Leichtathletik
Auf das EM-Fest folgt bei Swiss Athletics die Sparrunde

Swiss Athletics will den Schwung der Europameisterschaften in Zürich in die Zukunft mitnehmen. Dabei muss der Verband mit einem deutlich tieferen Budget auskommen als im letzten Jahr.

Simon Steiner, Bern
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An der EM holte Kariem Hussein Gold für die Schweiz - trotzdem muss der Verband künftig mit weniger Geld auskommen.

An der EM holte Kariem Hussein Gold für die Schweiz - trotzdem muss der Verband künftig mit weniger Geld auskommen.

Keystone

Die Schweizer Leichtathletik soll auch in den kommenden Jahren von der Dynamik profitieren, welche die Heim-Europameisterschaften vom vergangenen August ausgelöst haben. «Wir wollen den EM-Schwung nutzen», formuliert der neue Swiss-Athletics-Präsident Christoph Seiler das Ziel, das sich der neu zusammengesetzte Zentralvorstand des Verbandes «zuoberst auf die Fahnen geschrieben» hat.

Auf den ersten Blick scheinen die Voraussetzungen dafür günstig. Mit der EM als Zugpferd ist es den Schweizer Leichtathleten nicht nur gelungen, die Zahl der potenziellen Olympiateilnehmer vor allem bei den Frauen deutlich zu steigern. Nach mageren Jahren verfügt das Schweizer Team mit Kariem Hussein, Mujinga Kambundji oder Selina Büchel auch wieder über Topathleten, die zumindest auf europäischer Ebene konkurrenzfähig sind.

Gleichzeitig stehen Swiss Athletics weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als bisher. Seit 2011 hatte der Verband vom Bundesamt für Sport (Baspo) jährlich 600 000 Franken an Fördergeldern im Hinblick auf das EM-Projekt erhalten. Trotz sportlich erfolgreichen Titelkämpfen gelang es Swiss Athletics nicht, den Wegfall dieses Sonderbeitrags durch Sponsoren zu kompensieren.

Dynamik nicht verschwinden lassen

Die Kürzung des Budgets auf gut 5 Millionen Franken hatte unter anderem eine Reduktion des Trainerstabes zur Folge. «Dass der Verband diese Unterstützung nur bis zu den EM erhalten wurde, war von Beginn weg klar», sagt Seiler, der hauptberuflich für die Finanzen der Jungfraubahnen verantwortlich ist. «Dennoch gewöhnt man sich daran.»

Den EM-Schwung trotz weniger Geld zu nutzen, wird eine der Kernaufgaben von Peter Bohnenblust sein. Der Berner Unternehmensberater und ehemalige Mehrkämpfer im Nationalteam wurde gestern den Medien als neuer Geschäftsführer von Swiss Athletics vorgestellt. «Es darf nicht sein, dass die Dynamik rund um die EM nun einfach wieder verschwindet», sagt der 53-Jährige.

Verbandspräsident Seiler will primär in drei Bereichen ansetzen. Zum einen möchte er die Nachwuchsevents wie den erfolgreichen UBS Kids Cup noch besser zur Rekrutierung von Talenten nutzen. «Da besteht noch Potenzial», sagt der frühere Schweizer Meister im Marathon.

Leichtathletik besser verkaufen

Zweitens möchte Seiler, noch bis Ende Jahr OK-Chef des Jungfrau-Marathons, die blühende Runningszene mit steigenden Teilnehmerzahlen an Laufevents besser in den Verband einbinden. Und drittens strebt er eine attraktivere Präsentation der Leichtathletik an. «Wir verkaufen uns oft nicht gut genug.»

Ein wichtiger Part dürfte dabei den Topathleten zufallen. An den Weltmeisterschaften von Ende August in Peking, dem Höhepunkt der Saison 2015, will Swiss Athletics mit einem 15- bis 18-köpfigen Team vertreten sein.

Einen hohen Stellenwert misst Leistungssport-Chef Peter Haas aber auch den Grossanlässen im Nachwuchsbereich wie den U23-EM in Tallinn oder den U20-EM im schwedischen Eskilstuna zu. Daneben werden bereits die Olympischen Spiele 2016 in Rio zum Thema. Bereits haben sechs Athleten die Selektionslimite geschafft.

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