Mujinga Kambundji, im Halbfinal wurden Sie mit der neuen Schweizer Rekordzeit gestoppt und 120 Minuten später laufen sie auf Rang vier des 100-m-EM-Finals. Ihr Kommentar?

Mujinga Kambundji: Es ist ein unglaublicher Tag. Im Halbfinal passte wirklich alles zusammen. Ich wusste nach meinen drei Rekordläufen in diesem Frühling und der Steigerung auf 11,32 (im Vorlauf – die Red.), dass die Form stimmt, dass noch mehr drinliegt. Aber 11,20 Sekunden, das ist wirklich eine gute Zeit.

Im Final liefen sie fast noch besser: 11,30 bei einem beträchtlichen Gegenwind von 1,7 m/s?

Ja, auch jenes Rennen war gut, vielleicht aber nicht ganz so gut. Ich fühlte mich ein klein wenig verkrampfter. Hervorragend hingegen war der Start geglückt, und die Zeit bei diesen Bedingungen ist schon erstaunlich.

Rang 4 – hatten Sie mit einem solchen Ergebnis geliebäugelt?

Überhaupt nicht, nein. Vielmehr ging ich davon aus, dass es möglicherweise für den Final reichen würde, wenn ich wirklich schnell laufe. Aber jetzt zeigen mir diese zwei Rennen: Da liegt schon kurzfristig noch mehr drin. Aber ich muss auch unumwunden zugeben: Ich empfinde eine Höllenfreude, über die Zeit, über den Rang.

Was bereitet die grössere Freude: Zeit oder Rang?

Der Rang. Weil es eine EM ist, die Heim-EM. Solches bleibt einmalig.

Zu Saisonbeginn standen Sie noch mit 10,50 Sekunden zu Buche. Wie lässt sich diese Entwicklung erklären?

Mir ist ein Riesensprung geglückt. Dieser musste aber einmal kommen, zumal ich zuvor mehrere Saisons nicht mehr richtig weitergekommen war. Und ich wagte und professionalisierte etliches. Ich zog von Bern, meiner Familie und meinem langjährigen Trainingsumfeld weg.