Kommentar

Leichtathletik-WM: Die Schweiz glänzt auch ohne Medaillen

Die Hoffnung der Schweizer Leichtathletikszene: Sprinterin Mujinga Kambundji rückt immer näher an die absoluten Weltspitze heran.

Die Schweiz reist mit so vielen Athletinnen und Athleten nach Doha wie noch nie an Weltmeisterschaften. Doch an der Weltspitze ist die Konkurrenz im Jahr vor Olympia knallhart. Die Analyse zu den realistischen Erwartungen der Schweizer Leichtathletik für die Titelkämpfe in Katar.

Rekordzahlen sagen nicht immer alles aus. Im Fall der Schweizer Delegation für die Weltmeisterschaften sind sie aber durchaus Referenz. Eine Referenz für Qualität. Nach London 2017 (19 Teilnehmende) glänzt die Schweizer Leichtathletik in Doha erneut mit einem quantitativen Bestwert (22). Und von den 15 Athletinnen und Athleten, die ab Freitag in Einzeldisziplinen an den Start gehen, waren 10 bereits vor zwei Jahren dabei.

An den drei vergangenen kontinentalen Titelkämpfen feierte die Schweiz schöne Erfolge. An Weltmeisterschaften hängen die Früchte höher. Zwar gewannen Schweizer Sportler seit der ersten WM 1983 vier Gold- und drei Bronzemedaillen. Diese gingen auf das Konto von Ausnahmeerscheinungen.

Schweizer Exploits: Von Günthör bis zu Röthlin

Alleine Kugelstösser Werner Günthör steht mit drei WM-Titeln (1987, 1991 und 1993) zu Buche, dazu kommt die Goldmedaille von Mittelstreckenläufer André Bucher (2001) sowie die dritten Ränge von Anita Weyermann (1997), Hürdenläufer Marcel Schelbert (1999) und – als bisher letzter Ausreisser nach oben – von Marathonläufer Viktor Röthlin (2007).

Keine schlechte Bilanz in einer Sportart mit olympischer Leuchtkraft und globaler Ausstrahlung. An Sportlerinnen und Sportler aus jeweils 43 verschiedenen Nationen gingen zuletzt 2017 in London und 2015 in Peking die insgesamt 144 Medaillen. Ein wahrer Dichtestress an der Weltspitze.

Schweizer WM-Medaillen sind in Doha nicht zu erwarten. Vor zwei Jahren standen auf der Habenseite der Statistik vier Finalplätze (Lea Sprunger, Nicole Büchler, Kariem Hussein und die Sprintstaffel der Frauen). Eine Verbesserung dieser Bilanz ist möglich, selbst wenn die Konkurrenz im Jahr vor Olympischen Spielen erfahrungsgemäss grösser ist als im Jahr danach.

Seit London sind mehrere Schweizer Athleten der absoluten Weltspitze näher gerückt, allen voran die Sprinter Mujinga Kambundji und Alex Wilson sowie die Hürdenspezialisten Lea Sprunger und Jason Joseph.

Die grosse Unbekannte

Die grosse Unbekannte nicht nur bei den Schweizern bleibt die Formplanung. Nie fand ein Leichtathletik-Grossanlass so spät im Jahr statt. Viele Athletinnen und Athleten mussten sich in dieser Saison lange gedulden, bis ihre Leistungen das erhoffte Niveau erreichten.

Einige warten nach wie vor auf den erlösenden Moment. Dennoch braucht es kein glänzendes Edelmetall in Doha um festzustellen, dass sich die Schweizer Leichtathletik so stark präsentiert wie nie zuvor.

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