Leichtathletik-Meeting Lausanne
Ajla Del Ponte in ultraschnellem Rennen zum zweiten Mal vor Mujinga Kambundji

Das Meeting «Athletissima» in Lausanne vor beinahe 13 000 frenetischen Zuschauern vereinte die Schweizer Aushängeschilder und ein Dutzend Olympiasieger aus Tokio. Die Leistungen liessen keine Wünsche offen.

Rainer Sommerhalder
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Ajla Del Ponte (links) auch in Lausanne vier Hundertstelsekunden schneller als Mujinga Kambundji.

Ajla Del Ponte (links) auch in Lausanne vier Hundertstelsekunden schneller als Mujinga Kambundji.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Was freut sie wohl mehr? Die dreifache Olympiasiegerin und neunmalige Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser-Pryce sprintet in Lausanne in 10,60 Sekunden ins Ziel. Nur zweimal lief eine Frau die 100 m schneller. Eine davon ist Frasers Landsfrau Elaine Thompson-Herah (10,54), die in Tokio auch den Olympiasieg einheimste. Nun gelingt der 34-jährigen, nur 152 Zentimeter grossen Fraser-Pryce also die süsse Revanche.

Ein weiteres grosses Duell spielt sich etwas weiter hinten im Weltklassefeld mit den ersten Sechs von Tokio ab. Die beiden Schweizerinnen Ajla Del Ponte und Mujinga Kambundji landen auf den Positionen 6 und 7. Und wieder hat die 25-jährige Tessinerin in 10,97 die Nase knapp vorne. Kambundjis Fazit im Ziel: «Die Zeit von 11,01 ist okay. Aber ich weiss, dass ich eine schnellere Zeit in den Beinen habe.» Für Del Ponte ist es nach dem Olympiafinal erst der zweite Sieg im Direktduell mit der Bernerin.

Jason Josephs Rekord mit zu viel Wind

Der Baselbieter Hürdensprinter Jason Joseph macht in Lausanne einen weiteren Schritt in Richtung Weltspitze. In einem Weltklassefeld mit drei der ersten vier Athleten aus dem Olympiarennen kämpft der 22-Jährige gar um den Sieg. Und nur der deutlich zu starke Rückenwind von 2,9 m/sec verhindert einen neuen Schweizer Rekord in 13,11.

Jason Joseph feiert seine Topleistung bei Athletissima in Lausanne.

Jason Joseph feiert seine Topleistung bei Athletissima in Lausanne.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Noch mehr als die Zeit wird Joseph der zweite Platz hinter US-Superstar Davon Allen freuen. Oft spielten ihm die Nerven im Konzert der ganz Grossen bisher noch einen Streich. Nicht diesmal. «Als ich als Letzter über die erste Hürde kam, dachte ich mir ‹nicht schon wieder›. Aber dann kam ich in Fahrt und am Schluss ist es aufgegangen», sagt Joseph.

Erfolglose Rekordjagd von Norwegens Olympiasiegern

Nichts mit Europarekord für Karsten Warholm über 400 m. Dem norwegischen Hürden-Weltrekordhalter geht nach schnellem Start auf der Zielgeraden das Benzin aus. Die Befürchtung, nach dem Jahrhundertrennen in Tokio beim ersten postolympischen Auftritt mit leerem Tank anzutreten, äusserte der 25-Jährige bereits vor dem Startschuss. «Ich weiss nicht, ob ich noch die Form und die Motivation habe», sagte Warholm mit Blick auf eine mögliche Rekordjagd.

Letztlich bleibt er in seinem ersten Flachrennen der Saison als Vierter mit einer Zeit von 45,51 Sekunden lediglich etwas mehr als vier Zehntelsekunden schneller als bei seinem Weltrekord über die Hindernisse. Er wolle in Zukunft auch auf dieser Strecke versuchen, Grenzen zu verschieben. «Aber ich benötige einige Rennen, um mein Potenzial auszuschöpfen.»

Besser macht es der zweite norwegische Olympiasieger Jakob Ingebrigtsen. Der 20-Jährige tut auch in Lausanne über 3000 m das, was er als Selbstverständlichkeit ansieht: Gewinnen! Doch der angepeilte Europarekord bleibt vorerst auch für ihn unerreichbar. Um neun Sekunden verpasst Norwegens Wunderläufer die 21 Jahre alte Marke.

Starker Auftritt von Lore Hoffmann

Nicht nur Karsten Warholm, der aktuelle Superstar der Leichtathletik, muss im Vorprogramm von Athletissima antreten. Auch die 800 m der Frauen gehören in Lausanne nicht zum offiziellen Diamond-League-Programm. Das hinderte die Walliserin Lore Hoffmann nicht, in einem internationalen Feld dank starkem Schlussspurt mit einer Zeit von 2:01,06 den zweiten Platz zu belegen.

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