Der Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordhalter wollte aufs Tempo drücken. Davon war auszugehen, zumal er extra seinen Tempomacher Sammy Tangui, der in 49,5 Sekunden anlaufen sollte, im Feld unterbrachte. Der Pacemaker spulte die ersten 400 m in 51 Sekunden, gleichwohl klaffte eine Lücke zum Feld. Es entwickelte sich ein taktischer Lauf. Auch in Peking hatte Rudisha die bislang schnellere Konkurrenz in dieser Saison mit einer langsamen ersten Runde überrascht. Im Letzigrund vermochte er im Gegensatz zum Vogelnest das Blatt nicht mehr zu wenden. Als Vierter hinter Sieger Adam Kszczot (Pol/1:45,55) verpasste er sogar das Podest.

Rudisha gewann zwar in Peking Gold, nach seinen Knie- und Wadenproblemen in den Jahren 2013 und 2014 ist er aber noch nicht der Alte. "Es klappte heute nicht. Vielleicht war es das regnerische Wetter, ich mag dies nicht. Meine Beine waren nicht geschmeidig. Ich freute mich auf ein gutes, schnelles Rennen. Deshalb bin ich auch enttäuscht", sagte der Kenianer.

Die Sprints standen für einmal nicht im Zentrum des Meetings. Bolt hatte bereits vor Peking abgesagt. Shelly-Ann Fraser-Pryce wahrte über 100 m ihre seit Mai andauernde Ungeschlagenheit. Die Jamaikanerin hielt im Gegenwind die Konkurrenz in 10,93 Sekunden in Schach.

Eine besondere Note kam dem 110-m-Hürdenlauf zu, obwohl es keine eigentliche WM-Revanche war. Der Noch-Kubaner Orlando Ortega, Jahresschnellster in 12,94 Sekunden, war in Peking wegen des anstehenden Nationenwechsels nicht startberechtigt. Er stellte den den Weltmeister Sergej Schubenkow auf die Probe. Der Russe gab sich keine Blösse. Der Europameister von Zürich 2014 gewann in 13,14 Sekunden und siegte mit klarem Vorsprung vor David Oliver (USA) und Ortega. Ob Ortaga, der sich vor zwei Jahren an den Titelkämpfen in Moskau abgesetzt hatte, in Rio 2016 startberechtigt sein wird, ist noch offen. Die spanische Staatsbürgerschaft besitzt er bereits, aber mit der Freigabe durch die IAAF und den kubanischen Verband wird es knapp werden.

Von den 20 Weltmeistern aus Peking traten deren 16 in jener Disziplin an, in der sie sich im Vogelnest Gold umhängen liessen. Ihren Titel bestätigten bei der Revanche in Zürich nur 7 Athletinnen und Athleten: Shelly-Ann Fraser-Pryce (Jam/100 m), Zuzana Hejnova (Tsch/400 m Hürden), Christina Schwanitz (De/Kugel) sowie Schubenkow, Greg Rutherford (Gb/Weit), Asbel Kiprop (Ken/1500 m) und Shawn Barber (Ka/Stab) am Vorabend im Hauptbahnhof.

Zu den Geschlagenen zählten Tianna Bartoletta (USA/Weit), Marina Arsamassowa (WRuss/800 m), Yarisley Silva (Kuba/Stab), Katharina Molitor (De/Speer), Wayde van Niekerk (SA/400 m), Piotr Malachowski (Pol/Diskus), Ezekiel Kemboi (Ken/3000 m Steeple), Derek Drouin (Ka/Hoch) und Rudisha.