Hägendorf

Er ist bereits seit 60 Jahren dabei und bleibt für immer ein Leichtathlet

Ruedi Oegerli entschied den mitternächtlichen 100-Meter-Lauf beim Länderkampf von 1963 im Olympiastadion von Athen für sich.

Ruedi Oegerli entschied den mitternächtlichen 100-Meter-Lauf beim Länderkampf von 1963 im Olympiastadion von Athen für sich.

Ob als hoch talentierter Sprinter in seiner Jugendzeit oder als Funktionär nach seiner Aktivkarriere, die Leichtathletik nahm im Leben von Ruedi Oegerli aus Hägendorf schon immer einen ganz besonderen Platz ein.

«Leichtathletik ist meine Passion.» Floskeln wie diese mögen aus dem Mund von manch einem wie eine masslose Übertreibung klingen. Wenn sich einer aber seit 60 Jahren so intensiv mit der Leichtathletik beschäftigt wie Ruedi Oegerli aus Hägendorf, dann glaubt man ihm aufs Wort. Erst recht, wenn man einmal miterleben durfte, mit welcher Leidenschaft Ruedi Oegerli über die Leichtathletik zu berichten weiss. Restlos überzeugt ist man spätestens dann, wenn man sich die Liste der ehrenamtlichen Funktionen anschaut, die Oegerli für den Schweizerischen Leichtathletikverband bereits übernommen hat.

Ihren Anfang nahm die gemeinsame Geschichte von der Leichtathletik und Ruedi Oegerli in dessen Jugendjahren. Früh schon erkannte man sein Talent für die Sprintdisziplinen. Oegerli war ein geborener 100- und 200-Meter-Läufer. Wenns dann einmal sein musste, stand er auch über die 400 Meter am Start. Mit seinen persönlichen Bestleistungen von 10,4 Sekunden über 100 Meter und 21,2 Sekunden über 200 Meter wäre Oegerli auch heute noch einer der Schnellsten in der Schweiz. Dies trotz der enormen material- und trainingstechnischen Fortschritte, welche die Leichtathletik in den letzten Jahrzehnten durchlebte.

Während seiner rund zehnjährigen Zeit als Hochleistungssportler erlebte Oegerli zahlreiche Höhepunkte: In den Farben des BTV Aarau durfte er sich im Jahr 1968 über den 200-Meter-Schweizer-Meister-Titel freuen. Zudem lief er als Mitglied der 4x100-Meter-Nationalstaffel insgesamt fünfmal Schweizer Rekord und bestritt zahlreiche internationale Wettkämpfe, unter anderem die Europameisterschaft 1966 in Budapest, die Universiade und nicht weniger als 37 Länderkämpfe. Der Länderkampf von 1963 in Athen blieb Oegerli ganz speziell in Erinnerung: «Wir starteten im alten Olympiastadion, und zwar von 23.30 bis 2.30 Uhr, sonst wäre es zu heiss gewesen. Bei diesem Wettkampf gewann ich den 100-Meter-Lauf. Das war für mich eine ganz besondere Genugtuung, weil ich nur drei Tage zuvor als Topfavorit bei den Schweizer Meisterschaften angetreten war und nur Zweiter wurde.»

Trotz all seiner Erfolge durfte Oegerli nie an den Olympischen Spielen mittun. Für drei Teilnahmen hätte der Sprinter die geforderten Richtwerte erreicht, doch dreimal machte ihm der Schweizerische Olympische Verband einen Strich durch die Rechnung. «Ich wurde am grünen Tisch ausgejasst. So etwas wäre heute nicht mehr möglich.»

Trotz dieser dreimaligen Nicht-Selektion war für Oegerli auch nach dessen Aktivkarriere klar, dass er sich weiterhin für die Leichtathletik engagieren wolle: «Leichtathlet zu sein, ist eine Lebensphilosophie. Das bist du immer, nicht nur als Aktiver, sondern auch nachher.» Ganz nach diesem Motto amtierte Oegerli während 20 Jahren als Nationaltrainer für Kurzstrecken- und Hürdenlauf. Im Rahmen dieser Aufgabe durfte er – man kann es als kleinen Akt der Versöhnung ansehen – 1984 an den Olympischen Spielen von Los Angeles dabei sein. Nach seinem Engagement als Nationaltrainer wurde der damalige Kantonsschullehrer in den Zentralvorstand des Schweizerischen Leichtathletikverbands gewählt und wurde dort zum Ausbildungschef. Jahre später wechselte er wieder auf die operative Ebene und engagierte sich in der Trainerausbildung. Als er dann abermals auf der strategischen Ebene gebraucht wurde, übernahm er die Verantwortung für den Leistungssport innerhalb des Schweizerischen Leichtathletikverbands.

In den letzten Jahren ist Oegerli etwas kürzergetreten. Heute arbeitet der Hägendörfer noch einen Tag in der Woche für Swiss Athletics, wo er für die oberste Trainerausbildung zuständig ist. Sonst geniesst er die Pension als begeisterter Wanderer und Ausdauersportler. Doch vollständig auf die Leichtathletik verzichten will Oegerli auch heute nicht: «Solange es mir noch Spass macht und ich für den Verband noch von Nutzen bin, mache ich weiter.»

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