Spritzensport
Dopingkontrollen: Neu werden die Steine umgedreht

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
Merken
Drucken
Teilen

AZ

Dopingskandale im Sport häufen sich. Der staatlich gelenkte russische Betrug strahlt aus. Etwa auf den Internationalen Biathlon-Verband (IBU), der sich im April mit einer gross angelegten Razzia der österreichischen Polizei und von Interpol konfrontiert sah. Der norwegische Präsident und die deutsche Generalsekretärin mussten abdanken. Sie stehen unter Verdacht, einen auf Magier David Copperfield gemacht und gegen grosszügige Entlöhnung russische Dopingproben zum Verschwinden gebracht zu haben. Es soll auch gegen zehn russische Athleten und Funktionäre ermittelt werden, eine norwegische Zeitung schrieb von 65 verheimlichter Proben seit 2011. Bis zur Aufklärung wird es Monate dauern.

Das neuste Beispiel aus Rumänien zeigt, dass nicht nur in Russland die Strategie angewandt wurde, ein Antidoping-Labor zu manipulieren. Der Ort, wo Doping eigentlich ermittelt und nicht vertuscht werden sollte, hat in der Kontrollkette eine elementare Bedeutung. Mögen die Verfehlungen des früheren Laborchefs mit erwiesener Manipulation von Proben zweier rumänischer Ringer im Kontext marginal erscheinen, der Ort des Verbrechens macht diesen Fall für die Wada dennoch bedeutend.

Die Häufung dieser Fälle beruht nicht per se auf eine immer korruptere Sportwelt. Sie ist vielmehr eine Folge davon, dass die Welt-Antidoping-Agentur seit gut zwei Jahren eigene Ermittlungsmöglichkeiten hat. Unter der Leitung des deutschen Kriminalpolizisten Günter Younger kümmern sich sieben Personen um Meldungen von Whistleblowern und andere Hinweise. Angesichts vieler Dopingfälle, die in einem Netzwerk und nicht isoliert funktionieren, eine notwendige Investition der Dopingjäger. Neu werden die Steine umgedreht und unter die Oberfläche geschaut. Bald soll Youngers Abteilung auf zehn Personen aufgestockt werden, um die bisher 320 Meldungen überhaupt bewältigen zu können.

Youngers Abteilung ermittelt vollkommen autark, selbst die Führung der Wada erfährt erst nach Abschluss der Untersuchungen davon. An acht Fällen ist sein Team derzeit dran. Viel Aufwand gibt nach wie vor die Auswertung der Datenbank (LIMS) aus dem Moskauer Antidoping-Labor. 9000 Proben werden in Absprache mit den Sportverbänden auf Auffälligkeiten geprüft. Auch Biathlon beschäftigt die Wada-Ermittler weiterhin. Aktuell hilft man der Polizei bei der Einschätzung der beschlagnahmten Gegenstände und Daten der IBU. Die Arbeit wird Günter Younger nicht ausgehen. Dafür sorgen schon nur 45 neue Meldungen von Whistleblowern seit Anfang Jahr.