufen zu können. Zwar hatte ihr Trainer Sven Rees Urech vor dem Rennen klargemacht, dass ihre zuletzt so starke Form nicht binnen weniger Tage völlig weg sein könnte und dass diese Leistungsschwankungen in ihrem Alter normal seien – der gestrige Sieg macht es für sie aber um einiges leichter, das auch zu glauben. Eine gute Voraussetzung für die kommenden Aufgaben Schweizer Meisterschaft (Anfang August in Basel) und Weltmeisterschaft (Ende August in Südkorea).

Schweizer Hammerwurfrekord

Während der US-Amerikaner Walter Dix über 200 Meter in 20,02 Sekunden ebenso einen neuen Meetingrekord aufstellte, wie der Mexikaner Juan Luis Barrios in 7:42,82 Minuten über 3000 Meter und der zweimalige Olympiasieger Andreas Thorkildsen seiner Favoritenrolle im Speerwerfen gerecht wurde, gab es den zweiten Schweizer Höhepunkt bereits im Vorprogramm. Hammerwerferin Lydia Wehrli (Stade Genève) verbesserte den von der Luzernerin Nicole Zihlmann am Pfingstmontag aufgestellten Schweizer Rekord um acht Zentimeter auf 60,06 Meter. «Eigentlich hatte ich es mir in diesem Jahr noch nicht zugetraut, über 60 Meter zu werfen», freute sich die 21-Jährige, die seit Oktober in Frankfurt lebt und dort in einer Gruppe mit der deutschen Vize-Weltmeisterin Betty Heidler trainiert.

Neben Urech und Wehrli gab es gestern Abend noch für eine dritte 21-jährige Schweizerin Grund zum Jubeln. Die Thuner Stabhochspringerin Anna Katharina Schmid verbesserte mit 4,40 Metern ihre Bestmarke um fünf Zentimeter und wurde damit Zweite hinter der US-Amerikanerin Mary Saxer, die ebenfalls 4,40 m übersprungen hatte, dabei aber weniger Fehlversuche verzeichnete. Schmid erfüllte mit ihrem starken Auftritt die B-Limite für die WM in Daegu.

WM-Medaille für Urech möglich?

Das WM-Ticket hat Lisa Urech schon seit Wochen sicher. Gestern Abend hat sie dafür das bewiesen, was sie in dieser Saison schon angedeutet hat – eine WM-Medaille ist für sie an einem perfekten Tag nicht völlig unrealistisch.

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